Moral oder egal?

WM in Katar 2022: Viele NRW-Kneipen hadern noch mit Boykott

Moral oder Gewinn: Sollen wir die WM 2022 in Katar gucken, oder eher nicht? Viele Kneipen im Ruhrgebiet sind sich unsicher.

NRW – Die umstrittene Fußball-WM 2022 in Katar startet am 20. November. Nicht nur die Jahreszeit ist ungewöhnlich, auch die Vorfreude ist in diesem Jahr nicht so ausgelassen wie sonst. Der Grund: Beim Bau der Stadien und anderer Infrastruktur haben tausende Arbeiter den Tod gefunden haben, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht waren.

ThemaFußball WM in Katar
Start20. November 2022
KritikMenschenrechtsverletzungen

Tote vor Fußball-WM 2022 in Katar: Menschenrechtler und Klimaschützer schlagen Alarm

Das Wüstenland Katar ist sehr konservativ geprägt und hat zudem mit großer Hitze kämpfen. Beide Punkte spielen bei der WM 2022 eine Rolle. Das Land schreibt Frauen vor, sich mit Kopftuch und langer Kleidung zu verschleiern. Doch die Einschränkungen geht weit über die Mode hinaus. So haben Frauen in Katar einen männlichen Vormund, der sein Einverständnis für Beruf, Studium und Heirat geben muss.

Die Hitze in Katar sorgt außerdem für einen weiteren fragwürdigen Punkt. Weil es vor Ort im November bis zu 35 Grad warm werden kann, sollen die Stadien runtergekühlt werden. Was für Sportler ein Segen sein kann, muss der Umweltschutz einbüßen. Ein Stadion mit Klimaanlage herunterzukühlen, kostet eine Menge Energie.

Katar wird Menschenrechtsverletzung vorgeworfen. Beim Bau der WM-Stadien sollen viele Arbeiter gestorben und ausgebeutet worden sein.

Doch nicht nur Menschenrechtler und Klimaschützer schlagen Alarm, auch vielen Wirten will Public Viewing deshalb in diesem Jahr nicht schmecken. Zu Katar muss man wissen, dass es zu den reichsten Ländern der Welt gehört, allerdings ist die Kluft zwischen Arm und Reich wie so oft gewaltig. Leicht könnte so das Gefühl aufkommen: „Wir kaufen uns alles, was wir haben wollen, egal was es (die Gesellschaft) kostet.“

Die vielen toten Arbeiter, der vernachlässigte Klimaschutz, Homophobie und die Frauenrechtssituation sorgen dafür, dass Menschen die WM boykottieren, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Kneipe in Düsseldorf protestiert gegen die WM 2022 in Katar: „Findet auf Leichen statt“

Mindestens ein Wirt aus NRW mit Übertragungsoption zieht mit. Die Kneipe „Retematäng“, in Düsseldorf wird die WM in Katar nicht zeigen. Die Altstadt-Gastro geht sogar noch weiter und hat eine Boykott-Bewegung unter dem Motto „Kein Katar in meiner Kneipe“ initiiert.

Daniel Vollmer führt die Kneipe. Gegenüber dem WDR gesteht er, dass ihm als Fußballfan das Herz blute. „Aber das geht halt einfach nicht. Wir würden uns selbst für Heuchler halten, wenn wir das Turnier verurteilen, durch eine Übertragung aber Umsatz generieren“, meint er (mehr News aus NRW bei RUHR24).

„Die WM findet auf Leichen statt. Immer noch werden Arbeiter ausgebeutet und nicht bezahlt“, meint er. Auch die Unterdrückung von Frauen und Homosexuellen spielt für den Wirt eine Rolle. Mit seinem Boykott stößt er vor allem auf positives Feedback der Gäste. Auch andere Gaststätten wie das Konvex in Düsseldorf übertragen die WM nicht.

Diese Kneipen in Dortmund und Bochum zeigen die Fußball-WM 2022 in Katar

Einige Gastronomen können sich nicht nehmen lassen, das Sportevent zu geleiten, auch wegen der Coronapleite. Viele Wirte hatten wegen der Lockdowns hohe Verluste gemacht. Diese Kneipen haben dagegen entschieden, die WM zu zeigen:

  • Strobels, Dortmund
  • B-Trieb, Kreuzviertel Dortmund
  • Klubhaus1249, Dortmund
  • Mississippi, Bochum

WM 2022 in Katar spaltet Kneipen im Ruhrgebiet – Viele sind noch unsicher

Es gibt aber auch Gastronomen, die sich noch nicht festlegen wollen, ob sie die WM übertragen oder nicht. Die Sportbar Manhattan in Dortmund zum Beispiel will sich laut WAZ flexibel nach der Nachfrage der Gäste richten. Auch das Schnitzelrestaurant „Mit Schmackes“ in Dortmund ist noch unsicher.

Die WM in Katar findet im kommenden Winter statt.

Keine Antwort zur WM in Katar hat RUHR24 bisher vom Three-Sixty in Bochum erhalten, genauso wie von der Bullssportbar in Bochum-Weitmar, dem Carlo in Essen und dem Café Extrablatt in Dortmund. Es ist anzunehmen, dass viele Wirte die Entscheidung zwischen Profit und Moral bis zum Schluss vor sich herschieben.

Rubriklistenbild: © Nikku/Imago

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