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Zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen sollen auf einem Campingplatz in der Nähe von Detmold über Jahre hinweg mindestens 31 Kinder missbraucht und gefilmt haben. Ein dritter Mann aus Stade soll Auftraggeber gewesen sein. Alle drei sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Update, Montag (11. Februar), 19.50 Uhr: Auf dem Campingplatz in Lüdge wurden wohl noch mehr Kinder als bislang bekannt missbraucht. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag (11. Februar) in Bielefeld mitteilten, sei derzeit von 31 Opfern die Rede. Bei ihnen soll es sich um 27 Mädchen und vier Jungen im Alter zwischen vier und 13 Jahren handeln.

Bei einer ersten Pressekonferenz Ende Januar waren die Ermittler noch von 23 Opfern ausgegangen, hatten aber auf eine vermutlich hohe Dunkelziffer verwiesen. Bei der Ermittlungskommission «Eichwald», benannt nach dem Campingplatz in Lügde, sind nach Polizeiangaben bislang 63 Hinweise eingegangen. 
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Update, Montag (4. Februar), 13.10 Uhr: Die Staatsanwaltschaft strebt an, bereits im Frühsommer mit dem Prozess gegen die drei Tatverdächtigen zu beginnen. Ziel sei es, „stringent durchzuermitteln“ und eine Anklage so frühzeitig fertigzustellen, dass das Gericht möglichst im Juni eine Hauptverhandlung ansetzen könne, sagte der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter.

Das Ausmaß der Vorwürfe sei gewaltig, zudem könnten sich weitere Opfer melden. Man könne daher nicht ausschließen, dass zunächst nur ein Teil der mutmaßlichen Taten zur Anklage gebracht werde. mit dpa-Material

Update, Sonntag (3. Februar), 14.26 Uhr: NRWs Innenminister Herbert Reul rechnet mit noch mehr Opfern bei dem Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde.

„Bisher haben wir 29 Opfer, und die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass das mehr sein werden“, sagte Reul im Deutschlandfunk. Die Ermittler werten zusammen mit dem Landeskriminalamt 13.000 Dateien mit Kinderpornografie aus.

„Behördenversagen an allen Ecken und Kanten“

Der Innenminister räumt schwere Fehler der Polizei in diesem Fall ein. „Das ist Behördenversagen an allen Ecken und Kanten.“

Deswegen sei auch gegen die Polizei Strafanzeige gestellt worden – die Beamten gingen Hinweisen in 2016 nicht nach.“Wir prüfen jetzt ganz genau, woran das gelegen hat, um daraus auch Konsequenzen zu ziehen“, so Reul.

Polizei leitete keine Ermittlungen ein

2016 hatten sich nämlich zwei Zeugen bei der Polizei gemeldet, die Hinweise auf einen möglichen sexuellen Missbrauch eines Pflegekinds von Andreas V. gaben. Die Polizei gab den Hinweis an das Jugendamt weiter, leitete aber keine Ermittlungen ein.

Fahrräder stehen an einem Gebäude auf dem Campingplatz Eichwald, das mit Polizeiabsperrband versehen ist. Auf dem Campingplatz im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden. Drei Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Foto: Guido Kirchner/dpa
Auf dem Campingplatz Eichwald sollen dutzende Kinder für Pornodrehs sexuell missbraucht worden sein. Drei Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Foto: Guido Kirchner/dpa

Zwei Männer aus NRW, 56 und 33 Jahre alt, sollen auf dem Campingplatz in Lüdge die Kinder abwechselnd gefilmt und missbraucht haben. Auftraggeber war ein dritter Mann aus Stade, Niedersachsen.

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Update, Freitag (1. Februar), 19.18 Uhr: Die Zahl der sexuell missbrauchten Kinder steigt von 23 auf 29. Die Kriminalpolizei Bielefeld hat sich mittlerweile in die Ermittlungen eingeschaltet. Heute wurde außerdem die Ermittlungskommission „Eichwald“ gegründet. die aus Ermittlern der EK „Camping“ und Ermittlern der Kripo Bielefeld besteht. Wegen der vielen digitalen Daten, die die Polizei sichtet, mussten Fachleute aus anderen Polizeibehörden eingebunden werden.

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