Besonderer ZDF-Talk

Bundestagspräsident Schäuble bei Markus Lanz zeigt sich emotional - „Von einer Sekunde auf die andere“

Wolfgang Schäuble sitzt im Studio der Talkshow von Markus Lanz.
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Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu Gast bei Markus Lanz.

Am Mittwochabend war Wolfgang Schäuble bei einer besonderen Ausgabe von Markus Lanz‘ Talk-Sendung zu Gast. Der CDU-Politiker erzählte von dem Tag, an dem zweimal auf ihn geschossen wurde.

  • Am Mittwochabend war Wolfgang Schäuble der einzige Gast bei Markus Lanz.
  • Die Sendung wurde besonders emotional, als Schäuble über den Grund sprach, warum er heute im Rollstuhl sitzt.
  • Seine Tochter habe gesagt: „Ich glaube, der Papa ist tot

Hamburg - „Willkommen zu einer besonderen Ausgabe von Markus Lanz“ - mit diesen Worten begrüßte ebenjener Moderator seine Zuschauer am Mittwochabend im ZDF. Besondere Ausgabe, da nur ein Gast geladen war: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Gemeinsam mit dem CDU-Politiker blickte Lanz auf 30 Jahre Wiedervereinigung zurück, sprach über sein Verhältnis zu Altkanzler Helmut Kohl und Bundeskanzlerin Angela Merkel und äußerte sich zum aktuellen politischen Geschehen rund um die Demonstrationen am Reichstag.

Emotional wurde es dann, als Schäuble vom Attentat auf ihn erzählte. Am 12. Oktober 1990, nur neun Tage nach der deutschen Wiedervereinigung, wurde der damals 48-Jährige bei einer Wahlkampfveranstaltung im baden-württembergischen Oppenau von zwei Schüssen getroffen und schwer verletzt.

Schäuble bei Markus Lanz: CDU-Politiker kann sich nicht an die Tage nach dem Attentat erinnern

Der Schütze war psychisch krank, wurde beim anschließenden Prozess für schuldunfähig erklärt. Schäuble, damals Innenminister, wurde am Rückenmark und Kiefer verletzt und ist seit dem Attentat querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Er habe den Tag des Attentats noch immer „gut in Erinnerung“, erzählte Schäuble in der Talk-Sendung. Er sei rausgegangen „und da macht es auf einmal knall.“ Heute wisse er nicht mehr, was in den darauffolgenden fünf Tagen passiert sei, seine Erinnerung sei wie ausgelöscht. „So geht’s. Von einer Sekunde auf die andere ist es eine andere Welt, das ist menschliches Leben“, sagt Schäuble zu Lanz.

Über den Tag des Attentats berichtete Schäuble noch gefasst, als er dann über seine Familie spricht, wird es emotional. Seine Tochter war bei der Veranstaltung vor Ort, bekam die Schüsse auf ihren Vater mit. Die damals 17-Jährige habe ihre Mutter angerufen und gesagt: „Ich glaube, der Papa ist tot.“ Den Rest kenne er nur noch aus Erzählungen, so Schäuble. Doch: „Das ist das Leben. Ich durfte weitermachen.“

„Markus Lanz“: Schäuble findet Sturm auf den Reichstag „verabscheuungswürdig“

Schnell bemühte sich Schäuble daraufhin, wieder seine Fassung zu erlangen. „Man muss das nicht so überhöhen“, sagte er schnell, angesprochen auf seine Frau und das Leid, das er und seine Familie durchstehen mussten. Er sei gut damit zurechtgekommen. Die Arbeit habe ihm „unheimlich geholfen“, er habe so viel gearbeitet, dass er sich manchmal nicht genug auf die Reha konzentrieren konnte, erzählte der heute 77-Jährige.

Lanz wollte dann von Schäuble wissen, ob er nie an seinem Schicksal gehadert habe. Doch, natürlich, sagte daraufhin Schäuble lächelnd, „aber es nützt auch nichts.“ Er sei ein Mensch, der gut verdrängen könne. Er sei weder ein besserer noch schlechtere Mensch geworden.

Auch über die Corona-Demonstration rund um den Reichstag sprachen Lanz und Schäuble, vor allem der versuchte Sturm des Gebäudes sei für ihn „verabscheuungswürdig“. Der Reichstag sei für viele ein Symbol, so Schäuble. „Aber für Neonazis, da muss man halt daran denken: Der Reichstagsbrand ist das Symbol für die Zerstörung der Demokratie.“

Wohl unfreiwillig Fragen aufgeworfen hat unterdessen allerdings eine neue Corona-Empfehlung Schäubles für den Bundestag.

Video: Wolfgang Schäuble zum Bundestagspräsidenten gewählt