Amtsinhaber ändert Tonfall

Leipzig: Völlig überraschendes Wahl-Beben - jetzt ist alles offen

Burkhard Jung (SPD, r) hinter seinem Herausforderer Sebastian Gemkow (CDU)
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Burkhard Jung (SPD, r) hinter seinem Herausforderer Sebastian Gemkow (CDU)

Die Bürger in Leipzig waren zur OB-Wahl gerufen. Die Zahlen deuten auf einen engen Ausgang - eine jahrzehntealte Tradition könnte zu Ende gehen.

  • Die Leipziger haben am 2. Februar ihre Stimmen für die Oberbürgermeister-Wahl abgegeben. 
  • Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) zeigte sich wenige Tage vor der Wahl entsetzt über Gewaltausbrüche bei einer Demonstration in der sächsischen Stadt.
  • Alle aktuellen Nachrichten zur OB-Wahl in Leipzig lesen Sie in diesem Ticker.

Update vom 3. Februar: Überraschung in Leipzig: Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) hat die erste Runde der Oberbürgermeister-Wahl gewonnen. Der Jurist bekam 31,6 Prozent der Stimmen - und lag damit vor Amtsinhaber Burkhard Jung von der SPD. Dieser verlor im Vergleich zur vorigen Wahl mehr als zehn Prozentpunkte und kam auf 29,8 Prozent. 

Jung ist seit 2006 Rathauschef. Auf dem dritten Platz landete die Kandidatin der Linkspartei, Riekewald, mit 13,5 Prozent. Damit ist am 1. März ein zweiter Wahlgang notwendig, bei dem dann die einfache Mehrheit reicht. In Sachsen gibt es keine Stichwahl, sondern alle Kandidaten können erneut antreten.

Bürgermeister-Beben in Leipzig? Vorläufiges Ergebnis zeigt Kopf-an-Kopf-Rennen

Update 21.55 Uhr: Nach dem überraschenden Ausgang des ersten Wahlgangs in der Oberbürgermeister-Wahl in Leipzig haben sich die beiden Favoriten kampfeslustig gezeigt. „Ich freue mich über das Vertrauen, dass mir die Wählerinnen und Wähler entgegenbracht haben“, sagte CDU-Kandidat Sebastian Gemkow. „Ich gehe aber auch mit Demut in die kommenden Wochen und will noch möglichst viele Leipzigerinnen und Leipziger davon überzeugen, dass ich gute Ideen für die Stadt habe.“

Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) läutete direkt den weiteren Wahlkampf ein. „Jetzt gehts um die Wurst“, rief er seinen Anhängern zu. Das Ergebnis habe ihn nicht überrascht. „Ich habe genau das erwartet. Dieser Zweikampf, der jetzt vor Augen ist - so ist die Stadt“, sagte der Oberbürgermeister. 

Noch vor wenigen Tagen hatte Jung allerdings etwas anders geklungen. Angesprochen, ob er seinen Posten gefährdet sehe, sagte SPD-Politiker der taz: „Ehrlich gesagt, ich kann mir das nicht vorstellen, in der Wiege der Sozialdemokratie.“

OB-Wahl in Leipzig: Vorläufiges Ergebnis liegt vor - Amtsinhaber unter Druck, AfD bleibt einstellig

Update 20.21 Uhr: Nun gibt es neue Zahlen aus Leipzig: Nach dem vorläufigen Ergebnis erhielt Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) 29,8 Prozent der Stimmen. Er lag damit knapp hinter seinem ärgsten Rivalen, dem CDU-Politiker Sebastian Gemkow, der auf 31,6 Prozent kam. 

Damit ist am 1. März ein zweiter Wahlgang notwendig, bei dem dann die einfache Mehrheit reicht. Allerdings gibt es keine Stichwahl - stattdessen können alle Kandidaten noch einmal antreten. Viel wird daher davon abhängen, was die anderen der insgesamt acht Bewerber für den Oberbürgermeister-Posten nun machen.

Die Bewerberin der Linkspartei, Franziska Riekewald, kam am Sonntag mit 13,5 Prozent auf den dritten Platz. Katharina Krefft von den Grünen erreichte zwölf Prozent, und Christoph Neumann von der AfD kam mit 8,7 Prozent der Stimmen nur auf ein einstelliges Ergebnis. Marcus Viefeld von der FDP, Katharina Subat von Die Partei und Ute Elisabeth Gabelmann von der Piratenpartei landeten abgeschlagen auf den letzten Plätzen. Sollten Riekewald und Krefft verzichten, könnte dies Jungs Chancen beträchtlich erhöhen.

Jung ist seit 2006 Rathauschef in Leipzig. Seit dem Mauerfall haben in der größten Stadt Sachsens stets SPD-Bürgermeister das Sagen gehabt - vor Jung die Politiker Hinrich Lehmann-Grube (1990-1998), Wolfgang Tiefensee (1998-2005) sowie kommissarisch Andreas Müller (2005/2006).

