Gefahr durch Lärmschutzwände

Nach Horror-Unfall auf A3: Behörde versagte bei Kontrolle – noch eine Autobahn gesperrt

Kürzlich starb eine Frau auf der A3 durch eine herabfallende Betonplatte. Versäumnisse beim Landesbetrieb Straßen.NRW könnten zu dem Unfall geführt haben.

Köln/Duisburg – Zunächst war nicht klar, wie das passieren konnte: Auf der A3 bei Köln hatte sich am 13. November eine Betonplatte aus einer Lärmschutzwand gelöst und war auf die Autobahn gekracht. Dabei begrub die Betonwand ein Auto unter sich. Die Fahrerin des getroffenen Kleinwagens war sofort tot. Nun stellt sich heraus: Versäumnisse beim Landesbetrieb Straßen.NRW sollen „mitursächlich“ für den tödlichen Unfall auf der A3 bei Köln gewesen sein.

AutobahnA3
Länge778 Kilometer
UnfallortKöln

Ursache zum Unfall auf der A3 bei Köln bei Versäumnissen der Behörden zu suchen

Eine ganze Kette von Fehlern und Versäumnissen sollen es laut Deutscher Presseagentur (dpa) gewesen sein, die zu dem Horror-Unfall auf der A3 geführt haben. Denn was nicht hätte passieren dürfen, passierte: Laut einem Bericht an den Landtag hätte die Betonwand nie eingebaut werden dürfen. Doch sie wurde eingebaut. Und damit endeten die Versäumnisse offenbar nicht.

Kurz nach dem Horror-Unfall auf der A3 hatte das Verkehrsministerium eine fehlerhafte Verankerung der Betonplatte als Ursache für den Absturz ausgemacht. Doch diese „nicht richtlinienkonforme Befestigung“ der Lärmschutzelemente war den Behörden laut des Berichts an den Landtag offenbar seit Jahren bekannt.

Tatsächlich war die Verankerung bereits im Juli 2008 aufgefallen. Sie wirke improvisiert und war es offenbar auch. Also fragte die örtliche Bauüberwachung vier Wochen vor Einbau der fraglichen Betonelemente bei der Baufirma nach. Per E-Mail forderte die Behörde einen Nachweis über die Statik an. So weit – so richtig.

Mängel an der Betonplatte auf A3 waren vor Unfall bereits bekannt

Doch dann ging offensichtlich allerhand schief. Denn anstatt die Statiknachweise wie gefordert zu liefern, bekam die Behörde laut dpa keine Antwort von der Baufirma. Trotzdem wurde die Betonplatte in der Nacht zum 28. August 2008 eingebaut – und die Strecke auf der A3 bei Köln wurde wenige Stunden später feierlich eröffnet.

Nach dem Unfall auf der A3 gelten weitere Betonplatten als potenziell gefährlich.

Nach dem Einbau der Lärmschutzelemente wurde die fehlenden Nachweise über die Statik der Elemente zwar immer wieder bei der Baufirma angefragt, doch weil die weiterhin nicht antwortete, ließ man es scheinbar irgendwann einfach bleiben. Auch eine Prüfung durch Dritte gab es laut dpa nicht. Die Baufirma hingegen meldete 2013 Insolvenz an.

Prüfung der Betonplatte auf A3 vor Unfall nicht regelkonform

Doch damit endet die Reihe an Fehlern nicht. Fehler, die am Ende einer Frau das Leben kosteten. Denn auch bei der Prüfung der Lärmschutzwände in den darauf folgenden Jahren, habe der Landesbetrieb „bei den betroffenen Stützwänden die Hauptprüfungen nach DIN 1076 nicht regelkonform durchgeführt“, erklärt das Verkehrsministerium.

Denn die Prüfer versäumten es, auch hinter die Betonplatten zu gucken. Die fehlerhafte Verankerung fiel so nicht auf. Und so bemerkte man die fehlerhafte Konstruktion weder 2008 noch 2013. Im Jahr 2013 erteilte man der Lärmschutzwand sogar die Note 1.

Erst nach dem tragischen Tod der Autofahrerin auf der A3 wurde man wieder aktiv: Landesweit hatte der Landesbetrieb Straßen.NRW daraufhin die Lärmschutzwände in NRW untersucht. Darunter auch die Wände an der A59 bei Duisburg.

Weitere Orüfungen der Lärmschutzwände nach Unfall auf A3 ergibt weitere Auffälligkeiten

Und tatsächlich: Wie ein Sprecher des Landesbetriebs Straßen.NRW gegenüber dem WDR bestätigt, sollen auch bei der Lärmschutzwand der A59 Auffälligkeiten festgestellt worden sein. Auf der A59 wurde deshalb vorsorglich die rechte Fahrspur gesperrt. Nun soll der Bereich intensiv geprüft werden.

Wie folgenschwer die Versäumnisse vor dem Einbau und bei der Prüfung der verbauten Elemente sein würde, ahnte vor dem 13. November noch niemand. Wer letztendlich Schuld an dem Unfall trage, lasse sich allerdings nicht feststellen, auch wenn mehrere E-Mails und Dokumente von den Behörden sichergestellt worden seien, heißt es in dem Bericht weiter. Und so ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft weiter gegen Unbekannt.

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