Freispruch auf zweiter Instanz

Trotz Zeugen und Beweise: Angeklagter nach mutmaßlicher Vergewaltigung im Zug auf freiem Fuß - er ist "sozial gefährlich"

Bereits im April 2018 soll es zu einer Vergewaltigung in einem Zug nach Mönchengladbach gekommen sein. Der Täter wurde freigesprochen.
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Bereits im April 2018 soll es zu einer Vergewaltigung in einem Zug nach Mönchengladbach gekommen sein. Der Täter wurde freigesprochen.

Nach Küssen folgte ein Gang auf die Zugtoilette, offenbar aber nicht einvernehmlich. Ein mutmaßlicher Vergewaltiger wurde dennoch frei gesprochen. 

  • Nach einem Bundesliga-Spiel kam es in Mönchengladbach zu einer mutmaßlichen Vergewaltigung.
  • Trotz Beweisen und Zeugen wurde der vermeintliche Täter frei gesprochen.
  • Wirklich einig waren sich die Richter allerdings nicht.

Mönchengladbach/NRW - Nach einem Spiel zwischen Mönchengladbach und den Bayern soll es in einem Zug, der die Fußball-Fans zurück nach NRW brachte, zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Der Vorfall ereignete sich bereits im April 2018, soll jetzt aber in die dritte Verhandlung gehen.

Vergewaltigung im Zug: Mutmaßlicher Täter und Opfer sollen sich geküsst haben

Auf der Rückfahrt von einem Bundesliga-Spiel sollen sich die damals 19-Jährige und der 30-jährige Mann bereits im Zug, beide offenbar angetrunken, geküsst haben und auf der Toilette des Zugs verschwunden sein. Nachdem die junge Frau wieder aus der Kabine gekommen war, soll sie völlig aufgelöst gewesen sein.

Außerdem soll sie bereits am selben Abend gegenüber anderen Zuggästen gesagt haben, dass es zu einer Vergewaltigung gekommen ist. Der heute 32-Jährige hatte dagegen von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gesprochen.

Mönchengladbach: Opfer sucht sich Hilfe nach mutmaßlicher Vergewaltigung im Zug

Doch die 19-Jährige verschaffte sich noch im Zug nach der mutmaßlichen Vergewaltigung Verhör, wie Bild berichtet. Dort rief sie ihre Eltern an und alarmierte die Polizei. Bei einem Halt in Flörsheim (Hessen) wurde sie daraufhin untersucht und vernommen.

Am gleichen Bahnhof stellte die Polizei 559 Identitäten anderer Fahrgäste fest. Das Opfer konnte den Täter zwar selbst nicht mehr beschrieben, jedoch konnte ein Ordner im Zug bereits vor dem Vorfall ein Foto von dem heute 32-Jährigen machen. Der Verdächtige stellte sich zwei Tage später sogar selbst.

Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung wurde die Zugfahrt unterbrochen. Die Polizei konnte 559 Identitäten feststellen.

Mutmaßlicher Täter behauptet nach Vergewaltigung, dass alles einvernehmlich war

Jetzt wurde der mutmaßliche Täter allerdings in zweiter Instanz vom Landgericht Mönchengladbach freigesprochen. Wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch (17. Juni) mitteile, war nach Ansicht der Strafkammer für den Mann nicht ersichtlich, dass das Opfer nicht mit ihm intim werden wolle.

Der Aufreger an diesem Fall: In erster Instanz, beim Amtsgericht, wurde der 32-Jährige bereits für schuldig befunden und wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt (mehr Artikel aus NRW auf RUHR24.de).

Vergewaltigung im Zug: Mutmaßlicher Täter war bereits vorbestraft

Und es kommt noch dicker: Zur Zeit des Vorfalls war der 32-Jährige bereits vorbestraft und hätte sich gar nicht auf freiem Fuße bewegen dürfen. Er hätte eigentlich wegen anderer Taten eine Haftstrafe absitzen müssen - darunter auch eine Vergewaltigung.

Ein Sachverständiger hatte den mehrfach vorbestraften Angeklagten im ersten Prozess bereits als "sozial gefährlich" bezeichnet. Dass der Mann während des Vorfalls im Zug nicht bereits in Haft saß, hatte für eine Untersuchung innerhalb der Justiz gesorgt, die danach einen Fehler einräumte.

Vorfall im Zug nach Mönchengladbach: Vergewaltigung "sei nicht erkennbar gewesen"

Das Urteil im Fall der Vergewaltigung aus dem April 2018 sei bereits nach zwei Verhandlungstagen gefallen. Wie ein Gerichtssprecher sagte, habe sich die Aussage des mutmaßlichen Opfers mit der des Angeklagten weitgehend gedeckt. Aus Sicht der Richter sei für den Mann dennoch nicht erkennbar gewesen, dass er gegen den Willen der damals 19-Jährigen handelte.

Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Revision eingelegt. Es könnte damit zu einer dritten Verhandlung kommen.

Mit dpa-Material

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