Bürgermeister-Beben in Leipzig? Erste Zahlen zeigen Kopf-an-Kopf-Rennen

Update 20.00 Uhr: Bei der OB-Wahl in Leipzig hat ersten Teilergebnissen zufolge im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) kam am Sonntag nach Auszählung des Großteils der Wahlbezirke auf knapp 30 Prozent der Stimmen und lieferte sich damit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem CDU-Herausforderer Sebastian Gemkow. Der amtierende sächsische Wissenschaftsminister lag bei rund 31 Prozent.

Damit ist am 1. März ein zweiter Wahlgang notwendig. Dann reicht die einfache Mehrheit für den Gewinn der Oberbürgermeisterwahl. Die bisherigen Kandidaten können wieder antreten. Am Sonntag beteiligten sich insgesamt acht Kandidaten an der Wahl in Leipzig. Neben SPD und CDU schickten Linke, Grüne, AfD, FDP, Die Partei und die Piratenpartei Bewerber ins Rennen. Jung will nach einem Bericht der Leipziger Volkszeitung trotz der sich offenbar abzeichnenden knappen Niederlage noch einmal antreten.

Wahl in Leipzig: OB entsetzt über jüngste Gewaltausbrüche in der Stadt

Leipzig - Im Vorfeld der OB-Wahl in Leipzig kam es bei einer Demonstration gegen das Verbot des Onlineblogs „linksunten.Indymedia“ zu gewalttätigen Ausschreitungen. Die Protest-Veranstaltung fand am 25. Januar, nur acht Tage vor der OB-Wahl, statt. Leipzigs amtierender Bürgermeister Burkhard Jung (SPD), der bei der diesjährigen Wahl bereits zum dritten Mal kandidiert, zeigte sich nun entsetzt über den Gewaltausbruch. „Was geht in Menschen vor, die so hassen? Sie wüten gegen alles, alles, für das wir täglich eintreten: gegen Respekt, gegen Demokratie und Rücksicht und Toleranz“, sagte der Politiker nach den Ausschreitungen bei der Demo.

OB-Wahl in Leipzig: In der Stadt kam es wiederholt zu Gewaltausbrüchen

Doch der jüngste Gewaltausbruch ist nicht der einzige Vorfall dieser Art. Zuletzt kam es in der Stadt immer wieder zu Gewalt, die Linksextremisten zugeschrieben wird. So kam es 2019 zu einer Reihe von Brandanschlägen auf Baustellen, dann lief eine Silvesterfeier am Connewitzer Kreuz völlig aus dem Ruder und nun flogen Böller und Steine bei der Demonstration am vergangenen Samstag. 

Eine „verbrecherische Gruppe“ habe am Samstagabend das Recht auf friedliche Demonstration und freie Meinungsäußerung hemmungslos und gewalttätig ausgenutzt. „Auf diese Kriminellen kann es nur eine Antwort geben: einen starken Staat“, betonte Jung.

Sein deutliches Statement zu den jüngsten Vorfällen ist wohl auch Teil des Wahlkampfs von Jung. Den führt der 61-Jährige auch über Twitter - jedoch auf ganz andere Art und Weise. Dort veröffentlichte die SPD Leipzig am Vortag der Wahl ein Video, indem Jung den Fokus vor allem auf positive Entwicklungen in Leipzig lenkt.

OB-Wahl in Leipzig: Burkhard Jung äußert Vorwürfe gegenüber Landesregierung

Erst Anfang Januar warf der SPD-Mann der sächsischen Landesregierung allerdings vor, dass zu wenige Polizisten in Leipzig wären, berichtet sächsische.de. Es sei „systematisch zu wenig Polizei auf der Straße“, sagte Jung auf einem ersten großen Forum aller Kandidaten im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahl. In der Stadt gäbe es heute deutlich weniger Beamte als vor fünf Jahren, obwohl Leipzig seither 56 000 Einwohner mehr zähle. In der Vergangenheit habe der Freistaat mit seiner strengen Sparpolitik zu einem Mangel an Sicherheit beigetragen. 

Bei der Wahl am Sonntag werden neben Amtsinhaber Jung auch Katharina Krefft für die Grünen, Franziska Riekewald für die Linke und Marcus Viefeld für die FDP antreten. Für die AfD ist Christoph Neumann im Rennen und für die Piraten-Partei Ute Elisabeth Gabelmann*. Als Jungs stärkster Konkurrent gilt jedoch der CDU- Politiker Sebastian Gemkow, der auch sächsischer Staatsminister für Wissenschaft ist. Falls sich keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang durchsetzt, soll am 1. März eine Stichwahl stattfinden. 

* In einer ersten Fassung dieses Textes war Ute Elisabeth Gabelmann der falschen Partei zugeordnet. Korrekt ist die Piratenpartei. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

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