Jan Böhmermann deckt auf

Fynn Kliemann: Masken-Skandal hat Konsequenzen – erste Firmen beenden Deals

Fynn Kliemann wurde von Jan Böhmermann und dem ZDF Magazin des Masken-Schwindels bezichtigt. Ob zurecht oder nicht – erste Konsequenzen gibt es bereits.

Deutschland – In der Nacht auf Freitag (6. Mai) veröffentlichte das „ZDF Magazin“ eine Investigativ-Recherche zu Influencer und Unternehmer Fynn Kliemann. Laut der Recherche ließ Kliemann Masken in Asien statt in Europa produzieren – minderwertige Modelle gingen an Geflüchtete.

UnternehmerFynn Kliemann
Geboren1. Mai 1988 (Alter 34 Jahre), Zeven
Alben nie, POP, nur

Fynn Kliemann: Masken-Skandal: Jan Böhmermann enthüllt angeblichen Betrug im ZDF

Seitdem sein Masken-Skandal ans Licht kam, ist einiges passiert. Fynn Kliemann hat mittlerweile drei weitere Posts auf Instagram veröffentlicht, in denen er versucht, sein Handeln zu rechtfertigen – mit mäßigem Erfolg. Wir haben zusammengefasst, welche Konsequenzen dem Musiker jetzt drohen – vor allem Geschäftspartner und damit eine Menge Geld dürfte der Musiker in nächster Zeit verlieren (mehr Promi-News auf RUHR24 lesen).

Einige Konsequenzen, die Fynn Kliemann bereits ereilt haben:

  • Tafel kündigt die Vereinbarung mit der LDGG Immobilien GmbH auf
  • Nachhaltigkeitspreis wird Fynn Kliemann aberkannt
  • About You nimmt Masken von „ODERSO“ aus dem Sortiment
  • Viva con Agua beendet Zusammenarbeit mit Fynn Kliemann
  • EWE Energieversorger überdenkt Zusammenarbeit
  • Hamburg St. Pauli will Kooperation beenden
  • Fynn Kliemann beging laut Anwalt Betrug nach Strafgesetzbuch §263

Fynn Kliemann: Jan Böhmermann enthüllt angeblichen Masken-Betrug im ZDF – das hat Konsequenzen

Weil Fynn Kliemann die Fragen des ZDF Magazins schon am vergangenen Donnerstag (5. Mai) vor der Sendung veröffentlichte und in einem Statement darauf einging, reagierte bereits an diesem Tag die erste Organisation auf die Fehltritte des Musikers. Die Tafel, mit der Fynn Kliemann vereinbart hatte, dass sie die von seinem Urlaubs-Anbieter „Lass dir gut gehen“ (LDGG) bereitgestellten Urlaube an Tafel-Kunden sowie an Ehrenamtliche vermittelt, kündigte ihm die Zusammenarbeit.

Und das bereits vor der Veröffentlichung von Jan Böhmermanns Sendung, die zuletzt auch das Unternehmen Tönnies beleuchtet hat, auf Youtube, in der er den Masken-Betrug von Fynn Kliemann und „Global Tactics“ aufdeckte. Auf der von Böhmermann erstellten Seite LMAAFK (Leck mich am Ar*** Fynn Kliemann), die eine Anspielung auf Kliemanns Unternehmen LDGG ist, wird die gesamte Recherche noch einmal zusammengefasst.

Als Grund für die Kündigung führt die Tafel auf ihrer Website an, dass die Kommunikation anders gewesen sei, als in der Vereinbarung festgehalten und die fehlende Transparenz bei den Spenden der Organisation nicht bewusst war.

Am Freitagmittag (6. Mai) hatte sich nach Informationen von Business Insider die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis (DNP) zu Wort gemeldet. Die hatte Kliemann 2020 für seinen Einsatz bei der Masken-Produktion mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Der Preis wird dem Influencer nun entzogen. Die Begründung der Stiftung: „Er hat unlautere Methoden angewendet und uns mit Greenwashing hintergangen“.

