Bild: Fredrik von Erichsen

Im hessischen Ort Waldsiedlung, einem Ortsteil von Altenstadt, hat der Ortsbeirat am Donnerstag (5. September) einstimmig den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Stefan Jagsch zum Ortsvorsteher gewählt. Das sorgt jetzt bei anderen Politikern für Empörung und Entsetzen.

  • Alle sieben Vertreter des Ortsbeirats haben den NPD-Politiker gewählt.
  • Laut Medienberichten gab es außer Stefan Jagsch keinen anderen Kandidaten für den Posten in Altenstadt.
  • Viele Bundespolitiker sind entsetzt über ihre eigenen Parteikollegen.

NPD-Vorsitzender Stefan Jagsch ist Ortsvorsteher in einem hessischen Ort

Stefan Jagsch ist jetzt der Ortsvorsteher von Waldsiedlung. Der Ort gehört zur Gemeinde Altenstadt im Wetteraukreis. Unter den Vertretern des Ortsbeirats sind auch Politiker der CDU, SPD und FDP. Sie alle haben bei der Wahl für den NPD-Mann gestimmt. Von Seiten ihrer Parteien kommt deshalb Kritik.

So auch Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (CDU). Er droht bereits mit Konsequenzen: „Wer als Demokrat Radikalen den Weg in ein Staatsamt ebnet, geht unverantwortlich, pflicht- und geschichtsvergessen mit seinem Mandat um“, schrieb er auf Twitter.

Zusätzlich bezeichnete er die Entscheidung als verantwortungslos. Menschen, die eine solche Entscheidung treffen, seien „in der CDU und auf einer CDU-Wahlliste untragbar“, twitterte er zur Wahl von Stefan Jagsch.

Auch die SPD zeigt ihr Entsetzen via Twitter

In der SPD äußern sich einige Politiker ebenfalls sehr kritisch gegenüber der in Hessen getroffenen Entscheidung. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil fordert auf Twitter eine Aufhebung der Wahl:

„Die Entscheidung in Altenstadt ist unfassbar und mit nichts zu rechtfertigen. Sie muss sofort rückgängig gemacht werden.“ Und er wird noch deutlicher: „Wir kooperieren nicht mit Nazis! Niemals!“

FDP-Politiker kritisiert gleich zwei Aspekte bei der Wahl in Hessen

Marco Buschmann aus der FDP bezeichnet die Wahl des NPD-Funktionärs Stefan Jagsch in Hessen als „doppelt schlimm: erstens, dass Demokraten so jemanden wählen; zweitens, dass kein demokratischer Kandidat bereit stand, um die Aufgabe zu übernehmen.“

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Die Grünen, die im Ortsbeirat nicht vertreten sind, haben sich ebenfalls zu Wort gemeldet. Myriam Gellner, Grünen-Sprecherin in der Wetterau, nannte die Wahl einen „Blackout der Demokratie“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

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Die Grünen seien „wie vor den Kopf gestoßen, dass Mitglieder demokratischer Parteien einen Verfassungsfeind in das repräsentative Amt eines Ortsvorstehers wählen.“ mit dpa-Material