Nach Einmarsch Russlands

NRW erwartet viele Ukraine-Flüchtlinge: Minister hat Theorie

NRW bereitet sich auf die Aufnahme vieler Flüchtlinge aus der Ukraine vor. Eine Übersicht.

Dortmund – „Nordrhein-Westfalen steht fest an der Seite des ukrainischen Volkes“, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nach Ausbruch des Kriegs mit Russland am Donnerstag (24. Februar). „Wenn Menschen auf der Flucht vor Krieg in Deutschland Zuflucht suchen, steht Nordrhein-Westfalen zur Hilfe bereit.“ RUHR24* erklärt, wie sich NRW* jetzt auf wohl Tausende Flüchtlinge aus der Ukraine vorbereitet.

Überfall Russlands auf die UkraineStart am 24. Februar 2022
Befehl durchWladimir Wladimirowitsch Putin (Russland)
Krieg in der Ukraineseit 2014

NRW: Flüchtlinge aus der Ukraine willkommen – Zahl aber noch unklar

Laut Wüst stehe NRW in Abstimmung mit der Bundesregierung, um das weitere Vorgehen zu klären. Diese wiederum betonte in Persona von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), dass die Bundesregierung „vorbereitet ist auf all das, was da jetzt kommt“, sollten die Fluchtbewegungen auch Deutschland erreichen.

Rund 30.000 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit leben in Nordrhein-Westfalen. Gut möglich, dass Tausende vor dem Angriffskrieg Russlands flüchtende Ukrainer zunächst bei ihnen unterkommen werden. Männer zwischen 18 und 60 Jahren werden in der Mehrheit nicht darunter sein – sie müssen auf Anordnung der ukrainischen Regierung für ihr Land kämpfen und dürfen nicht ausreisen.

Indes stehen die Städte in NRW für die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen bereit. Teile der Infrastruktur aus 2015 und 2016, als sich Tausende Syrer auf den Weg nach NRW machten, sind noch vorhanden. Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) stellte in dieser Woche in Aussicht*, feste Flüchtlingsunterkünfte von 2015 wieder zu reaktivieren.

Große Städte in NRW wollen Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen

So haben sich weitere große Städte in NRW bislang zur Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine geäußert (Stand 26. Februar):

  • Köln: Via Twitter schrieb Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Menschen, die durch Krieg vertrieben werden, seien jederzeit willkommen.
  • Düsseldorf: Aufgrund voller Unterkünfte für Flüchtlinge wolle die Stadt zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten anmieten, etwa Hotels. Außerdem sollen die sechs Wohlfahrtsverbände in der Stadt helfen, so die Stadt in einer Mitteilung.
  • Essen: Essens Kapazitäten seien aufgrund anderer Flüchtlinge, etwa aus Afghanistan zwar begrenzt, trotzdem gäbe es noch 850 freie Plätze, die jederzeit aufgestockt werden könnten, so die Stadt gegenüber Radio Essen.
  • Bochum: Die Unistadt hat Donezk in der Ostukraine als Partnerstadt und die Gesellschaft Bochum-Donezk, die seit Jahren humanitäre Hilfe leistet. Offiziell hat sich Bochum noch nicht zur Aufnahme von Flüchtlingen geäußert, zeigt sich aber in einer ersten Stellungnahme besorgt um die Lage.
  • Wuppertal: Die Stadt möchte ukrainischen Flüchtlingen laut einer Mitteilung „schnell helfen“. Sie sucht deshalb Wohnungsangebote und ehrenamtliche Unterstützung.
  • Bielefeld: Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) zeigte sich bereit dazu, Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen, wenn dies erforderlich sei. „Wir können hier in Bielefeld nicht das Weltgeschehen ändern. Aber wir können unsere Solidarität mit den Menschen in der Ukraine ausdrücken“, so Clausen in einer Mitteilung.

Auch NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) zeigte sich offen für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine. Er rechne aber damit, dass der Großteil der Flüchtlinge in Osteuropa aufgenommen werde, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (DPA). „Dennoch werden wir selbstverständlich helfen und sind auch vorbereitet, kurzfristig zusätzliche Aufnahmekapazitäten zu ermöglichen.“

NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp warnt vor Spekulationen um Flüchtlinge aus der Ukraine

Stamp warne aber davor, jetzt öffentlich über Flüchtlingszahlen zu spekulieren. „Jegliche Spekulation ist nicht nur unseriös, sie wird auch von den russischen Medien propagandistisch ausgeschlachtet werden. Daran sollten wir uns nicht beteiligen.“

Zuletzt hatte die US-amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield vor der UN-Vollversammlung in New York gesagt, im Kriegsfall könne es bis zu fünf Millionen ukrainische Flüchtlinge geben.

NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) warnt davor, über die Zahl möglicher Flüchtlinge aus der Ukraine zu spekulieren.

Indes zeigt sich auch der Deutsche Städtetag, angeführt durch Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster, bereit für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir erwarten, dass sich Bund und Länder eng mit den Kommunen abstimmen“, so Lewe in einer Mitteilung.

Und: „Die Städte sind bereit und darauf eingestellt, den betroffenen Menschen Unterkunft und Schutz zu gewähren.“ (Lest hier auch: Krieg in der Ukraine: Wie man auch in NRW mit Spenden helfen kann*)

NRW: Oberbürgermeister von Münster will keine Zahl von Flüchtlingen aus der Ukraine nennen

Gegenüber dem WDR sagte Lewe analog zu NRW-Flüchtlingsminister Stamp, dass es aktuell schwierig sei, abzuschätzen, wie viele Menschen aus der Ukraine nach NRW flüchten würden. „Man kann keine Zahl nennen im Moment. Es ist eben gerade am Anfang dieses Konflikts; niemand hat erwartet, dass es diesen Großangriff geben würde“, so Lewe. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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