Fynn Kliemann: Nach Masken-Enthüllung von Böhmermann beenden viele Unternehmen die Kooperation

Der Onlinehändler About You, der die Masken lange im Sortiment hatte, kündigte ebenfalls am Freitag an, den Verkauf der statt in Europa in Bangladesch produzierten Masken zu stoppen. Co-Gründer des Online-Stores, Tarek Müller, kommentierte unter dem Statement, in dem sich Fynn Kliemann entschuldigte: „Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt [...] Global Tactics [hat uns] weder im Jahr 2020, noch danach, darüber informiert [...] dass die Masken außerhalb Europas hergestellt worden wären. Selbstverständlich haben wir die „ODERSO“-Masken umgehend aus dem Sortiment genommen.“

Fynn Kliemann im Jahr 2021.

Am Montag, 9. Mai, zog ein weiteres Unternehmen nach, das den Unternehmer und Musiker Fynn Kliemann nach eigenen Angaben „immer als offen, herzlich und unterstützend“ erlebte. Fynn Kliemann habe Viva con Agua mit kreativen Spendenaktionen für sauberes Trinkwasser unterstützt. Trotzdem wolle man die Zusammenarbeit nun beenden. „Die Berichterstattung des @zdfmagazin über Fynn Kliemann und Global Tactics hat uns bestürzt und getroffen. Die geschilderten Vorgänge stehen in krassem Gegensatz zu unseren Werten und unserer Vorstellung von gemeinwohlorientiertem Unternehmertum“, schreibt die Nichtregierungs-Organisation (NGO) am Montag auf Twitter:

Laut dem Nachrichtenportal Watson soll auch der Energieversorger EWE angekündigt haben, die Zusammenarbeit mit Kliemann genauer zu untersuchen. Der Energie-Anbieter ist zu großen Teilen am „Kliemannsland“ beteiligt, einer Art Freizeitpark und Ferienhaussiedlung.

Auch der Hamburger Sportverein FC St. Pauli hatte im April 2020 „ODERSO“-Masken von „Global Tactics“ im Sortiment und will in Zukunft nicht mehr kooperieren. „Sollten sich die gegen Fynn Kliemann und Global Tactics erhobenen Vorwürfe bewahrheiten, wird der FC St. Pauli sämtliche zur Verfügung stehenden juristischen Konsequenzen prüfen lassen“, schreibt der Verein in einer Mitteilung, wie BuzzFeed.de berichtet.

Fynn Kliemann redet sich bei Masken-Affäre auf Instagram mit Statement raus

Bereits am Freitag, einige Stunden, nachdem Böhmermann das Video zu Fynn Kliemanns Maskenbetrug veröffentlichte, postete der Influencer ein Statement auf Instagram (siehe unten). Im Statement sagt er, dass er nicht Mitbesitzer der Firma „Global Tactics“ war und auch nicht Produzent oder Verkäufer. Trotzdem übernehme er „die volle Verantwortung“. Er widerspricht sich bei vielen Anklagepunkten und scheint nicht wirklich Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

So redet er sich beispielsweise damit raus, dass zu diesem Zeitpunkt „überall nach Masken geschrien wurde“. Er habe die Notlage gesehen und darauf reagiert, liest er von einem DIN A4 Blatt ab. Die zitierte WhatsApp-Nachricht „Krise kann auch geil sein“ habe sich anscheinend auf das „Gesamtkonzept bezogen“, die Schaffung von Arbeitsplätzen in Ländern wie Bangladesch, also „dass man in der Krise etwas bewirken“ kann. Aber „natürlich hat sich das auch aufs Geld verdienen bezogen“, beendet er die Erklärung.

