Kommentar

Cathy Hummels setzt sich gegen Depressionen ein – solange es ihr Geld bringt

Ein bisschen Yoga, Pediküre und ein Fotoshooting – und das soll gegen Depressionen helfen? Ja, wenn man Cathy Hummels Glauben schenkt.

Deutschland – Die Szenen auf dem Instagram-Account wirken grotesk: Cathy Hummels, die sich seit Jahren gegen Depressionen einsetzt, richtet ein Luxus-Retreat aus. Für die, die nicht wissen, was ein Retreat ist: Quasi ein All-inklusive-Urlaub, welcher unter einem Motto steht. Weit verbreitet sind Yoga-Retreats. Tägliches Yoga und theoretisches Wissen, getarnt als Urlaub zu unverschämten Preisen.

Cathy Hummels lädt Influencerinnen und Influencer zu einem Depressions-Retreat nach Rhodos ein

Für Cathy Hummels und zwölf „bekannte“ Influencerinnen und Influencer, die öffentlich noch nie Depressionen thematisiert haben, ging es auf ein Depressions-Retreat nach Rhodos. Klingt fragwürdig und unpassend und genau das war es auch. Denn neben den Influencerinnen und Influencer wurde auch noch direkt ein Make-Up-Artist, ein Personal Trainer, ein eigener Fotograf und ein Kamerateam von RTL mit eingeflogen (alle News zu Promis und TV bei RUHR24).

Was diese jetzt mit der Bewältigung von Depressionen zu tun haben? Richtig, nichts. Übernachtet wurde in einem 5-Sterne-Luxushotel am Meer. Absolut utopisch, wenn man nicht gerade ein Promi ist. Und so wurde fleißig Yoga gemacht, gebastelt, die Füße lackiert, es wurde professionell geschminkt und anschließend ging es zum Fotoshooting im Sonnenuntergang.

Cathy Hummels kämpft mit Fotoshootings, Yoga und Pediküre gegen Depressionen

Und wo genau wurden jetzt Depressionen behandelt? Wo sind Therapeuten, die den richtigen Umgang mit Depressionen erläutern? Auswege und neue Denkweisen schaffen können? Das Retreat steht für Außenstehende unter dem Motto: „Mein Leben geht den Bach runter, aber wenigstens habe ich schöne Fußnägel.“

Depressive Menschen, die sich keinen Privat-Therapeuten leisten können, warten in Deutschland durchschnittlich mehr als sechs Monate auf einen Therapieplatz. Teilweise sitzt man Jahre auf einer Warteliste. Man kann nur erahnen, wie sich diese Menschen fühlen müssen, die dringend eine Therapie benötigen und dann das Depressions-Retreat von Cathy Hummels im Internet sehen.

Moderatorin Cathy Hummels kann sich ihrer Verantwortung als Influencerin nicht entziehen

Cathy Hummels hat 600.000 Follower auf Instagram. Und auch, wenn sich Influencerinnen und Influencer gerne von ihrer Verantwortung lossagen und erklären, dass es ja nicht in ihrer Verantwortung steht, was ihre Follower machen – genau so ist es aber. Influencer influencen Menschen. Genau das ist ihr Beruf. Sie beeinflussen Menschen, dieses und jenes Produkt zu kaufen, welches sie in die Kamera halten. Bei dem Retreat von Cathy Hummels klappt das wunderbar, schließlich verdient sie auch daran eine Menge Geld.

Doch sie ist ebenso auch verantwortlich, wie sie die Krankheit Depression an ihre Follower weitergibt. Und Cathy Hummels zeigt: Ein Luxusurlaub auf Rhodos reicht. Ein bisschen malen, Pediküre und Fotoshootings mit dem eingeflogenen Fotografen. Und schon sind die Depressionen verschwunden. Doch so einfach ist das nicht. 

Cathy Hummels und ihre Depressions-Retreats als Geschäftsmodell

Cathy Hummels zu unterstellen, dass sie keine Ahnung von Depressionen habe, wäre töricht. Auch an ihrer Intelligenz zu zweifeln, würde in die falsche Richtung gehen. Sie ist eine Geschäftsfrau und weiß sich zu vermarkten. So hat sie aus ihrer Leidenschaft, Urlaub zu machen, eine Eventfirma für Retreats gegründet. So hat sie aus ihrer Leidenschaft, dem Barree-Sport, eine eigene kostenpflichtige Sport-App entwickelt.

Cathy Hummels nutzt das Thema Depressionen für ihren eigenen Geldbeutel aus.

Mit diesem Hintergrund ist auch klar: Cathy Hummels setzt sich für Depressionen ein – solange es ihr auch Geld bringt. Daher die berechtigte Frage: Wird der Moderatorin erst dann ein Thema wichtig, solange sie auch damit Profit machen kann? Immerhin wurden für ihre Retreats rund 20 Werbepartner engagiert.

Wenn ein Depressions-Retreat zur Werbeveranstaltung wird und Influencerinnen und Influencer eine Powerpose machen

Im Minutentakt wurden neue Produkte in die Kamera gehalten, mit dem passenden Rabattcode für die Instagram-Follower. Aus einem Depressions-Retreat, welches ohnehin nichts mit Depressionen zu tun hatte, wurde so eine Werbeveranstaltung wie beim Teleshopping-Sender QVC.

In Powerpose stehen also die zwölf nicht-(öffentlich-)depressiven Influencerinnen und Influencer und Cathy Hummels vor einer Kooperationspartner-Werbewand und gucken in die Videokamera. Und werben damit, so Depressionen heilen zu können. Doch das einzige, was sie geschafft haben, ist wirklich depressive Menschen zu verhöhnen.

Ein bisschen Fußpflege, Yoga auf Rhodos und eine hohe Geldsumme auf dem Konto und schon geht es euch allen wieder gut. Hätte man das doch schon früher gewusst, wären rund 6,4 Millionen Menschen in Deutschland wohl nie depressiv geworden. Danke, Cathy Hummels! Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Marja/Imago

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