"Was ist ein Mensch wert?"

Big Brother: Sat.1 erntet heftigen Shitstorm wegen neuem Staffel-Motto 

Zum 20-jährigen Jubiläum von "Big Brother" hat Sat.1 sich eine neue Werbekampagne ausgedacht. Und erntete dafür heftige Kritik im Netz. 

  • Die Realityshow Big Brother wird nach fünf Jahren Pause nun wieder auf Sat.1 gezeigt.
  • Zum 20-jährigen Jubiläum hat sich der Sender ein neues Motto überlegt.
  • Die Werbekampagne kam allerdings gar nicht gut an - sie erinnert viele an ein dunkles Kapitel in der Geschichte.

Köln - Schon am Tag seiner ersten Ausstrahlung sorgte der Realityklassiker "Big Brother" für große Aufregung. Nun, 20 Jahre später, will der Sender Sat.1 diesen Effekt wohl wiederholen. Und warb mit einem besonderen Motto für den Start der Jubiläumsstaffel.

Big Brother auf Sat.1 sorgt mit neuem Motto für Aufregung

Am 10. Februar geht es los bei Sat.1, wo nach Big Brother die Cowboys von The BossHoss in der Show "The Mole" einen Verräter suchen. Dann wird für mehrere Wochen wieder eine Gruppe von Menschen in einem als Container eingerichteten Fernsehstudio eingesperrt. Nach und nach müssen die einzelnen Kandidaten dann dasBig-Brother-Haus verlassen. Wer am Schluss übrig bleibt, hat gewonnen. So viel dazu. 

Das Format "Big Brother"auf Sat.1, bei dem in Kürze live die erste Entscheidung für die NRW-Kandidaten fällt, mag seit jeher fragwürdig sein, doch sorgte es immer wieder für hohe Einschaltquoten, Skandale - und Empörung. Mit der neuen Werbekampagne und einem veränderten Konzept setzte der Sender nun noch eines obendrauf. Denn in der Neuauflage der Realityshow kann das Publikum gelbe Sterne an Menschen vergeben, um so deren "Wert" zu bestimmen.

Neues Big Brother-Motto von Sat.1. kommt nicht gut an

Bevor die neue "Big Brother"-Staffel mit den Kandidaten aus NRW im Februar losgeht, hatte Sat.1 schon fleißig die Werbetrommel gerührt. Auf Postern, Plakaten und Social-Media-Posts waren zum Jubiläumsauftakt von "Big Brother" Sätze wie "Jeder Mensch ist etwas wert. Entscheide du, wie viel" oder "Neu im Programm: Menschen bewerten" zu finden. Die Slogans spielen auf das Konzept an, bei dem Zuschauer künftig per App die "Big Brother"-Kandidaten, die auf Sat.1 live vom Coronavirus in NRW und Dortmund erfahren, mit Sternen bewerten können. Die Auszeichnungen sollen dabei an das typische Bewertungssystem erinnern, dass man sonst vom Online-Shopping kennt. 

Um dem Ganzen noch eins obendrauf zu setzen, wählteSat.1 als Hintergrundmusik für den Werbetrailer den Song "Follow the Leader" der Münchener Band Cosby. Und das schien dann bei den Leuten ganz andere Assoziation als ein einfaches Bewertungssystem zu wecken. 

Sat.1 erntet Shitstorm für neues Big Brother-Konzept

Gepaart mit diesem Titelsong sehen viele Menschen in dem neuen Bewertungssystem bei "Big Brother", wo nun auch Menowin Fröhlich einzieht, der zuvor in Dortmund verhaftet wurde, Parallelen zur NS-Zeit. Und das rief enorme Reaktionen und einen regelrechten Shitstorm gegen Sat.1 auf Twitter ins Leben. "Fehlen nur noch braune Uniformen" kommentierte beispielsweise der Journalist Jens Clasen die Kampagne auf Twitter. 

Andere werfen dem Sender Geschichtsvergessenheit oder schlichte Dummheit vor. Das ist eine Auswahl an Kommentaren, die in den sozialen Medien gegen Sat.1 und Big Brother laut wurden:

  • "Sat.1 geht's noch? Menschen mit gelben Sterne zu markieren? Ist es Kalkül, Geschichtsvergessenheit oder eure Dummheit?...so eine niveaulose Aktion passt ja gut zum Niveau eures Programms."
  • "Menschen bewerten, aussortieren und mit gelben Sternen markieren. Wer sich das ausgedacht hat, muss im Geschichtsunterricht nach Bismarck gefehlt haben...In diesem Sinne: "Follow the Leader"...Unfassbar."
  • "Das ist abstoßend und hoffentlich komplett unüberlegt. Morgen ist der 75. Jahrestag der Ausschwitzbefreiung. Wer in diesen Zeiten Menschen mit Sternen bewerten soll, unterstützt abscheuliches Gedankengut."
  • „Wer ist denn bei euch für das Marketing zuständig? Oder sollte man Propaganda sagen? Heißt er zufällig Göbbels?“
  • "Menschen mit gelben Sternen markieren? Das können die Deutschen sehr gut seit 1935."
  • "Nicht zu fassen..."
  • "Liebes @sat1, Menschen mit gelben Sternen markieren hat in Deutschland eine katastrophale Geschichte, die in Auschwitz endete. Wie geschichtsvergessen ist man heutzutage in Unterhaltungsredaktionen eigentlich? Erschreckend."

So reagiert Sat.1 auf den Shitstorm gegen Big Brother

Bislang weicht reagiert Sat.1 noch sehr dezent auf die Netz-Reaktionen. Auf eine Nachfrage von Dwdl.de reagierte die Pressesprecherin des Senders mit den Worten: "Big Brother war und ist schon immer ein Sozialexperiment. In der Jubiläumsstaffel 2020 haben die Zuschauer erstmals die Möglichkeit, nicht nur übers Telefon-Voting, sondern mit direkter Bewertung den Bewohnern Feedback zu geben - so wie es viele Menschen tagtäglich offline und online zum Beispiel auf Social Media-Kanälen tun". 

Über die kritischen Stimmen auf Twitter und Co geht der Sender erst gar nicht ein. Ob sich Sat. 1 der Kritik noch stellen wird, bleibt abzuwarten. Aber am Ende ist es die Realityshow "Big Brother" selbst, die dann im Februar mit sehr wenig Sternen bewertet wird. 

Rubriklistenbild: © dpa/Collage: Ruhr24

Mehr zum Thema