Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Beim TuS Holzhausen/Porta (Porta Westfalica) aus der Kreisliga A bei Bielefeld ist es zu einem Nazi-Skandal gekommen – ein 13-Sekunden-Video mit „Sieg-Heil“-Rufen ist aufgetaucht. Klub und andere Vereine im Amateurfußball in Ostwestfalen haben reagiert – doch die Reaktion des Sponsors entsetzt.

  • In der Kabine beim TuS Holzhausen/Porta haben Spieler „Sieg Heil“ gerufen.
  • Verein, andere Klubs und Verband reagieren bestürzt.
  • Der Verein hat die 1. Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet.

„Sieg Heil“-Rufe in der Kabine? Vorsitzender des TuS Holzhausen/Porta ist fassungslos

Update, (Montag 9. September), 15 Uhr: Der Verein Tus Holzhausen/Porta hat die 1. Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückgezogen und reagiert damit auf den Nazi-Skandal um das Video aus der Kabine. Mittlerweile ermittelt auch der Staatsschutz in dem Fall.

In einem offiziellen Statement gab der Verein bekannt, dass sowohl Trainer als auch Mannschaft die Vorfälle bedauern und sie sich zu demokratischen Werten bekennen würden. Trotzdem: Der TuS Holzhausen/Porta wird im regulären Spielbetrieb mit der 1. Mannschaft nicht mehr antreten.

Erstmeldung, (Donnerstag 5. September): Fußballer haben in der Kabine „Sieg Heil“ gerufen und dabei den Aufstieg gefeiert. Das Video (13 Sekunden) kursierte erst vor gestern (4. September) durch die Fußballszene in Ostwestfalen rund um Bielefeld. Nun drohen ernsthafte Konsequenzen.

Wie das Mindener Tageblatt heute berichtet, soll es sich bei dem Video offenbar um Szenen aus der Kabine nach der Aufstiegsfeier handeln. Es sind „Sieg-Heil“-Rufe zu hören. Allerdings gab es auch kritische Stimmen wie „Jungs, was macht ihr da?“ Das Video kursierte am Mittwoch (4. September) durch die Fußballszene in Ostwestfalen.

Zu einem ähnlichen – aber nicht so drastischen – Fall kam es im Sommer, als Patrick Owomoyela (39) und Norbert Dickel (57) sich bei der Übertragung BVB gegen Udinese Calcio im Wort vergriffen. In der Stadt Dortmund kam es im Mai zu einer kuriosen Aktion gegen Nazis, die für viel Aufsehen gesorgt hat.

Warum der Nazi-Skandal im Video beim TuS Holzhausen/Porta, das auf der Homepage des Mindener Tageblatt zu finden ist, sich erst im September verbreitete, ist nicht bekannt. Die Aufstiegsfeier der Ostwestfalen fand schon im Mai statt.

Matthias Adamkowitsch (Vorsitzender vom TuS Holzhausen/Porta) äußerte sich gegenüber den Mindener Tageblatt bestürzt: „Sie werden aus dem Verein ausgeschlossen.“ Man distanziere sich von diesem Video. So etwas darf und wird nicht wieder vorkommen.

Das Video um den Nazi-Skandal aus der Kabine schockiert – nicht nur Deutsche spielen für den Klub

Das Kuriose an dem Vorfall ist die Zusammensetzung der Mannschaft und das der Zeitpunkt der Verbreitung des Videos. Adamkowitsch könne es nicht verstehen, da nicht nur Deutsche im Klub spielen. Er vermute zudem, dass jemand dem Klub den aktuellen Erfolg nicht gönne und ihm dementsprechend schaden wolle.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eingeleitet. Die Stadt Porta Westfalica bei Bielefeld wird sich laut Mindener Tageblatt an Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz wenden und zudem Gespräche mit dem Verein führen. Die Stadt würde die Rufe der Fußballer als Straftat werten – wegen Volksverhetzung.

Das droht den Amateurfußballern vom TuS Holzhausen/Porta

Die Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell wegen „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Die mögliche Strafe für die beteiligten Amateurfußballer nach dem Nazi-Skandal: drei bis fünf Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe.

Die Fußballszene in Ostwestfalen haben sich in den sozialen Medien gegen Rechts aufgestellt. Zudem würden einige auch über einen Boykott nachdenken. Sie wollen nicht gegen das Team TuS Holzhausen/Porta spielen. Auch Vertreter vom Fußball- und Leichtathletikkreis Minden zeigen sich über den Nazi-Skandal entsetzt.

Nach Nazi-Skandal: Für den Sponsor des Fußballklubs „kann das schon mal vorkommen“

Vor allen Dingen auch über die Reaktion des Sponsors. Ein Sprecher der Firma RWS Baustoff-Recycling GmbH (Trikotsponsor) äußerte sich über das Skandal-Video. Man stehe weiter zum Verein und sehe es tolerant. „Die Jungs haben an dem Tag schön gefeiert. Das kommt immer mal vor“, so ein Sprecher gegenüber dem Mindener Tageblatt.

In einer anderen Kreisliga in Olfen zwischen Dortmund und Münster ist ein Kreisligaspiel zu einer Massenschlägerei eskaliert. Ein Anwesender die Tumulte nach der Partie Westfalia Vinnum gegen Herta Recklinghausen in einem Video festgehalten. Jetzt droht dem Klub sogar ein Ausschluss.

Was wirklich in einer Kabine abgehen sollte, hat der Amateurfußballklub FC Dortmund 2018 im Februar vorgemacht. Das Video hat es sogar zu Zeiglers Wunderbare Welt des Fußballs geschafft. Zudem dürfte sich die Fußballszene im Ruhrgebiet stets über die Äußerungen von Legende Thorsten Legat freuen, der aktuell beim TuS Bövinghausen aktiv ist.