Ex-Fraktionschef ist zurück

CDU-Rückkehrer Friedrich Merz: Frau, Kinder, Vermögen und Karriere

Friedrich Merz hat 2020 erneut die Chance, nach dem CDU-Vorsitz zu greifen. Hier finden Sie seinen Lebenslauf: Frau, Kinder und Karriere im Überblick.

  • In der CDU setzen weiterhin viele Parteimitglieder Hoffnungen auf Friedrich Merz.
  • Bei seiner Rückkehr in die Politik griff er direkt nach dem Parteivorsitz - im zweiten Anlauf könnte es 2020 klappen.
  • Merz kann in der CDU auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken.

Berlin - Der Griff nach der Macht in der CDU war Friedrich Merz beim letzten Versuch misslungen. Bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden ist er 2018 in der Stichwahl gegen Annegret Kramp-Karrenbauer unterlegen. Ob er erneut dauerhaft in die Politik einsteigt, war zunächst noch unsicher.

Friedrich Merz griff schon 2018 nach dem CDU-Parteivorsitz

Friedrich Merz kehrte 2018 auf die politische Bühne zurück, nachdem Angela Merkel als Parteivorsitzende deutlich geschwächt wurde. Nach den beiden Niederlagen für die Union bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen 2018 sahen viele den Rücktritt von Angela Merkel vom Posten der CDU-Vorsitzenden als logische Konsequenz. Beim CDU-Parteitag im Dezember 2018 war Friedrich Merz unter den Bewerbern - sein Griff nach dem Parteivorsitz kam nach längerer Abstinenz vom politischen Parkett.

In seiner Bewerbungsrede für den CDU-Vorsitz hatte Merz die Partei damals zu einer Erneuerung aufgerufen. "Von diesem Parteitag muss ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung unserer Partei ausgehen", sagte Merz auf dem CDU-Parteitag in Hamburg. Es brauche einen "Strategiewechsel" beim Umgang mit Themen, in der Auseinandersetzung mit dem politischen Wettbewerber sowie in der Kommunikation mit den Bürgern.

Während der Zuspruch zu den Volksparteien abnehme, seien die Populisten von links und rechts "immer lauter und immer erfolgreicher", sagte Merz. Die AfD sitze inzwischen im Bundestag und allen 16 Landesparlamenten, während die CDU viele Wähler auch an die Grünen verliere. Dieser Zustand sei für ihn "einfach unerträglich", sagte der frühere Unionsfraktionschef. Für manche in der Partei bleibt er auch 2019 vor dem CDU-Parteitag in Leipzig noch der Hoffnungsträger. Für den erneuten Griff nach dem CDU-Vorsitz musste aber 2020 ein politisches Beben vorausgehen.

Friedrich Merz und die CDU - Karriere in der Partei

Die politische Karriere von Friedrich Merz begann im Jahr 1989: Damals wurde er als Abgeordneter in das Europaparlament gewählt. Anschließend war er bis 2009 Abgeordneter im Deutschen Bundestag. In dieser Zeit hat er bereits Erfahrungen als Fraktionsvorsitzender gesammelt - ab 2000 hatte er dieses Amt inne. Zwei Jahre später wurde er jedoch wieder abgelöst. Seine Nachfolgerin: Angela Merkel. Sie hatte den Fraktionsvorsitz der CDU/CSU nach der Bundestagswahl 2002 für sich beansprucht und Merz somit aus dem Amt gedrängt. 

Zunächst war Friedrich Merz noch der stellvertretende Parteivorsitzende der CDU. Im Jahr 2004 trat er allerdings von diesem Amt zurück. Im Jahr 2007 kündigte er schließlich an, bei der Bundestagswahl 2009 nicht mehr zu kandidieren. Kurz darauf bestätigte er, dass er eine Politik-Pause einlegen wolle. Als Mitglied der CDU-Parteikommission „Zusammenhalt stärken – Zukunft der Bürgergesellschaft gestalten“ bekleidete er ab 2014 erstmal seit zehn Jahren wieder ein Amt in der CDU. 

Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer kämpften 2018 um den CDU-Parteivorsitz.

In der Wirtschaft arbeitetet Merz für Blackrock, AXA und Deutsche Börse

In seiner fünfjährigen Pause von der Politik widmete sich Friedrich Merz Tätigkeiten in der freien Wirtschaft. Der studierte Rechtsanwalt gehört verschiedenen Aufsichtsräten an, darunter in der Vergangenheit auch denen der Deutschen Börse und der AXA Konzern AG. Seit 2016 sitzt er außerdem im Aufsichtsrat für den weltweit größten Vermögensverwalter Blackrock.

Für seine Aktivitäten im Wirtschaftssektor wird Friedrich Merz allerdings auch kritisiert. Zum Beispiel wies die Anti-Korruptions-Organisation Transparency darauf hin, dass der 62-Jährige im Aufsichtsrat der Privatbank HSBC Deutschland saß, als diese in sogenannte Cum-Ex-Geschäfte verwickelt war.

Seine enge Verbindung zur Wirtschaft wird im Zusammenhang mit seiner Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz als Nachfolger von Angela Merkel von einigen Politikern außerdem als Interessenskonflikt gesehen. Merz kündigte dagegen an, alle seine Aufsichtsratsmandate niederzulegen, sollte er als Parteivorsitzender gewählt werden.

