Preiswerter Wohnraum ist Mangelware – der Flüchtlingszuzug hat die Konkurrenz unter den Bedürftigen verschärft. Der Bestand an Sozialwohnungen ist in NRW in den vergangenen fünf Jahren um über 50.000 geschrumpft. Auch Dortmund ist betroffen.

 Wie das Bauministerium der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mitteilte, gab es in NRW im vergangenen Jahr nur noch knapp 477.000 Sozialwohnungen. Im Vergleich zum Höchststand, 1979, ist das weniger als ein Drittel von einst über 1,6 Millionen Sozialwohnungen.

Der höchste Bedarf besteht in den Großstädten entlang der Rheinschiene – Düsseldorf, Köln und Bonn – sowie in den Universitätsstädten Bielefeld, Münster, Dortmund, Essen und Aachen. Zudem gibt es Auswirkungen auf das jeweilige Umland. Der geringste Bedarf besteht in ländlichen Räumen, wo es manchmal sogar schon dauerhaften Leerstand gibt – etwa in Südwestfalen, im Hochsauerland und Siegerland sowie in einigen Bereichen des nördlichen Ruhrgebiets.

Kehrtwernde in der Förderpolitik gefordert

Der Deutsche Mieterbund fordert nun eine Kehrtwende in der Förderpolitik. Künftig sollten statt einzelner Projekte Unternehmen gefördert werden, die ihre Immobilien unbefristet als Sozialwohnungen anbieten, schlug die Landesgeschäftsführerin des Mieterbunds NRW, Silke Gottschalk, vor. Allein in NRW fallen jährlich über 10.000 Wohnungen aus der Bindung als Sozialwohnung.

Mit attraktiven Förderkonditionen will NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) den Schwund im Bestand stoppen und rund 50.000 neue Sozialwohnungen bis 2020 fördern. Die vor einem Jahr gestartete Wohnungsbau-Offensive wirke, bilanzierte Groschek. „Beim sozialen Wohnungsbau haben wir mit den Verbesserungen im vergangenen Jahr den Durchbruch geschafft“, sagte er der dpa.

Zu viel Bürokratie

Auch Wohnungswirtschaft und Mieterbund bestätigen das. „Die Landesregierung hat das Problem erkannt – es ist etwas passiert“, lobt der Verbandsdirektor der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen (VdW), Alexander Rychter. Probleme stellen jedoch weiterhin hohe Baukosten aufgrund bürokratischer Überregulierung dar – durch steigende Auflagen etwa für Energieverbrauch, Barrierefreiheit und Autostellplätze.

In Dortmund sieht die Sache folgendermaßen aus: Durch Bewilligungen von Wohnungsbaudarlehen wurden in 2015 insgesamt 935 Wohnungen gefördert (Neubau und Bestandsmodernisierung). „Gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus in Höhe von rund 82 Prozent“, sagt Stadtsprecherin Heike Thelen. Auch für 2016 sei laut Thelen zu erwarten, dass die vom Land NRW zugeteilten Fördermittel in Höhe von 30 Millionen Euro für die Schaffung von geförderten Wohnungen komplett bewilligt würden. So entstünde kurz- bis mittelfristig in verschiedenen Stadtteilen in Dortmund bezahlbarer Wohnraum. Ob der reicht?

Insgesamt fehlen nach Modellberechnungen in NRW bis 2020 rund 400.000 neue Wohnungen. Davon müssten mindestens 300.000 in Mehrgeschoss-Bauten errichtet werden – nicht zuletzt, weil sich die zusätzliche Nachfrage durch Flüchtlinge nicht mit Einfamilienhäusern decken lasse, argumentiert das Bauministerium. Der zusätzliche Bedarf an preiswertem Wohnraum allein durch Flüchtlinge wird in NRW auf rund 120.000 Wohnungen geschätzt.