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Der Mittlere Westen der USA hat weiter mit extremer Kälte zu kämpfen. Eisige Luft aus der Arktis sorgt für Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. In Chicago wurden am Mittwoch (30. Januar) minus 33 Grad gemessen. Doch ist so eine extreme Kälte auch in Deutschland möglich?

Update, Freitag (1. Februar), 19.45 Uhr: Mittlerweile sollen in den USA 21 Menschen durch die extreme Kälte ums Leben gekommen sein. Das berichtet die New York Times.

Doch es gibt auch gute Nachrichten aus den USA: Wie CBS News berichtet, hat ein Unbekannter in Chicago dutzende Hotelzimmer für Obdachlose bezahlt. Die Männer und Frauen können sich dort aufwärmen und so der Kälte entkommen.

In Chicago wurden in der vergangenen Nacht Temperaturen von minus 31 Grad gemessen. Kälter war es in der drittgrößten Stadt der Vereinigten Staaten noch nie.

Lange wird es aber wohl nicht mehr kalt bleiben. Für das Wochenende prophezeien Metereologen teilweise zweistellige Plusgrade. Für manche Gegenden der USA bedeutet das einen Temperaturanstieg von bis zu 45 Grad in nur wenigen Tagen.

Update, Freitag (1. Februar), 9.50 Uhr: Der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet inzwischen von 16 Menschen, die in der Kälte umgekommen sind. Außerdem behandeln die Krankenhäuser viele Menschen mit lebensbedrohlichen Erfrierungen.

Schon seit Tage gilt ein kurzer Aufenthalt im Freien als gefährlich. Tiefe Atemzüge sollen die Menschen in Illinois deshalb vermeiden, wenn sie sich ins Freie wagen. An ungeschützten Hautbereichen kann es innerhalb von Minuten zu Erfrierungen kommen.

Der Nationale Wetterdienst (NWS) der USA warnt bereits seit Tagen vor „lebensbedrohlichen“ Bedingungen.

Minus 42 Grad gemessen

Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) wurde an der Station „Park Municipal Airport“ in Minnesota mit minus 42 Grad die kälteste Temperatur gemessen. Doch ungewöhnlich an dieser Kältewelle ist nicht unbedingt die Temperatur, sondern dass diese mit starkem Wind einhergeht.

„Barbarisch“ nennt Gerhard Lux, Meterologe beim DWD das. Denn die gefühlte Kälte liegt dieser Tage noch niedriger – bei etwa minus 50 Grad.

Doch so bedrohlich die Situation in den USA auch ist – in Deutschland ist eine vergleichbares Kälteextrem aktuell nicht zu erwarten. Nächste Woche wird es zwar auch bei uns kälter, arktische Kaltluft wird jedoch nicht zu uns kommen, so der DWD.

Auch in Europa möglich

Prinzipiell kann es sogenannte Kaltluftvorstöße wie in den USA aber überall geben – auch in Europa, so Lux. Im Normalfall passiert das aber nicht so intensiv und so schnell wie in den USA.

Den Unterschied macht die Geografie. Denn während die arktische Kälte über den Landweg in die USA kam, müssten Luftmassen, die diese Kälte mit sich bringen auf dem Weg nach Deutschland über das Meer strömen. „Dabei erwärmen sich die Luftmassen aus der Arktis“, erklärt Andreas Friedrich, Pressesprecher beim Deutschen Wetterdienst (DWD).

Rocky Mountains leiten Kälte gen Süden

Außerdem wirken die von Norden nach Süden verlaufenden Rocky Mountains wie Leitplanken, die kalte Luft schnell gen Süden leiten, erklärt Lux. In Europa bremsen die skandinavischen Gebirgen, die in west-östlicher Richtung verlaufen, solche Kaltluftvorstöße eher ab.

Auf dem Weg in die USA erwärmt sich die arktische Luft hingegen kaum. Und so kommt es, dass es in Chicago zur Zeit kälter ist, als beispielsweise im norwegischen Spitzbergen; und das obwohl Spitzbergen deutlich näher am Nordpol liegt, als die Stadt am Michigansee.

In Deutschland minus 30 Grad

Nach Deutschland, da sind sich die Wetterexperten sicher, zieht diese heftige Kälte in den kommenden Tagen aber nicht ein. Generell ist ein solches Extrem aber auch hier nicht unmöglich. 1956 wurden in Deutschland das letzte Mal weniger als minus 30 Grad gemessen.

Auch ein Kälteextrem, das Deutschland vor etwa 40 Jahren fest im Griff hatte, zeigt, dass es so außergewöhnliche Situationen immer geben kann. Damals fielen die Temperaturen während heftiger Schneestürme an Silvester 1978 von acht auf minus zwanzig Grad.

Kälte kommt meistens aus Russland

Generell würden sehr kalte Frosttage in Deutschland aber eher durch Luftmassen aus Russland oder Finnland hervorgerufen, erklärt Friedrich. Die Kälte aus Russland kommt ebenfalls auf dem Landweg zu uns.

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In den USA sind Kältewellen wie diese – wenn auch nicht in dieser Heftigkeit – dennoch nichts ungewöhnliches. Immer wieder frieren Blizzards und extreme Kälteperioden besonders die Staaten zwischen North Dakota und Ohio regelrecht ein. Und auch wenn die Kälte extrem ist – Temperaturekorde wurden dadurch noch nicht geknackt.