Extremwetterlagen häufen sich

Unwetter in NRW: Bessere Katastrophen-Vorsorge gefordert – Expertin: „Wie im kalten Krieg“

Sturmtief Bernd zog als schweres Unwetter über NRW – mit katastrophalen Folgen. In Zukunft könnten sich Extremwetterlagen häufen. Ist das Land darauf ausreichend vorbereitet?

NRW – Vollgelaufene Keller und überflutete Straßen gehören nach dem Hochwasser in NRW am Mittwoch (14. Juli) noch zu den harmloseren Folgen. Mindestens 15 Menschen starben bei dem Unwetter, darunter auch zwei Feuerwehrleute, die eigentlich zur Rettung anderer Personen ausgerückt waren. Die Schäden dürften in die Millionenhöhe steigen, selbst ein Damm droht tags darauf zu brechen. Und so stellt sich die Frage: Ist das Land ausreichend auf solche extremen Wetterlagen vorbereitet?

LandNRW
SturmtierfBernd
FolgenÜberschwemmungen, Erdrutsche, Dammbrüche

Unwetter wie in NRW von Experten vorausgesagt: Bessere Katastrophenvorsorge gefordert

Zumindest die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Gerda Hasselfeldt, ist nicht zufrieden damit, wie Deutschland und NRW auf Unwetter und andere Katastrophenfälle vorbereitet sind. Gegenüber der Rheinischen Post fordert sie eine Vorbereitung auf Krisenfälle wie „in Zeiten des Kalten Krieges“. Was sie damit meint: In Sachen Bereithaltung von Notunterkünften, Zelten, Feldbetten, Trinkwasser und sanitäre Anlagen muss sich das Land besser auf Katastrophen wie diese vorbereiten.

Immer wieder hatten Experten in der Vergangenheit davor gewarnt, dass sich Extremwetterereignisse wie nun in NRW und Rheinland-Pfalz häufen könnten. Laut einem Bericht von br Wissen geht auch der Deutsche Wetterdienst davon aus, dass wir in Zukunft mit mehr Stürmen, extremen Regenfällen und Hitzewellen zu tun haben werden (mehr News zum Unwetter in NRW).

Unwetter in NRW: Klimaerwärmung macht Extremwetterlagen wahrscheinlicher

Die Klimaerwärmung sorgt für eine Zunahme der Extremwetterlagen. Auch Hasselfeldt weist genau darauf hin: „Wetterextreme, wie wir sie jetzt im Westen und im Süden Deutschlands erleben, werden in den nächsten Jahren zunehmen.“ Deshalb müsse sich Deutschland künftig besser auf solche Katastrophen vorbereiten.

Helfer im Einsatz: Auch ein Altenheim in Hagen (NRW) musste wegen der Überflutungen evakuiert werden.

Das DRK, so Hasselfeldt, würde bereits seit längerem vorschlagen, bundesweit zehn Reservelager für die Versorgung der Bevölkerung in Katastrophenfällen wie bei Unwettern, Extremwetter, Waldbränden oder Erdbeben, aufzubauen. Mit zwei solcher Versorgungszentren sei zwar ein Anfang gemacht worden, doch nun gelte es schnell das gesamte Konzept für den Katastrophenfall umzusetzen.

Doch die Hilfe im Katastrophenfall ist nur die Seite. Ebenfalls vonseiten vieler Experten gefordert muss außerdem der Schutz in Form von Hochwasserschutzanlagen, Deichsanierungen, Ausbau der Kanalisation oder auch die Renaturierung von Uferlandschaften vorangetrieben werden. Projekte, die auch durch die NRW-Landesregierung finanziert und unterstützt werden. Doch gerade bei der letztgenannten Maßnahme habe die Landesregierung versagt, so Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in NRW gegenüber dem WDR.

Überflutungen in NRW: Mehr Schutz für die Bevölkerung

Dabei kann die Natur erstaunliches leisten – wenn man sie denn lässt: Naturnahe Flächen, welche enorme Mengen an Niederschlag aufnehmen können, seien in der Vergangenheit zu kurz gekommen: „Was an naturnahen Flächen geschaffen worden ist, ist einfach zu wenig“, zitiert der WDR den Umweltschützer. Stattdessen würden Überflutungsflächen an Gewässern als Siedlungsgebiete ausgewiesen und zugebaut.

Wie ein Schwamm können naturnahe Landschaften Regenwasser aufnehmen und damit Schutz gegen katastrophale Hochwasserereignisse wie in NRW bieten. Allerdings funktioniere das nicht, wenn die „Landschaft immer mehr zubetoniert werde“, so Jansen. Allerdings: Andere Fachleute sehen diesen Wirkmechanismus für überbewertet, so etwa Wasserbauingenieur Franz Zunic von der TU München. Gerade bei Starkregen sei die Grenze, was Böden aufnehmen könnten, schnell erreicht.

Am Ende kommt es eben doch auch darauf an, wie Städte und Gemeinden im Falle eines Extremwetterereignisses reagieren. Hagen, eine der Städte in NRW, die besonders schwer von dem aktuellen Unwetter getroffen wurde, habe das gut gemacht – attestiert zumindest NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. In Hagen seien schon Vorbereitungen für den Krisenstab getroffen worden, als noch die Sonne schien. So habe eine noch größere Katastrophe verhindert werden können.

Ob er auch Nachholbedarf bei seiner eigenen Landesregierung sehe, erwähnte er vorerst nicht.

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