Gespräch nimmt Wendung

Corona: Claus Kleber macht Jugend Vorwürfe – Youtuberin überrascht ihn mit besonderem Vorschlag

Im ZDF interviewte Claus Kleber Wissenschaftlerin und Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim zum Coronavirus. Beim Thema Solidarität und Jugend nimmt das Gespräch eine sonderbare Wendung.

Die Coronavirus-Zahlen steigen in ganz Europa. Doch gerade in Deutschland scheinen sich aktuell vorrangig junge Menschen anzustecken. Denn im Vergleich zur ersten Welle im Frühling ist die Anzahl der Intensivpatienten und Todesfälle niedriger. Unter anderem zu diesem Thema hat Claus Kleber im heute-journal die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin und Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim interviewt.

So fragte er Nguyen, die mit dem Youtube-Kanal „Mailab“ Jugendliche für Wissenschaft begeistert, warum sich viele junge Menschen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Coronavirus nicht zu Herzen nehmen. „Das scheint offenbar nur zum Teil durchzukommen bei einer Generation, die beim Thema Klima aber absolut verlangt, dass man auf die Wissenschaft hört und endlich politisch handelt“, sagt er.

Die Chemikerin und YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim wurde schon mit einigen Preisen ausgezeichnet.

Nguyen-Kim erwidert, dass die junge Generation sehr heterogen sei. „Das sind ja nicht zwingend dieselben Personen, die sich bei Fridays for Future engagieren“, sagt sie im Hinblick auf jüngere Menschen, die derzeit ohne Rücksicht auf Risikopatienten feiern und Freunde treffen. Zudem gehe es nicht darum, dass einer dem anderen einen Gefallen tut, sondern darum, dass wir gemeinsam im Boot sitzen.

Coronavirus-Gedankenspiel: Was würde das Virus sagen, wenn es denken könnte?

Dann fragt Kleber, wie man die Generation erreichen könnte, die momentan offenbar nur wenig von Corona*-Einschränkungen hält. „Ich glaube, es sind zwei Sachen, die Menschen frustrieren“, sagt die „Mailab“-Youtuberin. Auch wenn viele Menschen hinter dem Ziel stehen, die Infektionszahlen* gering zu halten, gebe es einen Konflikt darüber, mit welchen Maßnahmen man dieses Ziel erreichen sollte. Den Frust über diesen Konflikt sollte man nicht mit dem grundlegenden Ziel vermischen.

Zweitens fühlten sich viele wegen der Corona-Maßnahmen eingeschränkt. Hier lohne es sich, die Perspektive zu wechseln und die Maßnahmen als ermächtigend wahrzunehmen. An dieser Stelle überrascht Nguyen-Kim mit einem Gedankenspiel: „Ich stelle mir manchmal vor, was das Virus* denken würde, wenn es denken könnte. Das wäre dann so etwas wie: ‚Ich habe hier den perfekten Wirt. Diese Menschen, die leben auf dem gesamten Planeten, die sind global stark vernetzt. Die sind soziale Lebewesen, die können also nicht ohne soziale Kontakte leben. Die sind hedonistisch veranlagt, die gehen gerne feiern. Besser kann es gar nicht sein!‘“

Dem müsse man dann erwidern, dass die Evolution mehrfach gezeigt hat, „dass wir verdammt gut darin sind, uns in schwierigen Situationen anzupassen.“ Der Mensch werde vermutlich irgendwann auf dem Mars leben, „nur, weil wir es können. Da können wir über so ein Virus nur lachen“, sagt die Wissenschaftlerin.

Man müsse dem Virus* zeigen, dass es sich den falschen Wirt ausgesucht habe. „Das verlangt aber Opfer“, erwidert Kleber. Doch die Wissenschaftlerin scheint mit dem Begriff nicht glücklich zu sein. Aus dem Gedanken, dass es derzeit auch viel schlechter bei uns aussehen könnte, könne man aber tatsächlich den Rat für manchen Verzicht ziehen. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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