Bild: Marijan Murat

Der umstrittene Islam-Verband Ditib will einen Neuanfang. Er räumt Fehler ein. Trotzdem hagelt es von Islamexperten Kritik. Für sie endet langsam die Geduld mit der Ditib. Von Neuorientierung und Aufarbeitung sei keine Spur.

Die umstrittene Ditib, größte Islam-Organisation in Deutschland, kündigt überraschend einen Neustart an. Die Türkisch-Islamische Union spricht von „zum Teil berechtigter Kritik an der Ditib“ und eigenen „Versäumnissen“.

Die Rede ist von spitzelnden Imamen

Das sind neue Töne vom Bundesverband in Köln. Ditib wolle künftig einen „intensiveren Austausch mit Partnern aus Politik, Gesellschaft und Presse pflegen“, sagte der Verband vor wenigen Tagen.

Die Politik in Bund und Ländern ist schon vor längerem auf Distanz gegangen. Der Bund fördert keine Ditib-Projekte mehr. In NRW liegt die Zusammenarbeit auf Eis.

Für viele ist die Eröffnung der Kölner Moschee eine Provokation

Trotz Aufforderung hierzulande von allen Seiten, die politische Einflussnahme aus der Türkei zu stoppen, hatte Erdogan bereits offiziell die Kölner Ditib-Zentralmoschee eröffnet. Für viele ist dies eine Provokation.

Ein neu gewählter Ditib-Vorstand soll es jetzt richten, „Debatten entschärfen“ und einen Neuanfang einleiten. Aber: Unter dem Spitzenpersonal sind auch altbekannte türkische Beamte, erläutert Islamexpertin Susanne Schröter.

Cem Özdemir spricht Warnungen aus

Warnende Worte kommen vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir. Ankara versuche, den Islam in Deutschland stärker unter seine Kontrolle zu bringen, und Erdogan strecke seinen Arm immer weiter nach Europa aus, warnt er in den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung. Eine Prüfung, ob der Verfassungsschutz die Ditib beobachten soll, läuft.

Das Echo aus NRW, wo besonders viele Muslime leben, ist äußerst verhalten. Einige der gut 900 Ditib-Moscheegemeinden fordern Reformen. Interne Kritiker sollen aber abberufen worden sein oder warfen das Handtuch. Der Religionspolitik-Lehrbeauftragte der Uni Bochum, Volker Beck, fasst im Kölner Stadt-Anzeiger wenig optimistisch zusammen: „Von Neuorientierung und Aufarbeitung keine Spur.“ mit dpa-Material