Ehemaliger Italien-Ministerpsäsident

Berlusconi vor ProsiebenSat.1-Übernahme? „Faktisch alleinige Kontrolle“ angemeldet

Italien-Politiker Silvio Berlusconi und seine Medienfirma MFE wollen ihre Anteile an den ProsiebenSat.1-Aktien erhöhen. Jetzt wurde ein Antrag eingereicht.

München – Silvio Berlusconi (86) als Inhaber von ProsiebenSat.1? Das klingt so surreal wie komisch – könnte aber bald gar nicht mehr so unrealistisch sein. Die italienische Medienholding MediaForEurope, die vom ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten gegründet wurde, hat die „faktisch alleinige Kontrolle“ über ProsiebenSat.1 bei der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde angemeldet. Das hat die Behörde am Sonntag (18. Dezember) veröffentlicht.

Berlusconi vor ProsiebenSat.1-Übernahme? „Faktisch alleinige Kontrolle“ angemeldet

Was nur wenige wissen: Schon vor der Anmeldung besaß Silvio Berlusconis Medienfirma MFE etwa 25 Prozent der ProsiebenSat.1-Aktien. Anfang November soll sich MFE laut eines Berichts der FAZ dann weitere vier Prozent am Konzern geischert haben und inzwischen also auf knapp 29 Prozent Anteile an dem deutschen Medienkonzern kommen. Sobald die Schwelle von 30 Prozent der Stimmrechte erreicht wäre, müsste ein Übernahmeangebot erfolgen.

Wie der Spiegel unter Berufung auf MFE berichtet, dementiert der Konzern derzeit jedoch, einen Anteil von mehr als 29,9 Prozent erwerben zu wollen. Die Anmeldung bei der österreichischen Wettbewerbsbehörde sei so drastisch formuliert, weil die Medienholding MFE mit ihren mehr als 25 Prozent Aktienanteilen bei Versammlungen eine Mehrheit bei den Stimmrechten erreichen könne (mehr Promi- und TV-News auf RUHR24 lesen).

Die betroffenen Unternehmen haben jetzt bis zum 10. Januar Zeit, Stellungnahmen oder Widerspruch einzureichen, weiß das Medienmagazin DWDL.

Berlusconi vor ProsiebenSat.1-Übernahme? DJV äußert Kritik

Kritik an einem immer größer werdenden Einfluss durch MFE auf die deutschen TV-Sender von ProsiebenSat.1 kam in der Vergangenheit unter anderem vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV). Anfang November forderten die Delegierten des Verbandes, den Anteil von MFE an ProSiebenSat.1, die vor kurzem einen Free-TV-Sender für immer eingestellt haben, dauerhaft auf unter 25 Prozent zu begrenzen.

Die italienische Medienholding MediaForEurope, die von Silvio Berlusconi gegründet wurde, hat die „faktisch alleinige Kontrolle“ über ProsiebenSat.1 angemeldet.

Einen „Einfluss auf die journalistischen Inhalte und einen Eingriff in die redaktionelle Unabhängigkeit“ der Angebote von ProSiebenSat.1 sollte aus Gründen der Staatsferne unterbunden werden, teilte der Verband damals mit.

Jetzt wettert DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall in einer Verbandsmitteilung: „Eine faktische Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Silvio Berlusconi würde die publizistische Ausrichtung der Sendergruppe nachhaltig stören.“ Der Deutsche Journalisten-Verband fordere „die zuständigen Medienaufsichtsbehörden in Deutschland und Österreich auf, eine Übernahme des Privatsenders ProSiebenSat.1 durch den italienischen Politiker und Medienunternehmer Silvio Berlusconi zu verhindern.“

Rubriklistenbild: © Ervin Shulku/Zuma Wire/Imago; ProSieben; C. Hardt/Future Image/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24