Bundeskanzlerin

Angela Merkel: So denkt Nina Hagen über Liedauswahl für Zapfenstreich

Für ihren Zapfenstreich wählte Kanzlerin Angela Merkel den außergewöhnlichen Klassiker „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Sängerin Nina Hagen. Die Sängerin hat dazu eine Meinung.

Berlin (dpa) - Am Donnerstag (2. Dezember) wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit einem Zapfenstreich verabschiedet. Sie wählte unter anderem das Lief „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen. Da war selbst die schrille „Godmother of Punk“ verblüfft (mehr Nachrichten über Promi & TV auf RUHR24 lesen).

SängerinCatharina Hagen
Geboren11. März 1955 (Alter 66 Jahre), Ost-Berlin
KinderCosma Shiva Hagen, Otis Hagen
EhepartnerLucas Alexander Breinholm (verh. 2004–2005), David Lynn (verh. 1996–2000)

Merkel-Abschied 2021: Bundeskanzlerin wählte außergewöhnliches Lied von Nina Hagen

„Ich bin übrigens von der Zapfenstreich-Musik-Auswahl genauso überrascht worden, wie meine Freunde und meine Feinde gleichermaßen“, heißt es von Nina Hagen über Angela Merkels Wunsch, ihren DDR-Hit beim Abschied aus dem Kanzleramt zu spielen.

Zunächst hatte die Rocksängerin den Verdacht, dass es sich dabei um eine „Fake-Meldung“ handele, doch das Musikkorps der Bundeswehr hat den Song tatsächlich beim Großen Zapfenstreich für Merkel am Donnerstagabend (2. Dezember) gespielt. Auch Hildegard Knefs „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ und das Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich“ wurde präsentiert.

Eine ungewöhnliche Ehre für den Hit von 1974 um „Micha“ und den „Sanddorn am Strand von Hiddensee“. Komponist Michael Heubach sagte einmal, der Text sei bis auf die Namen frei erfunden: „Nina und ich waren nie auf Hiddensee.“ In der DDR ging der Titel der damals erst 19-jährigen Nina Hagen durch die Decke.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Beim Zapfenstreich wollte sie Lied von Nina Hagen aus der DDR hören

Nun ist der DDR-Schlager nach 16 Jahren Merkel-Regierung Teil des höchsten militärischen Zeremoniells der Bundesrepublik. Dieses gibt es bei ihrer Verabschiedung für Kanzlerinnen und Kanzler, Bundespräsidenten, Verteidigungsminister, Generäle und Admirale.

Zum Zapfenstreich gehört auch, dass er immer abends im Fackelschein stattfindet. Gespielt wird eine historisch festgelegte Musikfolge, an deren Ende die Nationalhymne steht. Die Geehrten dürfen dafür drei Musikstücke ohne Vorgaben selbst wählen. Die jeweiligen Musik-Hits werden dann für das Militärorchester umgeschrieben, das aus etwa einem Dutzend verschiedener Blasinstrumente und mehreren Schlagwerken besteht.

Die Sängerin Nina Hagen ist nicht nur in der DDR beliebt gewesen. Im gesamten deutschen Sprachraum wird sie als „Mutter des Punks“ bezeichnet.

Früher wünschten sich die Altkanzler noch keine Rock- oder Pop-Hits: „Vor zwanzig Jahren hat man sich sicher andere Stücke gewünscht“, sagt Hauptmann Jürgen Albrecht vom Zentrum Militärmusik der Bundeswehr. Vor der Jahrtausendwende seien es vor allem Märsche gewesen, die auch während der Serenaden gespielt werden. Zuletzt habe es jedoch häufiger moderne Wünsche gegeben. „Wir als professionelles Orchester der Bundeswehr gehen auf diese Wünsche ein und setzen sie um.“

Nina Hagen bei Zapfenstreich von Angela Merkel zu hören: Sängerin äußert sich zu „Farbfilm“

Bundespräsident Joachim Gauck etwa wählte bei seinem Abschied den DDR-Rocksong „Über sieben Brücken musst du gehn“ von Karat, sein Vorgänger Christian Wulff den Judy-Garland-Hit „Over The Rainbow“.

Dass es beim Zapfenstreich durchaus auch mal emotional werden kann, zeigte sich bei Merkels Vorgänger Gerhard Schröder (SPD). Nach „Summertime“ aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“ und Kurt Weills „Moritat von Mackie Messer“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ setzte ein Trompeter zu Frank Sinatras „My Way“ an. Das rührte den Alt-Kanzler zu Tränen.

Und Merkel wählte also den „Farbfilm“. Das Lied triefe vor Ironie, schrieb Sängerin Nina Hagen einst in ihrer Autobiografie. Es atme „das giftige Grau von Bitterfeld und die Tristesse von Leipzig“, es spiele „im Milieu einer irren Sehnsucht danach, dieser Schwarzweißwelt zu entfliehen“. Mit dpa-Material

Rubriklistenbild: © Gerald Matzka/DPA

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