Bild: Marcus Brandt/dpa

Für Hundebesitzer ist es ein Schock, wenn das geliebte Haustier beim Gassi gehen plötzlich im Wald verschwindet und nicht mehr zurückkommt. Betrüger nutzen das Leid dieser Besitzer oft aus, um Geld zu erpressen. Für sie ist es ein leichtes Spiel.

Gabriele Schwebig aus Berlin wurde Opfer eines solchen Betrügers: Ihre Dackeldame Schnipsel lief beim Spazieren am Berliner Havelufer nur einige Meter voraus. Das wurde ihr zum Verhängnis. „Schnipsel lief ins Schilf, um Wasser zu trinken und tauchte nie wieder auf“, erzählt Tochter Maxi Schwebig.

Erpresserische Versuche

Das ist nun zwei Monate her. Der Verlust der Dackeldame macht der Besitzerin zu schaffen, sodass sie nun die Suche nach dem Hund organisiert. Neben dem Verlust des Tieres machten ihrer fast 70-Jährigen Mutter vor allem Erpressungsversuche das Leben schwer, erzählt Tochter Maxi.

„Bereits vier Mal wurden wir von verschiedenen Personen aufgefordert, Geld zu zahlen, damit wir Schnipsel wiederbekommen“, berichtet die Studentin der Tiermedizin. In einem Schreiben habe es zum Beispiel geheißen: „Wenn Du dich an die Bedingungen nicht hältst, ist dein Hund bald weg.“ 1000 Euro sollte die Familie zahlen. Ein anderes Mal sollte sie eine größere Summe an Überführungskosten zahlen, weil der Finder mit dem Hund angeblich bereits nach Österreich gereist sei.

Betrüger schlagen Profit aus dem Leid der Besitzer

Die Familie geht davon aus, dass Betrüger dahinter stecken, die aus dem Kummer der Besitzer Profit schlagen wollen. „Wir denken, dass der Hund eigentlich gestohlen wurde“, sagt Schwebig. Die Familie habe Suchhunde einsetzen lassen, die Schnipsels Fährte bis zu einem Parkplatz verfolgen konnten, erzählt die Studentin. „Dort hat wahrscheinlich jemand Schnipsel in seinem Auto mitgenommen.“

Versuche, Geld zu erpressen, kennt auch der Verein Tasso, bei dem Halter ihre Tiere registrieren und markieren lassen können, sodass Finder die Halter schnell ermitteln können. Auf diesem Wege bringt der Verein jährlich mehr als 87.700 Besitzer wieder mit ihren Tieren zusammen. Rund 300.000 Tiere würden jedes Jahr verschwinden. Der Deutsche Tierschutzbund bietet auf seiner Webseite Findefix ebenso eine Haustier-Registrierung an.

„Vermisste Tiere Dortmund NRW“ sucht und findet Tiere

Für den Raum Dortmund gibt es die Facebook-Gruppe „Vermisste Tiere Dortmund NRW“. Die Mitglieder versuchen, auf diesem Wege, den entlaufenen, entflogenen oder auch Fundtieren zu helfen, wieder den Weg nach Hause zu finden.

Laut Tasso-Sprecherin Laura Simon durchsuchen die Betrüger systematisch die Suchmeldungen zu vermissten Tieren, in denen private Kontaktdaten angegeben sind. Bei der Erpressung gehen die Betrüger oft nach einer der folgenden Maschen vor:

  • Unter gefälschten Telefonnummern rufen sie bei den Betroffenen an und geben vor, im Auftrag von Tierkliniken, Tierheimen oder Rechtsanwälten anzurufen, zu denen das Tier gebracht worden sei. Der Halter könne es dort gegen eine Gebühr abholen.
  • Hin und wieder werde auch behauptet, das Tier sei verletzt und man müsse die Behandlungskosten erstatten, bevor man sein Tier zurückbekomme.
  • Besonders auffällig sei, dass die Anrufer oft eine Vorabzahlung verlangten.
  • Auch das öffentliche Ausschreiben eines Finderlohns könne dazu beitragen, Betrüger auf den Plan zu rufen, sodass eine solche Vorgehensweise nicht zu empfehlen ist, sagt Laura Simon.

Auch die Schwebigs haben einen Finderlohn ausgesetzt – 500 Euro. Insgesamt habe die Familie schon rund 1600 Euro ausgegeben – für die Suchhunde, Zeitungsanzeigen und Suchzettel, sagt die Tochter. Auf die Betrugsversuche sind sie aber nicht eingegangen.

Haustiere werden oft vermisst: Allein beim Verein Tasso wurden 2018 rund 107.000 entlaufene Tiere verzeichnet, darunter rund 38 500 Hunde. Insgesamt konnten laut Simon fast 88.000 gefundene Tiere vermittelt werden, allerdings waren die zum Teil auch schon vor 2018 entlaufen.

Tipp: Kontakt über den Verein aufnehmen

Wer sein Tier sucht, sollte nie die eigenen Kontaktdaten öffentlich auf Online-Plattformen wie Facebook, generell im Internet, aber auch auf Suchplakaten angeben, empfiehlt Simon. Sie empfiehlt den Findern den Kontakt zu dem Besitzer über den Verein aufzunehmen, bei dem das Tier registriert ist oder registriert sein könnte. Der Verein könne dann wiederum die Halter informieren.

Aktuelle Top-Themen:

Die Berliner Familie sucht weiter nach Schnipsel. Ihre Mutter sei noch nicht über den Verlust hinweggekommen. „Schnipsel war für sie wie ein zweites Kind.“