Video geht viral

Wuppertal: Polizeigewalt gegen Behinderten gefilmt - jetzt wehren sich die Beamten

In Wuppertal ist es auf einer Corona-Demo zu einer Festnahme eines behinderten Menschen gekommen. Ein Video soll belegen, wie gewaltbereit die Polizei dabei vorgegangen sein soll.
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In Wuppertal ist es auf einer Corona-Demo zu einer Festnahme eines behinderten Menschen gekommen. Ein Video soll belegen, wie gewaltbereit die Polizei dabei vorgegangen sein soll.

In Wuppertal ist es bei einer Corona-Demo zu einer brutalen Festnahme gekommen – die gefilmt worden ist. Jetzt wehrt sich die Polizei gegen die Vorwürfe.

Wuppertal – Erschreckende Szenen aus Wuppertal machen derzeit die Runde. In einem Video aus der Stadt im bergischen Land, welches derzeit viral geht, scheint es, als ob Polizeibeamte einen behinderten Mann grob behandeln. Nun macht die Stadt einen Aufruf.

StadtWuppertal
Fläche168,4 km²
Bevölkerung362.400
Anzeigen gegen Polizeigewaltbis zu 2.000 jährlich
Anzeige führt zur Anklage2 Prozent aller Fälle

Wuppertal: Video von Festnahme einer behinderten Person geht im Internet viral

Das umstrittene Video wurde bisher auf unzähligen Seiten veröffentlicht, darunter auch auf YouTube (über 26.000 Aufrufe). Wie die Westfälische Zeitung berichtet, soll das Video vier Polizeibeamte zeigen, die einen scheinbar seh- und gehörgeschädigten Mann in Wuppertal zuerst durchsuchen und anschließend festnehmen. 

Schaut man sich das Video an, zeigen die dramatischen Szenen nur, wie der Mann von mehreren Beamten durchsucht wird, sondern es sind auch die verzweifelten Schreie zu hören, die der Mann bei der Verhaftung von sich gibt (alle Artikel aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24.de).

Auch die Stadt Wuppertal ist mittlerweile auf das Video gestoßen. Inklusionsbeauftragte Sandra Heinen spricht von mehreren Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich bisher mit dem Video bei ihr gemeldet haben, um ihre Bestürzung zu äußern. 

Wuppertal: Inklusionsbeauftragte der Stadt möchte zwischen Polizei und Opfer vermitteln

Doch wie reagiert die Inklusionsbeauftragte der Stadt Wuppertal? Sie fühle sich hilflos, weil sie nicht wisse, wer der Mann sei und ihm somit auch nicht helfen könne. "Meine Aufgabe ist es, den angemessenen Umgang zwischen unterschiedlichen Personen sicherzustellen. Ich möchte vermitteln, aber dafür muss ich zunächst wissen, wer die Personen in dem Video sind."

Die Polizei fragen kann Heine aus datenschutztechnischen Gründen nicht. Daher appelliert sie nun an die Bevölkerung, ihr bei der Identitätsfeststellung des Mannes zu helfen. Auch Menschen, die vor Ort waren und die Situation beobachtet haben, sollen sich bei ihr melden.

Wuppertal: "nur schwer erträglich" – Die Linke erschüttert über Polizeigewalt

"Ich möchte ein Gespräch mit dem Mann suchen und meine Hilfe anbieten. Außerdem möchte ich sensibilisieren und zwischen den einzelnen Parteien vermitteln", so Heinen gegenüber der Westdeutschen Zeitung.

Wuppertaler Polizeipräsident Markus Röhrl bewertet die Maßnahmen der Polizei als rechtmäßig und verhältnismäßig. "Bei der im Video gezeigten Person handelt es sich um einen Teilnehmer einer zuvor aufgelösten Versammlung gegen die Corona-Maßnahmen. Da die Person trotz mehrfacher, deutlicher Aufforderungen einem Platzverweis nicht nachkam, sollte die Identität festgestellt werden."

Fraglich ist jedoch, wie die Polizei den scheinbar seh- und hörgeschädigten Mann deutlich klarmachen können, dass ein Platzverweis ausgesprochen worden ist. So sieht das auch Bernhard Sander (Die Linke Wuppertal): "Auch wenn die Vorgeschichte auf dem Video nicht erkennbar ist, ist das Verhalten der Beamten schwer erträglich. Ein hörbehinderter blinder Mensch wird von der Wuppertaler Polizei schikaniert und angriffen", heißt es in einer Stellungnahme.

Polizei Wuppertal wehrt sich gegen Vorwürfe der Polizeigewalt gegen behinderten Mann

Obwohl die Beamten erkennen würden, dass sie einen blinden Menschen vor sich haben, würden sie dennoch brutal vorgehen, äußert sich Sander weiter. Sie würden ihn mit "nicht erschrecken" ansprechen und ihn gleichzeitig mit mehreren Beamten fixieren.

Wie die Westfälische Zeitung berichtet, widerspricht Alexander Kresta, Polizeisprecherin der Stadt Wuppertal, jedoch deutlich den Worten des Linke-Politikers: "Die Polizei ist besonnen vorgegangen. Wie in dem Video zu sehen ist, sprechen die Kollegen fortwährend mit dem Mann und erklären ihm alles. Umso mehr schrecken mich solche Rufe von Umstehenden, die mit der eigentlichen Situation nichts zu tun haben. Hier geht es nur noch um bloße Stimmungsmache gegen die Beamtinnen und Beamten."

Festnahme in Düsseldorf geht viral – Polizeigewalt gegen Jugendlichen?

Erst Ende August dieses Jahres ist ein ähnlich umstrittenes Video von einer polizeilichen Festnahme bekannt geworden. In der Altstadt von Düsseldorf hat ein Polizist einen Jugendlichen mit dem Knie am Boden fixiert. Auf dem Video war jedoch nicht zu erkennen, ob der Beamte den Jugendlichen am Hals oder am Kopf fixiert hatte.

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