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Weil seine Familie glaubte, er sei vom Teufel besessen, fesselten seine Eltern und seine fünf Brüder Kennedy Ife (26) tagelang. Am Ende des Exorzismus in einem Haus in London starb der 26-Jährige. Das berichtet das britische Magazin Independent.

Die Hintergründe zur Tat lesen sich wie ein Skript zu einem Horrorfilm. Denn es waren die Anzeichen einer psychischen Erkrankung, die seine Eltern und Brüder glauben ließen, Kennedy Ife sei besessen. Anstatt ihn aber in psychotherapeutische Behandlung zu geben, entschlossen sie sich, einen Exorzismus durchzuführen, berichtet Independent.

Exorzismus sollte ihren Sohn heilen

Die Tat ist inzwischen knapp drei Jahre her. Laut dem britischen Magazin Independent starb Kennedy Ife bereits am 22. August 2016. Seit Montag (4. Februar) steht die Londoner Familie des 26-Jährigen vor Gericht.

Vor dem Old Bailey, dem Zentralen Strafgerichtshof in London, werden die Mutter und der Vater von Kennedy und ihre verbliebenen fünf Söhne angeklagt – allesamt fanatische Christen. Davon ist das Gericht laut einem Bericht des Express überzeugt und bestätigt Kennedys Familie eine ungewöhnliche religiöse Überzeugung.

Der Vorwurf: Sie hatten Kennedy Ife mit Kabelbindern, Seilen und Handschellen mehrere Tage an einen Stuhl gefesselt, so der Independent. Alle angeklagten Familienmitglieder bestreiten bisher jedoch die Vorwürfe.

Bissspuren und über 60 andere Verletzungen am Opfer

Was genau zum Tod des Opfers führte, sollte durch eine Obduktion geklärt werden. Zwar habe einer der Brüder am Morgen von Kennedys Tod den Notarzt gerufen und von einer Dehydrierung seines Bruders berichtet, da sei es laut Independent aber bereits zu spät gewesen. An dem Opfer des Exorzismus konnten später über 60 Verletzungen, darunter auch Bissspuren festgestellt werden.

Der Ersthelfer vor Ort sagte später als Zeuge aus. Seinem Bericht zufolge sollen Mutter, Vater und die Brüder Kennedys während der erfolglosen Wiederbelebungsversuche durch die Rettungskräfte versucht haben, Kennedy durch Gebete wieder auferstehen zu lassen. Laut Independent soll einer der Brüder gerufen haben: „Kennedy I commend you to rise in the name of Jesus.“ („Kennedy, ich befehle dir aufzustehen, im Namen Jesu“).

Aktuelle Top-Themen:

Den Angeklagten droht ein Urteil wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung. Die Verhandlungen dauern an.

Deutscher nach Exorzismus verurteilt

Ein ähnlicher Fall wurde 2018 in der Schweiz verhandelt. Ein Deutscher hatte dem Gericht nach – ebenfalls im Jahr 2016 – seine behinderte Tochter (25) zu Tode getrampelt. Auch der 50-Jährige gab an, er hätte seine Tochter von einem Dämon befreien wollen.

Wie die dpa damals berichtete, starb die junge Frau laut Obduktion an schweren inneren Verletzungen. Das Gericht verurteilte den Vater zu neun Jahren Haft.

Die Anklage warf dem Mann zudem sexuelle Handlungen an der sterbenden oder bereits toten Tochter vor.​ Von diesem Punkt sprach das Gericht den Angeklagten allerdings frei. Der Vater habe geglaubt, mit einer sexuellen Handlung seine sterbende Tochter wiederbeleben zu können, so das Gericht.