Kommentar

Nach Unwetter in NRW: „Junge Frau“-Diskussion um Armin Laschet ist zum Fremdschämen

Nach dem Unwetter in NRW soll Armin Laschet (CDU) WDR-Moderatorin Susanne Wieseler despektierlich „Junge Frau“ genannt haben. Doch das ist nicht der Skandal, meint RUHR24-Redakteur Dennis Liedschulte.

Dortmund – Das WDR-Interview mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Moderatorin Susanne Wieseler wird einen Tag nach Ausstrahlung heftigst diskutiert.

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)
EreignisUnwetter und Starkregen

Unwetter in NRW: Ministerpräsident Armin Laschet nennt Moderatorin angeblich „junge Frau“

Doch es sind nicht die fragwürdigen Inhalte des CDU-Politikers zum Unwetter in NRW und dem Zusammenhang mit dem Klimawandel, die für Aufsehen sorgen. Sondern der Ausdruck „junge Frau“, den der möglicherweise zukünftige Bundeskanzler gegenüber der WDR-Moderatorin gesagt haben soll. Und das ist falsch.

„Junge Frau“ trendete am Freitag (16. Juli) bei Twitter. Jetzt ist der Nachrichtendienst mit circa 1,4 Millionen täglichen Usern alleine in Deutschland vielleicht kein Spiegel der Gesellschaft, aber zahlreiche Politiker, Aktivisten und Personen des öffentlichen Interesses können dort ihren Senf dazu beitragen (alle News zu Unwetter in NRW im Live-Ticker von RUHR24).

Wie die „junge Frau“-Debatte um Armin Laschet mal wieder zeigt: Leider sind solche Diskussionen häufig weder tiefgründig, noch klug. Denn ist es nicht einmal klar, dass Armin Laschet Susanne Wieseler wirklich despektierlich mit „junge Frau“ angesprochen hat.

Unwetter in NRW: „#JungeFrau“ – Armin Laschet wird von Susanne Wieseler unter Druck gesetzt

Trotzdem teilen zahlreiche User ihre empörte Meinung über das Thema und hieven „#JungeFrau“ in die Twitter-Trends. Armin Laschet sei gegenüber der Moderatorin, die in dem Fall stellvertretend für alle Frauen steht, despektierlich gewesen.

Die Möglichkeit, dass er den Namen von Susanne Wieseler vergessen hat, weil sie eine aus journalistischer Sicht hervorragende Interviewführung gezeigt und den NRW-Ministerpräsidenten unter Druck gesetzt hat, kommt dabei nur wenigen in den Sinn.

„Junge Frau“-Interview des WDR mit Armin Laschet (ab 24:14 Minuten):

Markus Feldenkirchen vom Spiegel äußerte sogar seine Theorie darüber, dass es am rheinischen Einschlag der Sprache von Armin Laschet liegt, dass der Ausdruck „junge Frau“ so rübergekommen sei und lobt aber ebenfalls die gute Interviewführung von Susanne Wieseler.

Die WDR-Moderatorin selbst scheint auch gar nicht so empört zu sein und twitterte im Zuge der aufgeheizten Debatte: „Allerdings: ich höre gar nicht, dass er das wirklich sagt. #JungeFrau“. Zu früh aufgeregt? Nun ja.

Unwetter in NRW: Der eigentliche Skandal von Armin Laschet kommt erst noch

Armin Laschet – und das sei dem Mob bei Twitter verziehen – hat sich bereits in der Vergangenheit despektierlich gegenüber kritischen Fragestellerinnen bzw. Diskussionspartnerinnen verhalten. Davon kann Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer beispielsweise ein Lied singen.

Das Problem im eigentlichen Sinne ist ein ganz anderes: Armin Laschet, um den es auch eine Debatte gab, ob er in Altena anwesend war oder nicht, gab rein inhaltlich ein absolut desaströses Bild ab.

Unwetter in NRW: Armin Laschet – „Weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik

Denn nach dem vermeintlichen Ausdruck „junge Frau“ sagte er den Satz: „Weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik!“

Unwetter in NRW: Armin Laschet (CDU) auf der Pressekonferenz am Freitag (16. Juli)

Doch, Herr Laschet, und das sollte man sogar. Denn genau das ist der eigentliche Inhalt, der diskutiert werden sollte und nicht ein „Ausdruck“, den nur knapp die Hälfte der „woken“ Twitter-Gemeinschaft herausgehört haben will.

Rubriklistenbild: © dpa/WDR

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