Islamkunde in Deutschland

Nächstes Bundesland führt Islam-Unterricht ein – und wird verklagt

Islamunterricht
+
Ob Islamkunde oder islamischer Religionsunterricht: Kritiker stoßen sich an Unterrichtsinhalten.

In NRW gibt es islamischen Religionsunterricht seit 2012. Bayern beschloss nun, Islamkunde als Wahlpflichtfach einzuführen - und steht bereits jetzt vor dem Verfassungsgerichtshof.

Dortmund – Bildung ist Ländersache. Und so handhabt jedes Bundesland in Deutschland es etwas anders mit den Lehrplänen, Wahlfächern und der Ausgestaltung der Unterrichtsinhalte. Meist gibt es darum nicht viel Aufregung. Doch beim Islam-Unterricht gehen Kritiker auf die Barrikaden. In NRW und Bayern gleichermaßen. Warum?

Islamunterricht in Bayern und NRW: Kritik für beide Unterrichtsformen

Seit dem Schuljahr 2012/2013 wird in NRW ein bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht angeboten. Damit war NRW das erste Bundesland, welches den islamischen Unterricht flächendeckend an Schulen einführte.

Ziel des Unterrichts soll sein, dass die Schüler sich zum einen mit ihrer eigenen Religion vertraut machen, zum anderen aber auch, dass sie Toleranz und Respekt gegenüber Andersgläubigen erlernen. Organisiert wird der islamische Religionsunterricht in NRW in Zusammenarbeit mit islamischen Organisationen.

Auch der umstrittenen Ditib hat dabei seit einer Neuaufstellung im Mai wieder eine aktive Rolle, wie die FAZ berichtet. Der Einfluss der Ditib hatte immer wieder zu Kritik und Diskussionen geführt, vor allem, da der Ditib in verfassungsrechtlichen Fragen teilweise fragwürdige Ansätze vertritt. Unter anderem Cem Özdemir von den Grünen kritisierte laut ZDF, dass der türkische Staatspräsident Erdogan durch die Beteiligung des Ditib am islamischen Religionsunterricht Zugang zu deutschen Schulen bekäme.

Islamkunde an bayrischen Schulen: Verbände stoßen sich an Unterichtsinhalten

Nun also zog Bayern nach. Als letztes der alten Bundesländer soll demnächst auch im Freistaat ein islamkundlicher Unterricht als Wahlpflichtfach angeboten werden. Doch auch in Bayern stoßen sich Kritiker an den geplanten Unterrichtsinhalten – und zogen gleich vor den Verfassungsgerichtshof.

Anders als in NRW soll der Unterricht in Bayern weniger bekenntnisorientiert sein. Statt islamischem Religionsunterricht soll in Bayern Islamkunde angeboten werden. Staatliche Lehrkräfte sollen also in deutscher Sprache Wissen über die islamische Religion vermitteln. Daran stoßen sich allerdings nun wieder die Islamverbände. Wie die SZ berichtet, liege der Kern der Kritik darin, dass das Fach nicht als konfessionelles Wahlpflichtfach eingeführt wird – anders also als beim christlichen Religionsunterricht. Anders also auch, als in NRW.

Weiterhin unterliegt in Bayern der Unterricht der staatlichen Verantwortung. Und genau das stört Islamverbände. Dieser Ansatz sei nicht im Sinne der Verfassung. Wie aus dem Bericht der Zeitung hervorgeht, fordern die Verbände, dass sie - und nicht der Freistaat - die Lehrer auswählen, ausbilden und den Lehrplan erstellen dürfen.

Klage in Bayern, Kritik in NRW: Islmischer Unterricht droht zu scheitern

Die Klage heimste sich der Freistaat allerdings aus ganz anderer Richtung ein. Der „Bund für Geistesfreiheit Bayern“ und die Regionalgruppe München im Förderkreis der Giordano-Bruno-Stiftung e.V. reichten am Mittwoch (7. Juli) Klage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof ein. Obwohl die Klage offenbar nur von einem kleinen Teil des Bundes angestoßen wurde und sich der Bund laut einer eigenen Pressemitteilung mehrheitlich gegen eine Beteiligung an der Popularklage ausgesprochen hatte, liegt die Klage nun dem Gericht vor.

Darin moniert wird, dass die verfassungsrechtlich erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung des Schulfaches fehlen. Auch AfD und Grüne stellten sich gegen die Überführung des Faches aus einem Modellversuch in den Regelunterricht. Die AfD kündigte ebenfalls an, vor den Bayerischen Verfassungsgerichtshof zu ziehen.

Und so droht das Modell, den Islam-Unterricht in ganz anderer Weise als in NRW an bayrischen Schulen als Regelfach einzuführen, zu scheitern. Dabei soll gerade durch den Islam-Unterricht verhindert werden, dass Jugendliche auf der Suche nach Informationen im Internet an Extremisten geraten – in NRW wie in Bayern.