Bild: Peter Ending/dpa

Es hört sich an wie eine Schnapsidee, ist auf der anderen Seite aber nachvollziehbar: Eine Oberschule in Templin (Brandenburg) lädt die 90 Schüler der neunten Klasse zum Alkohol-Trinken ein. So berichtet es die Bild.

Das Ganze soll im Rahmen des Projekts „Lieber schlau statt blau“ geschehen. Die 14-Jährigen sollen dort unter Aufsicht bis 0,8 Liter Wein oder 1,3 Liter Bier trinken.

Mutter ist entsetzt

Die Mutter eines betroffenen Schülers ist entsetzt: Geht’s noch?, habe Claudia G. empört in der Lokalzeitung Nordkurier gesagt. „Erst sollen wir unsere Kinder über Schäden durch Alkohol und Drogen aufklären. Und jetzt wird ihnen schon in der Schule Alkohol von Lehrern angeboten!“

Prof. Johannes Lindenmeyer ist der Autor und Leiter des Programms. Nach seinen Angaben, hätten bisher 5000 Schüler erfolgreich an dem Programm teilgenommen.

Anzahl der Nicht-Trinker erhöhe sich

„In einer kontrollierten Studie wurde an über 700 Schülern nachgewiesen, dass die Teilnahme an „Lieber schlau als blau“, sechs Monate später die Anzahl der Nicht-Trinker unter Jugendlichen signifikant erhöht und die Zahl der Viel- und Risikotrinker signifikant verringert“, sagt der Leiter.

Vorab müssen die Eltern eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass ihr Kind an dem Präventionsprogramm teilnehmen darf. Dort sollen die Eltern auch ankreuzen, wie viele Trinkeinheiten (TE) ihre Kinder trinken dürfen. Zur Auswahl stehen ein bis vier Trinkeinheiten. Die Bild hat den Fragebogen veröffentlicht.

Projekt wird finanziell gefördert

Claudia G. lehnte das Programm für ihren 15-jährigen Sohn dennoch ab. Auch die Krankenkasse DAK lehnt das Projekt ab, das Brandenburgs Regierung seit Jahren mit Steuergelder fördert.

Die Begründung: Kinder seien keine Versuchskaninchen. Das Erleben eines beispielhaften Alkohol-Rausches ginge auch ohne Alkohol.

Bei dem Projekt „Bunt statt Blau“ von der DAK bekommen die Schüler eine Rauschbrille aufgesetzt, die einen hohen Promillepegel simuliert, sagte DAK-Sprecher Rüdiger Scharf.

Politikerin ist entsetzt

Auch die Sozialpolitikerin Roswitha Schier (56, CDU) ist entsetzt. Kinder aus alkoholfreien Haushalten würden durch den Gruppenzwang zum Trinken verführt werden.

Man würde ja auch keine Schüler zum Rauchen einladen, um vor den Gefahren des Tabaks zu warnen. Das sei ja krank, sagte sie.

„Niemand wird zum Trinken verführt“

Das sei nicht richtig, wie der Leiter des Projekts klarstellt: „Niemand wird dabei durch Gruppendruck zum Trinken verführt. Jugendliche, die bislang keinen Alkohol getrunken haben, dürfen nicht mitmachen.“

Und natürlich würde nicht das Saufen trainiert werden, sondern es ginge darum, Jugendliche in einem abgesicherten Modus selbst erfahren zu lassen, was ein risikoarmer Alkoholkonsum ist und was nicht.