Zukunft ungewiss

ARD und ZDF als gemeinsamer Sender: WDR-Chef will große Veränderung

Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender stehen in der Kritik. WDR-Intendant Tom Buhrow plädiert für Änderungen bei ARD und ZDF.

Deutschland – Bei Privatsender Sat.1 krachen aktuell die Quoten der Kult-Sendung „Britt“ ein. RTL hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern soll ein solches Dilemma vermieden werden. WDR-Intendant Tom Buhrow (64) fordert die Rundfunk-Anstalten daher mit einem ungewöhnlichen Vorschlag zum Handeln auf.

RundfunkverbundARD
Gründung5. Juni 1950, Westdeutschland
HauptsitzBerlin

Zukunft von ARD und ZDF ungewiss – WDR-Intendant Tom Buhrow fordert Veränderung

Egal, ob klassische Nachrichten, wie die Tagesschau, Quizsendungen oder Filme – Sowohl ARD als auch ZDF bieten den Zuschauern eine bunte Palette in Sachen TV-Programm. Dazu kommen die regionalen Sender, wie der WDR und der NDR. Oftmals ähneln sich die Sendungen allerdings.

Hinzu kommt, dass es bei den Zuschauern immer wieder Frust über den Rundfunkbeitrag der GEZ gibt. Aktuell sind 18,36 Euro pro Monat und Wohnung fällig – auch ohne explizite Aufforderung zur Zahlung. Für WDR-Intendant Tom Buhrow ist daher klar, dass sich etwas ändern muss.

Dafür bringt er in einer Rede verschiedene Möglichkeiten an. „Die erste Frage [...], die wir uns stellen müssen, ist: Will Deutschland im 21. Jahrhundert weiter parallel zwei bundesweite, lineare Fernsehsender? Wenn nicht: Was heißt das? Soll einer ganz verschwinden und der andere bleiben? Oder sollen sie fusionieren, und das Beste von beiden bleibt erhalten?“, zitiert die Tagesschau den 64-Jährigen.

Spartenprogramme vor dem Aus? Zukunft von ARD-Sendern ungewiss

Vom Abschaffen eines der Sender bis hin zu einem Zusammenschluss sieht Tom Buhrow verschiedene Optionen für die Zukunft von ARD und ZDF. Inwiefern die Ideen allerdings wirklich umsetzbar sind, ist fraglich. Dazu sei ein großer Umschwung notwendig, erklärt SWR-Intendant Kai Gniffke, der ab 2023 neuer Intendant der ARD ist. Die Medienpolitik müsse zunächst neu geregelt werden.

„Das kann Jahre dauern“, stellt er daher klar. Doch durch die Konkurrenz von Streamingdienste, wie Netflix müsse man zeitnah handeln. Ein wichtiger Schritt sei der sogenannte Medienstaatsvertrag, den verschiedene Politiker im Oktober 2022 unterzeichnet haben. Darin ist etwa geregelt, dass Spartensender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wie Tagesschau24 und ZDF info ins Internet verlagert werden können, um dort das Angebot weiter auszubauen.

Die TV-Sender ARD und ZDF gehören zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Für die TV-Sender bedeutet das hingegen womöglich, dass in Zukunft „weniger linerare Fernsehkanäle im Medienstaatsvertrag beauftragt werden“. Dadurch sollen Sender, wie Das Erste, ZDF und die Regionalprogramme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie Arte und 3sat dann selbst entscheiden, ob die „eigenständigen Kanäle“ künftig weiterhin im TV oder nur noch online laufen. Um dies durchzusetzen, müssen zudem bestimmte Gremien ihr Einverständnis geben.

ARD und ZDF bleiben vorerst im TV – Trotzdem Änderungen möglich

Für die Zuschauer bedeutet das, dass sie zunächst durchatmen können und weiterhin sowohl die neuen Folgen vom Tatort in der ARD als auch die Episoden des Bergdoktors im ZDF schauen können. Trotzdem sei es „richtig, auch Dinge zu überdenken, die wir lange für unantastbar gehalten haben“, gibt der künftige ARD-Intendant Kai Gniffke zu.

Dazu gehöre es, darüber nachzudenken, ob man die Orchester, Bigbands und Chöre der öffentlich-rechtlichen Sender zu jeweils einer Gruppe zusammenzuführen kann. Auch solle man hinterfragen, warum die ARD insgesamt 64 Rundfunk-Anstalten habe.

Rubriklistenbild: © Rüdiger Wölk, Michael Gstettenbauer/Imago; Collage: RUHR24

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