Terrorist aus Dortmund darunter

Prosieben-Doku schockiert: IS-Terrorkämpfer kommt aus Dortmund

Was tun mit Deutschlands IS-Terroristen? Diese Frage stellt ProSieben-Reporter Thilo Mischke in seiner Sendung am Montag (8. November) um 20.15 Uhr.

Deutschland – Thilo Mischke ist für den Bericht nach Syrien gereist und hat dort mit IS-Anhängern aus Deutschland gesprochen. ProSieben hatte für die Reportage kurzfristig sein Programm geändert. Der Hintergrund: Am Montag (25. Oktober) wurde die deutsche IS-Anhängerin Jennifer W. zu zehn Jahren Haft verurteilt – unter anderem soll sie zugelassen haben, dass ein jesidisches Mädchen grausam verdurstet.

ProSiebendeutscher Privatsender
SitzUnterföhring Deutschland
Gründung1986

Deutsche IS-Anhänger – ProSieben-Reporter berichtet auch über Dortmunder Lucas G.

Jennifer W. ist einer der bekanntesten Fälle — aber bei Weitem kein Einzelfall. Sie ist nach Angaben von ProSieben eine von vielen hunderten deutschen Männern und Frauen, die aufgebrochen sind, um sich den Kämpfern des Islamischen Staates anzuschließen. Wie ProSieben weiter berichtet, leben nach dem Zusammenbruch des Regimes viele der deutschen IS-Anhänger vor Ort in Auffanglagern oder sitzen als Häftlinge in Gefängnissen in Syrien oder im Irak – wie beispielsweise auch Lucas G. aus Dortmund, von dem RUHR24 Anfang 2019 berichtete. Viele von ihnen haben keine Aussicht auf eine Rückkehr nach Deutschland.

Diesem Thema widmet sich der Sender jetzt. Für die Reportage „ProSieben Thema: Das Erbe des Dschihad – Was tun mit Deutschlands IS-Terroristen?“, die nun am Montag (8. November) um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, hat Reporter Thilo Mischke in Syrien mit ehemaligen IS-Kämpfern und ihren Familien gesprochen – auch über den 26-Jährigen aus Dortmund-Scharnhorst wird berichtet. Thilo Mischke erklärt: „Der Lebenslauf von Lucas ist beispielhaft für viele ehemalige Angehörige des sogenannten islamischen Staats.“

Was tun mit deutschen IS-Kämpfern? Film sucht nach Antworten

ProSieben-Senderchef Daniel Rosemann erklärt dazu: „Thilo Mischke recherchiert in Syrien, um Antworten auf die große gesellschaftliche Frage zu finden: Was soll Deutschland mit den IS-Kämpfern und ihren Familien machen, die einst Deutschland verlassen haben, um in einen Krieg gegen unser Land und unsere Werte zu ziehen?“ Dabei sei Mischke auch an Orte gelangt, an denen noch nie ein deutscher Journalist gedreht habe.

Wer an Details zum Dreh interessiert ist, lässt nach der Sendung am Montag ProSieben eingeschaltet. Denn im Anschluss an die Sendung ist Thilo Mischke noch zu Gast bei „Zervakis & Opdenhövel. Live.“ und spricht dort über die Dreharbeiten und deren Nachwirkungen (weitere TV-News bei RUHR24).

Der Fall der IS-Anhängerin Jennifer W.: Grausame Tat sorgte für mediales Aufsehen

Der Fall der deutschen IS-Rückkehrerin Jennifer W. hatte insbesondere zum Prozessauftakt im Jahr 2019 für mediales Aufsehen gesorgt. Die Frau aus Lohne in Niedersachsen war laut einem Bericht der Tagesschau im Jahr 2014 in den Irak ausgereist, um sich dort der Terrormiliz „Islamischer Staat“ anzuschließen. Sie heiratete dort einen der Kämpfer der Organisation.

Die beiden sollen sich dort eine Jesidin als Sklavin gehalten haben. Die Frau hatte eine Tochter – ein fünfjähriges Mädchen. Das kleine Mädchen sollen Jennifer W. und ihr Mann in einem Hof in der prallen Sonne angekettet und verdurstet lassen haben, berichtet die FAZ.

Dem Prozess war eine spektakuläre Festnahme in Deutschland vorausgegangen, bei der ein FBI-Mitarbeiter vorgab, ihr bei der erneuten Reise nach Syrien zu helfen, wie DW.com berichtet.

Urteil im Terror-Prozess gegen Jennifer W. (l) – die deutsche IS-Anhängerin wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Schuldspruch im Fall Jennifer W. – Amal Clooney vertrat Mutter des toten Mädchens

Internationale Aufmerksamkeit hat der Fall auch aufgrund der berühmten Anwältin der Nebenklägerin erhalten: Denn die Mutter des toten jesidischen Mädchens wurde unter anderem von Menschenrechtsanwältin Amal Clooney – der Ehefrau von Hollywood-Star George Clooney – vertreten.

Nach zweieinhalb Jahren Prozess folgte nun der Richterspruch: zehn Jahre Haft für die heute 30-jährige Jennifer W. Das Oberlandesgericht München sprach sie am Montag (25. Oktober) wegen Beihilfe zum versuchten Mord und zum versuchten Kriegsverbrechen, wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland und wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig.

Deutsche IS-Anhängerin verfolgte menschenfeindliche Ziele

Das Mädchen sei der Situation „wehrlos und hilflos ausgesetzt“ gewesen, habe der Richter am Oberlandesgericht München erklärt. Das Gericht war laut FAZ zudem davon überzeugt, dass Jennifer W. der Mutter des Mädchens später, als diese um ihr Kind weinte, drohte, sie zu erschießen, wenn sie nicht damit aufhöre.

Die jesidische Frau sei außerdem häufig geschlagen worden und Jennifer W. habe ihren Mann oft dazu angestachelt. Der Deutschen seien die menschenfeindlichen Ziele und Taten des IS zu jeder Zeit bekannt gewesen.

Rubriklistenbild: © ProSieben