„Die Kapazitäten wären hochgefahren worden...“

Notfallzulassung, andere Impfstoffe, andere Mengen - Karl Lauterbachs Plan für den Ausweg aus dem Impf-Chaos

 Karl Lauterbach (SPD)
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Karl Lauterbach (SPD) will mit einem Drei-Stufen-Plan aus dem Impfchaos kommen (Archivfoto).

Karl Lauterbach (SPD) will niemanden für die Impf-Misere in Deutschland verantwortlich machen - dennoch hat er drei klare Appelle an die Politik.

München - „Es ist klar, es ist ruckelig angelaufen. Wir müssen jetzt schauen, dass wir das Beste daraus machen“ sagt SPD*-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach über den Impfstart in Deutschland*. Er will niemanden verantwortlich dafür machen, dass aktuell weitaus weniger Impfstoff zur Verfügung steht, als benötigt würde. In Bild.de schlägt er einen Drei-Stufen-Plan vor, mit dem man aus dem Chaos kommen könnte.

„Es ist vielleicht etwas anders bestellt worden, als gut gewesen wäre, aber die Bestellung über die EU ist an und für sich nicht zu beanstanden“, so Lauterbach zum Thema Mangel an Impfstoffen*. Einen klaren Kritikpunkt hat er aber doch: „Die EU hatte insgesamt nur zwei Milliarden Dollar für die Bestellungen zur Verfügung. In Amerika sind mehr als zwölf Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt gewesen, um Impfstoffe aufzukaufen.“ Mit mehr Geld hätte man auch mehr bestellen können, die Kapazitäten in den Unternehmen wie Biontech und Pfizer wären hochgefahren worden, so Lauterbach.

Lauterbachs Impf-Strategie: Notfallzulassung und Verschiebung der zweiten Dosis

Drei Schritte seien nötig, so Lauterbach weiter. „Zuerst muss man schauen, dass der Astra Zeneca Impfstoff, der zwar nicht perfekt ist, aber auch ein guter Impfstoff, auch zugelassen wird.“ Er denkt hier auch an eine Notfallzulassung in Deutschland - weil die Zulassung bei der EU noch nicht begonnen worden sei.

„Zum Zweiten muss man prüfen, ob man nicht die Erstdosis des Impfstoffes in den Vordergrund schiebt und gerade beim Biontech-Impfstoff die Zweitdosis auf Woche 12 schiebt.“ Angesichts der Knappheit an Impfstoffen war diese Möglichkeit bereits auch von anderen Experten ins Gespräch gebracht worden - der Punkt wird allerdings kontrovers diskutiert unter Virologen und Impfstoffentwicklern.

Lauterbachs dritter Punkt: Es muss mehr Impfstoff produziert werden

„Mich hat immer gewundert, dass wir uns in Deutschland nicht dafür einsetzen, dass hier mehr Impfstoff produziert werden kann“, bringt Lauterbach als nächsten Punkt an. Für den Biontech-Impfstoff ist bereits eine Produktionsstätte in Marburg im Aufbau. Doch Lauterbach will weiterdenken: „Insbesondere vom Moderna-Impfstoff muss mehr produziert werden, weil das ist ein Impfstoff, der auch in den Praxen verimpft werden kann und nicht die komplizierte Logistik der Impfstoffzentren reicht.“

Parallel plädiert Lauterbach - im Zusammenhang mit dem Corona*-Gipfel - für eine Zielinzidenz von 25. „Dann hätten wir einmal die Kontrolle gewonnen, bis sich die Lage im April oder Mai wieder entspannt.“ Mit einer Inzidenz von 50 sei alles „auf Kante genäht“. Um von 50 auf 25 zu kommen, müsse man in etwa nur acht weitere Tage im Lockdown bleiben. (kat) *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.