Fynn Kliemann: ENtschuldigungs-Statement nach Masken-Enthülung kommt nicht gut an

Nutzer auf Instagram kommentieren unter seinem Entschuldigungs-Video und sind enttäuscht von ihrem einstigen Nachhaltigkeits-Vorbild. Die Influencerin @janaklar schreibt unter seinem Video zu den intransparenten Spenden: „Ich finde es einfach extrem traurig zu sehen, wenn Menschen mutwillig betrügen. Ich bin sicher, dass du gut von dem Geld leben könntest, das du bis jetzt gemacht hast. Warum immer größer, schmutziger und immer unauthentischer werden?“ Laut Medienberichten hat Fynn Kliemann ein Vermögen von insgesamt 2 Millionen Euro – mit dem Masken-Betrug kamen etwa 0,5 Millionen dazu, wie er bei einem Interview mit dem Spiegel zugab.

Die defekten Masken, die er an Flüchtlingscamps verkauft haben soll, waren laut Entschuldigungs-Video anscheinend „nur ein bisschen größer“ als die üblichen Masken. Ihm war die Fehlerbeschreibung, die das ZDF Magazin veröffentlichte, nicht bekannt, so Fynn Kliemann. Er „habe seinen Wertekompass aus den Augen verloren“, liest er ab. Er hätte sich hier „mehr Klarheit verschaffen müssen“, sagt Kliemann und spricht dabei aber nur von Großhandelskunden der Firma „Global Tactics“ – nicht von sich oder seiner Marke „ODERSO“.

„Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die mir schon lange folgen und Vetrauen in meine Arbeit haben“, sagt er in seinemm Statement. Er hebt noch einmal hervor, dass manche Masken auch wirklich nur aus Europa stammten. Instagram-Nutzern stößt das bitter auf. Ein Nutzer schreibt: „Ich fass das mal kurz zusammen: es sind alle anderen schuld, tut dir aber trotzdem leid, dass es aufgeflogen ist. Alles klar, haben wir verstanden.“ Ein anderer schreibt: „Kappas für die Nonpology“, und spielt damit darauf an, dass Kliemann sich nicht wirklich entschuldigt hat. „Wenn du das Referat deiner Gruppe noch nie vorher gesehen hast, aber plötzlich den Vortrag halten musst“, schreibt ein dritte unter dem Post.

Fynn Kliemann: Welche rechtlichen Konsequenzen könnte der Masken-Skandal haben?

Im Statement sagt er außerdem, er habe die Masken nicht beworben, sondern nur die, die in Europa produziert wurden. Auf der Website von About You waren die Masken aus Bangladesch aber als „ODERSO“ (Fynn Kliemanns Marke) gelabelt. Mit seinen Ausreden mache Fynn Kliemann seine Situation laut dem Kölner Medienanwalt Christian Solmecke aber nur immer schlimmer. Dieser durchleuchtet den Fall des Influencers und seinen Masken-Betrug in mehreren Youtube-Videos (siehe unten) und schätzt, dass Kliemann für Betrug nach Strafgesetzbuch §263 belangt werden dürfte.

Es sei jedoch auch vom ZDF Magazin nicht ganz fair gewesen, nicht alle Fragen vorab an Fynn Kliemann zu schicken, merkt Solmecke im Video an. Er habe nicht gewusst, dass das ZDF von seiner Bangladesch-Produktion durch Insider-Informationen wisse. Dass er sich keinen Anwalt genommen habe, schon für sein erstes Statement, sei jedoch grob fahrlässig gewesen, so Solmecke. Kliemann habe sich dadurch noch mehr verzettelt. Der vorsätzliche Verkauf von Masken, die als in einem anderen Land produziert angepriesen wurden, sei ein klassischer Betrug.

In Strafgesetzbuch §263 heißt es demnach: „Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Solch eine Strafe könnte dem Influencer also drohen. Auch, weil er nicht nur bei den Masken, sondern auch bei den Spenden für LDGG betrogen habe.

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