Friedrich Merz‘ Gehalt: Mit 1 Million nur „Mittelklasse“?

Der Politik-Rückkehrer Friedrich Merz hatte lange ein Geheimnis daraus gemacht, wie viel Geld er im Jahr verdient. Letztlich hat er das Geheimnis selbst gelüftet - in einem Interview mit der Bild am Sonntag. „Heute verdiene ich rund eine Million Euro brutto.“ Merz zählt sich trotzdem nicht zur Oberschicht.

Eines von mehreren Argumenten, die er nennt: „Wenn ich ‚Oberklasse‘ oder ‚Oberschicht‘ höre, denke ich an Menschen, die viel Geld oder eine Firma geerbt haben und damit ihr Leben genießen. Das ist bei mir nicht der Fall.“ (Lesen Sie mehr Details zu Merz‘ Jahreseinkommen in diesem Artikel.)

Das sind die Themen des Politikers Friedrich Merz

In seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter etablierte sich Friedrich Merz als ein Vertreter einer konservativen und wirtschaftsnahen Politik. Bekannt wurde er auch wegen seiner Prägung des Begriffs „deutsche Leitkultur“. Außerdem plädierte er in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter unter anderem für eine Vereinfachung des Steuersystems und für die Einschränkung von Sozialleistungen. Friedrich Merz warnte zudem vor einer zu schnellen Energiewende. Im Jahr 2010 war er einer der prominentesten Unterstützer des „Energiepolitischen Appells“, der unter anderem die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke voranbringen sollte. 

Trotz seiner konservativen Haltungen steht er dem Rechtspopulismus kritisch gegenüber. Das zeigte sich an seiner Ablehnung des Ludwig-Erhard-Preises. Er wollte nicht mit Roland Tichy, dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, auf einer Bühne stehen. Tichys publizistischen Tätigkeiten werden häufig als rechtspopulistisch eingeschätzt.

Obwohl er bei einigen Themen andere Ansichten vertritt, wollte sich Friedrich Merz laut eigener Aussage der Politik von Angela Merkel bei seiner Politik-Rückkehr nicht vollkommen entgegenstellen. Auch Merkel stand der Kandidatur von Merz offen gegenüber. Obwohl man nicht immer einer Meinung sei, habe man in der bisherigen Zusammenarbeit immer Lösungen gefunden, sagte sie dazu. 

Lebenslauf: Kindheit, Jugend und Ausbildung von Friedrich Merz

Friedrich Merz wurde die Mitgliedschaft in der CDU quasi „in die Wiege gelegt“. Bereits sein Vater war Mitglied der CDU. Merz entstammt einem konservativen und katholisch geprägten Haushalt und wurde in Brilon in Nordrhein-Westfalen geboren. Seine Mutter ist französischer Herkunft - sein Großvater Josef Paul Sauvigny war bis 1937 der Bürgermeister von Brilon. 

Genau wie sein Vater studierte Friedrich Merz nach dem Abitur Jura - zunächst in Bonn und später in Marburg. Er war vor seiner Karriere in der Politik unter anderem als Richter am Amtsgericht Saarbrücken tätig und arbeitete auch in seiner politischen Auszeit bis 2014 als Rechtsanwalt in der internationalen Kanzlei Mayer Brown LLP.

Friedrich Merz hat mit Ehefrau Charlotte Merz drei Kinder

Seit 1981 ist er mit seiner Ehefrau Charlotte Merz verheiratet. Seine Ehefrau ist ebenfalls Juristin und Direktorin des Amtsgerichts in Arnsberg in Nordrhein-Westfalen, wo die beiden auch leben. Das Paar hat drei Kinder, die inzwischen erwachsen sind. 

Merz hat gute Chancen auf den CDU-Vorsitz

Als er 2018 den Parteivorsitz anstrebte, wurde die Kandidatur von Friedrich Merz von vielen Politikern begrüßt. Unter anderem sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete und Chef des Parlamentskreises Mittelstand, Christian von Stetten, Merz sei der „Knaller“, den die CDU jetzt brauche. Auch der frühere Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach sprach sich für Friedrich Merz als Merkels Nachfolger aus.

Nachdem gegen Annegret Kramp-Karrenbauer knapp unterlegen war, hat er seine Ambitionen auf den Parteivorsitz zunächst zu den Akten gelegt. Das Nachspiel der Landtagswahl in Thüringen änderte dann schlagartig alles.

Vor dem Parteitag 2019 in Leipzig sagte März noch AKK und auch Kanzlerin Angela Merkel seine Unterstützung zu - obwohl es auch Äußerungen gab, die daran Zweifel aufkommen ließen. Erst nach der Ankündigung des AKK-Rücktritts ging Friedrich Merz wieder zur Bewerbung um den Parteivorsitz über. CDU und FDP hatten zuvor in Thüringen ein Desaster erlebt. Zusammen mit der AfD brachten sie einen Ministerpräsidenten ins Amt - und mussten sich fast sofort von dieser Entscheidung distanzieren. Annegret Kramp-Karrenbauer zog Konsequenzen und machte damit den Weg frei für die Kandidaturen von Friedrich Merz, Armin Laschet*, Jens Spahn* und Norbert Röttgen*.

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