„Schluss mit Hotel Mama“ hieß vor ein paar Jahren eine beliebte Reality-TV-Sendung auf Kabel1. Viele der Nesthocker schafften damals den Auszug aus der elterlichen Wohnung nur mit Hilfe eines Psychologen. Und auch heute wohnt laut Statistik jeder zweite Mann in Deutschland mit 23 Jahren noch immer im „Hotel Mama“.

Laut des Statistischen Bundesamtes wohnen bei Erreichen der Volljährigkeit noch fast alle Männer zuhause. Mit 23 Jahren ist dann die Hälfte der Männer ausgezogen. Mit Anfang Dreißig würde aber immer noch gut jeder Neunte bei den Eltern leben.

Zum Vergleich: Bei jungen Frauen hat bereits mit 22 Jahren mehr als die Hälfte das Elternhaus verlassen. Mit 30 Jahren wohnt nur noch jede Siebzehnte dort.

Psychologe Michael Thiel hat eine Erklärung:

Diplompsychologe Michael Thiel aus der Kabel1-Sendung beschäftigt sich schon lange mit dem Thema und hat eine Erklärung: Männer, die einfach nicht ausziehen wollen, würden sich grob in zwei Kategorien einteilen lassen.

Da seien „die Rechner, die alle Annehmlichkeiten mitnehmen, sich bekochen und beputzen lassen und dabei noch das Geld für die Miete sparen – und die anderen.“

Die Anderen, das sind die Ängstlichen, die unbewusst glauben, die Welt da draußen sei gefährlich. Die Angst haben, in Hartz IV zu landen oder unter der Brücke. „Von ihnen gibt es eine Menge“, sagte Michael Thiel in einem Interview gegenüber der Welt. „Das ist psychologisch bedenklich“.

Männer hätten ein stärkeres Bedürfnis nach materieller Sicherheit

Der Psychologe würde bei der Beratung von jungen Männern ein stärkeres Bedürfnis nach materieller Sicherheit als bei jungen Frauen bemerken.

Das könne unter anderem daran liegen, dass jungen Frauen laut Thiel durch ihre Erziehung lebenstauglicher sind. „Sie haben weniger Probleme mit alltäglichen Herausforderungen wie kochen, einkaufen, Wäsche waschen, weil sie dazu auch heutzutage noch mehr herangezogen werden als ihre Brüder.“

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Was die Singles angeht, so leben laut Statistik mit Ende 20 rund 43 Prozent aller Männer alleine. Danach nimmt der Anteil der Alleinstehenden kontinuierlich ab. Ab 40 Jahren liegt er bei 25 Prozent.

Michael Thiel rät Eltern, sich selbstkritisch zu hinterfragen, ob sie ihre Schützlinge nicht doch überbehüten. Wenn jemand tatsächlich aus Kostengründen während des Studiums zu Hause wohnt, dann sollte er Aufgaben haben wie in einer WG mit Gleichaltrigen – einkaufen und kochen. (Mit dpa-Material)