Ein- und Auschecken per Smartphone

Testphase für nextTicket 2.0 im VRR beginnt - Ende für Tarife im öffentlichen Nahverkehr?

Das nextTicket geht im gesamten VRR in den zweiten Testlauf.
+
Das nextTicket geht im gesamten VRR in den zweiten Testlauf.

Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat die Testphase für das "nextTicket 2.0" begonnen.So funktionieren Teilnahme und Testlauf im ÖPNV.

  • Seit dem 15. Juni läuft im VRR ein zweiter Test für das sogenannte "nextTicket".
  • Fahrgäste können mobil bequem einchecken, ohne sich vorher mit den unterschiedlichen Tarifen auseinandersetzen zu müssen.
  • Etwaige Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes seien laut der Entwickler unbegründet.

Neuss - "Wir brauchen innovative Ansätze, um den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen", stellt der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) fest. Das nextTicket ist ein vielversprechender Ansatz, der jetzt im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR)* in einen einjährigen Testlauf geht. Begonnen hat das Projekt am Montag (15. Juni), berichtet RUHR24.de*.

Verkehrsverbund Rhein-Ruhr

VRR

Gründung

1. Januar 1980

CEO

José Luis Castrillo (1. Jan. 2014–)

Zentrale

Gelsenkirchen

Rechtsform

Anstalt des öffentlichen Rechts

nextTicket im VRR: Neuer e-Tarif berechnet Preis anhand der zurückgelegten Kilometer

Entwickelt wurde das Konzept federführend von den Stadtwerken Neuss in Kooperation mit der Rheinbahn Düsseldorf und dem VRR. Ziel ist es, Fahrgästen an Rhein und Ruhr einen elektronischen Tarif zur Verfügung zu stellen, der ihnen den Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr erleichtert.

Mit dem nextTicket wird der Fahrpreis auf Basis der Luftlinienkilometer zwischen Start- und Zielhaltestelle berechnet. Dafür muss der Kunde bei Fahrtantritt über eine App auf dem Smartphone einchecken und nach der Ankunft auschecken. Neben einem Festpreis von 1,40 Euro werden für jeden angefangenen Kilometer 26 Cent automatisch mit dem Nutzer abgerechnet. Preisstufen sollen somit keine Rolle mehr spielen.

nextTicket im VRR: Preisbegrenzung soll Benachteiligung der Fahrgäste verhindern

Eine Preisbegrenzung trägt dafür Sorge, dass die Fahrgäste mit dem nextTicket im VRR für eine Fahrt nie mehr bezahlen, als für ein Einzelticket der jeweiligen Preisstufe im aktuellen Tarif anfällt. Eine entsprechende Preiskappung gelte auch für 24-Stundentickets und Monatstickets.

Für einen zusätzlichen Anreiz zur Nutzung des neuen e-Tarifs sorgt ein Stufen-Rabatt innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen. Für die 5. bis 19. Fahrt wird ein Rabatt von 10 Prozent gewährt, ab der 20. Fahrt werden gar 50 Prozent des Preises erlassen.

Gute Nachrichten für Eltern: Die Mitnahme von Kindern ist zu einem Pauschalpreis von 1,40 Euro pro Kind möglich - die Anzahl der mitgenommen Kinder ist nicht beschränkt. Zusatzleistungen wie Fahrradmitnahme oder die Nutzung der ersten Klasse kosten entsprechend den bisherigen VRR-ZusatzTickets (pauschal 3,60 Euro pro Fahrt).

Start für das nextTicket 2.0: Reiner Breuer (Bürgermeister Neuss), Klaus Klar (Vorstand Rheinbahn), Stephan Lommetz (Geschäftsführer Stadtwerke Neuss), Thomas Geisel (Oberbürgermeister Düsseldorf), Luis Castrillo (Vorstand VRR) und Hans-Jürgen Petrauschke (Landrat Rhein-Kreis Neuss) (v.l.n.r.).

Wie funktioniert das nextTicket im VRR in der Praxis? Preisbeispiel klärt auf

  • Beispiel A: Eine drei Kilometer lange Fahrt mit dem ÖPNV innerhalb einer Stadt kostet im klassischen Tarif 2,90 Euro. Mit dem nextTicket 2.0 beträgt der Preis für die gleiche Strecke nur 2,18 Euro.
  • Beispiel B: Eine sechs Kilometer lange Fahrt mit dem ÖPNV innerhalb einer Stadt kostet im klassischen Tarif 2,90 Euro. Mit dem nextTicket 2.0 würde der Preis 2,96 Euro betragen. An dieser Stelle greift die Preiskappung, sodass die Fahrt dem klassischen Tarif entsprechend nur 2,90 Euro kostet.

Als besonders nützlich erweist sich das nextTicket für Fahrgäste, wenn im bisherigen klassischen Tarif ein Preissprung wirkt. Eine Fahrt von Neuss (Stadthalle/Museum) nach Düsseldorf (Graf-Adolf-Platz) kostet derzeit 6 Euro. Mit dem nextTicket würde sich der Preis anhand der zurückgelegten sieben Kilometer auf 3,22 Euro belaufen - eine Ersparnis von 2,78 Euro.

nextTicket 2.0 im VRR im Testlauf: "Meilenstein in der Digitalisierung des Nahverkehrs"

"Ich sehe nextTicket 2.0 als Meilenstein in der Digitalisierung des Nahverkehrs. Es macht den ÖPNV preiswerter und moderner. Die Abrechnung erfolgt kilometergenau, einfach und transparent", sagt Stephan Lommetz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Neuss (Ruhrgebiet-Artikel auf RUHR24*).

Dass Fahrgäste mit dem nextTicket künftig nicht mehr überlegen müssten, welches Ticket das richtige für sie sei und nur die Leistungen zahlen müssten, die sie tatsächlich in Anspruch nehmen, könnte als Blaupause weit über den VRR hinaus dienen. Das glaubt auch Hans-Jürgen Petrauschke vom Landrat Rhein-Kreis Neuss.

"Diese Entwicklung voranzutreiben und Tarifraum-Grenzen aufzubrechen ist ein wichtiger Aspekt - macht es doch den Umstieg auf den ÖPNV für die Menschen attraktiver. Perspektivisch wird so ein NRW-weites, nahtloses Reisen mit diversen Verkehrsmitteln einfach per Check-in möglich."

Testlauf für das nextTicket 2.0 im VRR auf 15.000 Kunden begrenzt

Die nextTicket-App der Stadtwerke Neuss steht kostenlos im App-Store und bei Google Play zum Download bereit. Informationen zur kostenfreien Registrierung finden sich auf nextTicket.de. Während des einjährigen Testlaufs ist die maximale Nutzeranzahl auf 15.000 Kunden beschränkt.

Um den Fahrpreis korrekt berechnen zu können, muss das GPS auf dem Smartphone aktiviert sein. Die Stadtwerke Neuss und der VRR versprechen, mit den erhobenen Bewegungsdaten sehr sorgsam umzugehen. "Jegliche Datenerhebungen werden streng vertraulich behandelt und Bewegungsdaten ausschließlich anonymisiert gespeichert", heißt es dazu.

Einen ersten Testlauf mit dem nextTicket* hat es bereits 2018 gegeben. Bei der damaligen Testphase wurde der Preis noch anhand der Streckenkilometer und nicht anhand der Luftlinienkilometer berechnet.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Mehr zum Thema