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Das viel diskutierte Video vom YouTuber Rezo wurde inzwischen mehr als 7,5 Millionen Mal geklickt (Stand: Freitag, 24. Mai, 16 Uhr). In seinem Video nimmt er knapp eine Stunde lang die Politik der CDU auseinander. Und Rezo ist noch nicht fertig mit der Partei – jetzt legt er nach und hat 80 YouTuber im Schlepptau.

Dass der YouTuber Rezo kein Fan der CDU ist und wohl auch keiner mehr werden wird, sollte inzwischen klar sein. In seinem Video rechnet er mit der Partei ab und sagt: „Der aktuelle Kurs von CDU und SPD wird unser Leben und unsere Zukunft zerstören.“

CDU wird weiter von Rezo angegriffen – 80 YouTuber unterstützen ihn

Zunächst schien es so, als ob die CDU mit einem Video des Youngsters Philipp Amthor antworten wolle, hat dann aber doch einen Rückzieher gemacht. Zwar gab es ein Statement von Amthor, aber das offizielle Statement der Partei gab es – ganz klassisch – in Schriftform.

Der Erfolg den Rezo mit seinem Video feiern könnte, ist ihm aber scheinbar nicht genug. Er legt nach – und das mit Verstärkung. Mehr als 80 YouTuber unterstützen ihn in seinem Kampf gegen die CDU.

30 YouTuber kommen zu Wort

In dem knapp dreiminütigen Video kommen um die 30 YouTuber zu Wort. Gemeinsam verlesen sie einen offenen Brief. Darin heißt es unter anderem: „Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD. Wählt auch keine andere Partei, die so wenig im Sinne von Logik und der Wissenschaft handelt und nach dem wissenschaftlichen Konsens mit ihrem Kurs unsere Zukunft zerstört. Und wählt schon gar nicht die AfD, die diesen Konsens sogar leugnet.“

Daran angehängt ist der offene Brief – ganz klassisch – in Schriftform und eine Liste von mehr als 80 YouTubern, die diesen Aufruf unterstützen. Darunter auch reichweitenstarke YouTuber wie Julien Bam, Dagi Bee oder LeFloid. In dem Video sind rund 30 YouTuber zu sehen, die offen dazu aufrufen, bei der kommenden EU-Wahl nicht die CDU, CSU, SPD oder AfD zu wählen.

Unterstützung vom Fachanwalt

Des weiteren richten sich die YouTuber an die Politiker. „Natürlich habt ihr jetzt die Möglichkeit, uns wieder zu diskreditieren. Ihr könnt uns vorwerfen, dass wir ja sowieso keinen Plan haben, wovon wir reden. Dass wir lügen. Dass wir an Fake-Kampagnen teilnehmen. Instrumentalisiert sind. Dass wir gekauft und bezahlt sind und so weiter.“ Diese Techniken hätten die Politiker bereits gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt, heißt es weiter. Und damit hätte sich die Politik keine Freunde gemacht.

Wie das Onlineportal Watson berichtet, hätten die Internet-Größen bei dem Text Unterstützung vom bekannten Fachanwalt und YouTuber Christian Solmecke bekommen. Er hat den finalen Text abgenommen.

Unterdessen kam es bei der Stadt Bochum zu einer Panne vor der Europawahl. Die Stadt hatte die AfD als vermeintlichen Wahlsieger bekanntgegeben.

Warum die Grünen den Erwartungen der jungen Wähler kaum gerecht werden können, lest ihr unserem Kommentar zur Europawahl 2019.

Kommentar der Autorin

Erst Fridays for Future und jetzt YouTube-Stars, die auf Missstände in der Politik aufmerksam machen. Klingt erst mal ganz gut. Jahrelang wurde beklagt, dass sich junge Menschen nicht mehr am öffentlichen Diskurs beteiligen würden. Jugendliche würden sich nur noch für sich selbst, Smartphones und Sneaker interessieren.

Dass das nicht so ist, können wir gerade live miterleben. Millionen Schüler gehen jeden Freitag auf die Straßen und demonstrieren für eine angemessene Klimapolitik, für eine zukunftsorientierte Politik. Und ja, das haben sie auch während der Ferien gemacht – in ihrer Freizeit.

Gar nicht schlecht, Rezo

Jetzt kommt ein blauhaariger YouTuber mit 750.000 Followern daher und spricht in einem Video über Politik. Und das eine Stunde lang. Laut eigener Aussagen habe er sich intensiv auf dieses Video vorbereitet und hat mit vielen Experten gesprochen.

Eine Stunde lang zerlegt der YouTuber Rezo die Politik der CDU. Gar nicht schlecht. Einige Punkte sind vielleicht etwas zugespitzt und zu kurz gedacht. Aber dennoch: Gar nicht schlecht. Auch die Reichweite ist nicht von schlechten Eltern. Mehr als 7,5 Millionen Menschen haben diese „Zerstörung“ der CDU gesehen.

Politische Auseinandersetzung ist wichtig

Diese Auseinandersetzung mit der Politik, wie sie aktuell in Deutschland ausgeübt wird, ist wichtig. Immerhin wählen wir die Politiker, die in unserem Namen die Entscheidungen treffen sollen.

Daher ist es durchaus nachvollziehbar, dass junge Menschen sich mit Politik auseinandersetzen. Und das eben mit anderen jungen Menschen teilen wollen. Im besten Falle regen sich bei den Zuschauern die eigenen Gehirnzellen. Und es folgt eine Auseinandersetzung mit Parteien und dem was die Parteien eigentlich wollen und machen.

Denken wird dem Zuschauer abgenommen

Das neueste Werk von Rezo allerdings hat seinen Aufklärungs-Charakter verloren. Das Denken wird den Zuschauern größtenteils abgenommen. Es ist ein klarer Aufruf dazu, die Parteien CDU, CSU, SPD und AfD nicht zu wählen.

Zwar werden die Zuschauer dazu aufgefordert, am Sonntag wählen zu gehen – das ist gut. Aber zu sagen, dass doch bitte nur ausgewählte Parteien gewählt werden sollen – das sehe ich kritisch.

Das erste Mal seit der Veröffentlichung seines Videos hat Rezo am Donnerstag (13. Juni) einen öffentlichen TV-Auftritt. Der YouTuber ist nach seiner „Zerstörung der CDU“ bei Jan Böhmermann im „Neo Magazin Royale“ zu Gast“.

Wähler und Wählerinnen auf Missstände hinzuweisen ist wichtig – keine Frage. Aber sie in ihrer Wahlmöglichkeit einschränken zu wollen, ist durchaus kritisch zu betrachten. Besonders wenn man die Reichweite der YouTuber bedenkt. Es bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen sich selbst eine Meinung bilden und nicht blind der Meinung von Internet-Stars folgen.