Bild: Deutsche Umwelthilfe.

Der Lebensmittelkonzern Nestlé bekommt für sein Mineralwasser Vittel einen Preis. Aber nicht weil es ein besonders tolles Getränk ist, sondern weil es außerordentlich unsinnig verpackt ist.

  • Nestlé bekommt für Vittel einen Negativpreis.
  • Die Deutsche Umwelthilfe vergab erstmals den „Goldenen Geier“.
  • Die Flaschen sind „unsinnig verpackt“.

Nestlé bekommt den „Goldenen Geier“

Die Übergabe des Preises fand am Dienstagvormittag (10. September) vor der Konzernzentrale von Nestlé statt. Diese ist in Frankfurt am Main.

Bei dem Preis handelt es sich allerdings um einen Negativpreis – also kein Grund zur Freude für den Lebensmittelgiganten. Erstmals hat die Deutsche Umwelthilfe das Unternehmen ausgezeichnet, das die sinnloseste Plastikverpackung für seine Produkte verwendet. Und gewonnen hat eben Nestlé.

Verbraucher konnten über die Vergabe des Preises abstimmen

Welche Verpackung am unsinnigsten ist, konnten die Verbraucher in einem zweistufigen Verfahren vom 12. Juni bis zum 19. Juli entscheiden. In der ersten Runde wurden die Produkte nominiert. Im Anschluss entschieden dann die Verbraucher darüber, welche der sechs finalen Verschläge am sinnlosesten ist.

Über 200.000 Menschen hatten dabei abgestimmt. Und somit ist klar: Der Preis geht an Nestlé – für sein aus Frankreich importiertes Mineralwasser Vittel.

Wegen des Wassers geriet der Konzern schon häufig in die Kritik – denn nicht nur seine Verpackung ist äußerst schädlich für die Umwelt, sondern auch die Art und Weise der Trinkwassergewinnung. Denn diese hat gehörigen Einfluss auf den Grundwasserspiegel.

Vittel von Nestlé mehrfach in Einweg-Kunststoff verpackt

Die Verbraucher waren sich wohl also einig: Nestlé hat für Vittel den „Goldenen Geier“ verdient. Denn das Wasser ist nur in Einweg-Plastikflaschen zu kaufen. Dazu kommt noch, dass ein 8er-Pack des Wassers noch einmal mit Plastik umwickelt ist. Also doppelt schlecht für die Umwelt.

Denn laut Aussage der Deutschen Umwelthilfe sind Einweg-Plastikflaschen äußerst umweltschädigend, weil sie in der Herstellung besonders viel Energie und Ressourcen verbrauchen.

Hinzu kommen noch die langen Transportwege von Frankreich nach Deutschland. „Das ist ökologischer Irrsinn“, sagte Barbara Metz, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe.

Chef von Nestlé erscheint nicht zur Preisverleihung

Die Deutsche Umwelthilfe hatte den Konzern in den vergangenen Jahren mehrfach dazu aufgefordert, über die Problematik unnötiger Plastikverpackungen zu sprechen. Bis heute ist Nestlé dem Gespräch ausgewichen.

Und auch vor der heutigen Preisverleihung des „Goldenen Geiers“ drückte sich der Vorstandschef Marc-Aurel Boersch. Stattdessen schickte er Marc Honold, Geschäftsführer von Nestlé Waters in Deutschland.

Dieser zeigte sich jedoch sichtlich uninteressiert an der Preisverleihung – und somit auch an der Aufforderung der Verbraucher. Diese wünschen sich, dass Getränke wie Vittel zukünftig in wiederverwendbaren Mehrwegflaschen abgefüllt werden sollen.

Diese Produkte waren noch für den „Goldenen Geier“ nominiert

Diese folgenden sechs Produkte wurden außer Vittel ebenfalls in die engere Auswahl für den Negativpreis ausgewählt:

  • Melonenstücke bei Rewe – in einer Plastikschale mit Folienüberzug verpackt
  • Ein einzelnes in Hartplastik verpacktes Kuchenstück von Lidl
  • Haribo: kleine Gummibärentütchen aus Plastik in einer großen Tüte
  • Gartenkräuter von Edeka: verpackt in einer riesigen Plastikschale
  • Finish Maschinenpflegetabs von Reckitt Benckiser in einer halbleeren XXL-Hartplastikbox

Die Reduzierung von Plastik ist aktuell ein sensibles Thema in der Gesellschaft. „Die Vielzahl von Verbrauchern gemeldeten und für den Goldenen Geier nominierten Einweg-Plastikverpackungen sprechen dafür eine eindeutige Sprache“, so Metz. Die Menschen fordern von der Industrie weniger Plastik bei der Verpackung ihrer Produkte.