Bild: Katharina Lenger

„Stäbchen rein, Spender sein“, lautet das Motto der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS). Die gemeinnützige Organisation lässt sich einiges einfallen, um die Menschen zu einer Stammzellenspende zu bewegen.

Zum Internationalen Kinderkrebstag am heutigen Freitag (15. Februar) haben sie den Lifelolli hergestellt. Ist der Lolli aufgelutscht, kann man das übrig gebliebene Wattestäbchen bei der KMSZ Düsseldorf (Knochenmarkspenderzentrale) abgeben und sich so als möglichen Spender registrieren lassen.

Zwei Jahre später kam der entscheidende Anruf

Die 20-jährige Helene* hat dieses Prozedere schon hinter sich. Mit 18 Jahren hat sie sich registrieren lassen. Zwei Jahre später kam der entscheidende Anruf: Helene könnte als Stammzellenspenderin für eine an Leukämie erkrankte Frau aus den Niederlanden infrage kommen.

„Im ersten Moment war ich überrascht und auch etwas geschockt. Mit dem Anruf habe ich überhaupt nicht gerechnet. Die Freude einem Menschen helfen zu können, hat dann aber überwogen“, erzählt die 20-Jährige.

Morgens und abends Medikamente spritzen

So ganz ohne ist die Stammzellenspende dann doch nicht. Jedenfalls ist sie aufwendiger als eine Blutspende. Helene musste sich fünf Tage vor der Spende morgens und abends Medikamente spritzen. Das nahm sie in Kauf, trotz ihrer Furcht vor Spritzen.

„Wenn man damit tatsächlich einem kranken Menschen helfen kann, ist die Angst vor Spritzen doch eine lahme Ausrede, es nicht zu tun. Genauso wie die Ausrede, keine Zeit dafür zu haben“, sagt sie.

Zwei Wege führen zur Stammzellenspende

Die Stammzellenentnahme ist laut DKMS über zwei Wege möglich: über die Spende aus der Blutbahn und über die Spende aus dem Beckenknochen. Die Organisation empfiehlt den Spendern für beide Methoden bereit zu sein, denn die Art der Entnahme richtet sich nach dem gesundheitlichen Zustand des Patienten und nicht nach dem Wunsch des Spenders.

Die Spende aus der Blutbahn dauert vier bis acht Stunden an einem bis zwei aufeinanderfolgenden Tagen. „Bei mir ist die Spende an einem Tag erfolgt und hat drei Stunden gedauert“, so Helene.

Stammzellen aus dem Blut oder Beckenknochen

Das zuvor gespritzte Medikament – der Wachstumsfaktor G-CF – steigert die Anzahl der Stammzellen im Blut. Diese werden dann über ein spezielles Verfahren – ähnlich einer Blutwäsche – direkt aus dem Blut gewonnen.

Bei der Spende aus dem Beckenknochen werden die Stammzellen unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Knochenmark gewonnen. Laut der Deutschen Knochenmarkspende würden in der Regel zwei kleine Einschnitte ausreichen, die schnell wieder verheilen würden.

Die Entnahme dauert etwa eine Stunde. Etwa fünf Prozent des Knochenmarks würde entnommen werden, das sich nach zwei bis vier Wochen wieder vollständig regeneriert.

Ein Jahr später kommt die Rückmeldung

Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert bei der zweiten Methode etwa drei Tage. Bei der ersten Vorgehensweise könne man die Klinik meistens noch am gleichen Tag verlassen.

Helene hat die Stammzellenspende gut überstanden. Im Sommer – ein Jahr nach der Spende – erfährt sie, ob ihre Spende bei der Patientin erfolgreich angeschlagen hat. Ansonsten würde Helene auch noch ein weiteres Mal spenden.

Kennenlernen geht nicht

Weil Helenes genetischer Zwilling aus den Niederlanden kommt, dürfen sich die beiden nicht kennenlernen, sondern nur über den anonymen Weg Briefe austauschen. Käme sie aus Deutschland, wäre dies nach zwei Jahren theoretisch möglich.

„Einen Brief habe ich bisher noch nicht geschrieben. Ich wünsche mir, dass sich die Patientin erst einmal erholt und dass meine Spende bei ihr anschlägt. Alles weitere hat Zeit“, sagt Helene.

Aktuelle Top-Themen:

Wer sich als potenzieller Lebensretter werden möchte, kann sich auf der Webseite der DKMS registrieren, mit einem Wattestäbchen einen Wangenabstrich machen und das Stäbchen einschicken.

Helene, die Stammzellenspenderin

Aus Datenschutzgründen erlaubt es die DKMS nicht, den Nachnamen und Wohnort von Helene herauszugeben. Deshalb verwenden wir hier nur ihren Vornamen.