Bild: Federico Gambarini/dpa

Wenn man als Ersthelfer am Unfallort eintrifft, ist schnelles Handeln und Konzentration gefordert. Einige Helfer können damit überfordert sein. Eine neue Software, die vielleicht in ganz NRW zum Einsatz kommen könnte, könnte unsichere Helfer beim Unfallort unterstützen.

Rettungskräfte können mit Hilfe dieser Software auf die Handykamera des Ersthelfers zugreifen und den Helfer orten. Zudem können sie den Helfer anleiten, wie er dem Verletzten am besten helfen kann.

Software hilft, Menschenleben zu retten

In Neuss kommt die Software, das sogenannte Emergency Eye, seit der Einführung im September ein bis zwei Mal täglich zum Einsatz, sagt ein Sprecher der Leitstelle. Es habe bereits dabei geholfen, Menschenleben zu retten.

Jetzt möchte auch der Rhein-Sieg-Kreis die Software nutzen. „Das System soll noch in diesem Jahr angeschafft und umgesetzt werden“, sagte ein Sprecher. Der Softwareentwickler Corevas mit Sitz in Grevenbroich verhandelt nach eigenen Angaben mit allen Leitstellen in NRW.

Zustellung per Link auf Smartphone

Die Software funktioniert folgendermaßen: Wenn es im Notfall sinnvoll erscheint, bekommen Anrufer nach einer Nachfrage der Leitstelle eine SMS mit einem Link zugeschickt. Der Nutzer muss dann der Ortung und der Nutzung der Kamera zustimmen.

Elmar Eppels von der Leitstelle des Rhein-Kreis Neuss nennt einen Fall, bei dem die Software bereits ein Leben rettete:

Präzise Anleitung durch Rettungs-Software

Ein Mann sei bei der Arbeit zusammengebrochen. Er hatte einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Mit Hilfe von Emergency Eye konnte der Mitarbeiter in der Leitstelle auf die Smartphone-Kamera des Ersthelfers zugreifen.

Der Ersthelfer vor Ort konnte den Kollegen unter präziser Anleitung reanimieren – mit Erfolg. „Der Mann ist wieder wohlauf“, sagte Eppels.

Die Effektivität der Reanimation werde erheblich gesteigert, wenn der richtige Druckpunkt genau genannt werden könne. „Die meisten Leute haben ja seit ihrem Führerschein keinen Erste-Hilfe-Kurs mehr gemacht.“

Geringe Geschwindigkeit reicht für das Senden der GPS-Daten

Wenn die Software am Unfallort zum Einsatz kommen soll, braucht der Ersthelfer eine Verbindung zum Internet. Für das Senden der GPS-Daten reiche eine geringe Geschwindigkeit. Für die Videoübertragung brauche es schon etwas mehr.

In 95 Prozent der Fälle funktioniere es in Neuss aber einwandfrei, betonte Günter Huhle, Gründer der Firma Corevas.

Keine Kosten für Datenübertragung

Unterstützt wird der Service auch von Vodafone. Das Unternehmen stelle eine schnelle SMS-Übermittlung sicher. Zudem fallen für die Notrufenden keine Kosten durch die Datenübertragung an. Corevas strebt ähnliche Vereinbarungen mit anderen Firmen an.

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Die Leitstelle in Neuss zeigt sich mit der Software zufrieden. Einige Anrufer hätten sich laut Eppels gemeldet und gesagt: „Ohne das Feature, wäre ich verloren gewesen.“ Die Handhabung sei benutzerfreundlich und intuitiv. „Den Notrufenden kann eine hohe Sicherheit vermittelt werden.“