Menschenrechtler in ZDF-Talk

Ai Weiwei spricht bei Markus Lanz über Corona-Strategien - „In China lacht man über Europa“

Bei „Markus Lanz“ verglich der Künstler und Menschenrechtler Ai Weiwei unterschiedliche Wege, mit dem Coronavirus umzugehen. Zudem gab er Einblicke in die gesellschaftliche Lage Chinas.

Neben der TV-Debatte zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden ging es bei Markus Lanz auch um die Coronamaßnahmen und um verschiedene Wege von Ländern, mit der Pandemie umzugehen.

Menschenrechtler und Gegenwartskünstler Ai Weiwei hörte sich erst alle Argumente an und meldete sich dann zur Sprache. Er verglich die Situation in Deutschland mit dem Weg Chinas. Szenen aus dem Film „Coronation“ des Künstlers zeigten, wie hart, aber auch wie erfolgreich die Maßnahmen in China waren: unangenehm anmutende Bilder aus beispielsweise Wuhan von High-Tech-Kontrollräumen, die Menschen überwachen, Bilder von Stillstehenden Städten während des Lockdowns, verstörende Szenen aus Krankenhäusern, in denen an dem Virus erkrankte Patienten behandelt werden. 

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Ai Weiwei’s “Coronation” is the first feature-length documentary about the coronavirus in Wuhan. As the first city hit in the global pandemic, the Chinese metropolis with a population of 11 million was placed under an unprecedented lockdown. The film depicts the all-pervasive scope of militarized state control, emergency medical response, and the lives of ordinary people in the shadows of an authoritarian state. It is a first-hand tale about the largest crisis facing humanity today. “Coronation” (2020, 115 min) is available to rent and buy on Vimeo On Demand on Friday, August 21, 2020. #aiweiwei #coronation #coronavirus #covid19 #china #wuhan #pandemic #art #documentary #film

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„Das totalitäre Regime funktioniert eher wie das Militär“, erklärte Ai Weiwei, der inzwischen in Cambridge lebt. „Man nimmt das Ziel ins Visier und versucht es mit welchen Mitteln auch immer zu bekämpfen. Da werden Opfer gebracht, auch menschliche Opfer.“ Zwar sei die Bekämpfung der Pandemie* erfolgreich, doch dafür wurden auch Opfer gebracht. Die Gesellschaft funktioniere eben anders als in Europa.

Coronavirus-Strategie in Europa: „In China lacht man über europäische Staaten“

Über die Strategie in Deutschland* hingegen sagte der Menschenrechtler: „Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland sehr vorsichtig vorgegangen wird, das zeugt von einem demokratischen Prozess. So funktioniert es in China eben nicht.“ Konkret meint er etwa Transparenz und dass die Öffentlichkeit sich in die Entscheidungen über Corona-Auflegen einmischen kann.

Nachdem China jahrelang in der Entwicklung zurückgelegen hatte, sei es nun aggressiv und arrogant. „Corona gibt China nun einen Vorwand so aufzutreten, dass man das eigene System für den demokratischen Systemen überlegener hält“, sagt Weiwei. Dort mache man sich lustig über demokratische Länder: „In China lacht man über europäische Staaten, in denen die Corona-Welle* zurückkommt.“ Bei Lanz war auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher zu Gast. Der SPD-Politiker verteidigte die Corona-Politik von Kanzlerin Angela Merkel*, wie 24hamburg* berichtet.*Merkur.de und 24hamburg sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Zentralnetzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Michael Kappe / Michael Kappeler