Bei Mundschutz-Kontrolle

Erneut Aufregung um offenbar inszenierten Coronavirus-Eklat in Kaufland-Supermarkt - Schläger kehrt zurück

Die Polizei ist sich sicher: Die Eskalation in einem Supermarkt in Troisdorf ist von Corona-Kritikern inszeniert gewesen.
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Die Polizei ist sich sicher: Die Eskalation in einem Supermarkt in Troisdorf ist von Corona-Kritikern inszeniert gewesen.

Eine Attacke auf Polizisten bei einer Kontrolle in einem Kaufland-Supermarkt in Troisdorf/NRW war von Corona-Kritikern inszeniert - so die Polizei.

  • In Troisdorf bei Bonn (NRW) ist es in einem Supermarkt zu einer Schlägerei gekommen, in der zwei Polizisten involviert und schwer verletzt wurden.
  • Zuvor hatte es eine Kontrolle der Polizei gegeben, weil zwei Männer keine Mund-Nase-Bedeckung getragen hatten.
  • Ein Video des Vorfalls sorgte danach für Empörung.

Update, Freitag (15. Mai), 19.15 Uhr: Troisdorf/NRW - Nach der Auseinandersetzung in einem Troisdorfer Supermarkt mit zwei verletzten Polizisten soll einer der Verdächtigen Tage später in das Geschäft zurückgekehrt sein und einen Mitarbeiter beleidigt haben. Polizei und Staatsanwaltschaft in Bonn ermitteln nach Angaben vom Freitag (15. Mai) nun auch in diesem Fall.

Demnach soll der 37-Jährige am Freitag wieder in dem Supermarkt aufgetaucht sein und dort einen Angestellten, der bei der Auseinandersetzung am vergangenen Samstag als Zeuge dabei war, beleidigt haben. Dann sei der Mann wieder abgezogen. Die Supermarkt-Mitarbeiter erstatteten daraufhin Anzeige.

Zuletzt hat es im Kreis Unna einen ähnlichen Vorfall gegeben: Ein Mann prügelte in einem Supermarkt in Bergkamen auf eine Angestellte ein, weil sie ihn auf seinen fehlenden Mundschutz angesprochen hatte.

Erstmeldung, Mittwoch (13. Mai), 21 Uhr: Einsätze wegen Verstößen gegen den Corona-Schutz gibt es für die Polizei immer wieder. Auch renitente Maskengegner gehören dazu. Daher sind die beiden Beamten der Polizei in Troisdorf (NRW) zunächst geduldig, als sie in einem Supermarkt vor einem Gemüseregal von einem Mann (38) ohne Mund-Nasen-Maske angeblafft werden - obwohl er sie gleichzeitig filmt und keinen Ausweis zeigen will. 

Troisdorf/NRW: Situation nach Masken-Kontrolle eskaliert

Plötzlich eskalierte die Situation: Ein anderer Mann (35), der sich die ganze Zeit eingemischt hatte, gerät mit den Beamten aneinander. Schläge, Tritte, Schreie - am Ende sind beide Polizisten schwer verletzt. Schnell vermuten die Ermittler: Die Provokation der beiden Männer war geplant. Die Beamten liefen wohl in eine Falle.

Im Fall von zwei in einem Supermarkt schwer verletzten Polizisten sind am Mittwoch (13. Mai) die Wohnungen von zwei Verdächtigen in Bonn und Troisdorf durchsucht worden.

Am Mittwoch (13. Mai), vier Tage nach dem Eklat im Supermarkt, durchsucht die Polizei - unterstützt von vermummten und bewaffneten Beamten - die Wohnungen der beiden Männer in Troisdorf und Bonn. Sie suchen nach Beweisen, um die offensichtlich geplante Aktion rekonstruieren zu können. In Troisdorf finden die Polizisten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine Bodycam und Schlagwaffen.

Einiges deutet darauf hin, dass mindestens einer der beiden Männer Bezüge zur Reichsbürgerszene hatte oder hat. Das Video des Vorfalls tauchte unmittelbar nach der Aktion im Internet und im Messenger-Dienst Telegram auf, in dem sich zurzeit auch viele Corona-Skeptiker tummeln - etwa auch Promi-Koch Attila Hildmann. In einem mehr als fünfminütigen Video, aus einer Körperkamera des Maskenverweigerers gedreht, hört man Sätze wie "Ich bin ein Mensch, ich brauche keinen Personalausweis (...) Ich bin Mensch und Souverän."

Troisdorf: Schlägerei im Supermarkt geht Diskussion über Maskenpflicht voraus

Der zweite Mann, der zunächst auch keine Maske trug und sich dann mit Tuch vor dem Mund als Übersetzer ausgab, drohte sogar: Der Andere sei ein "souveräner Mensch" und werde sich mit allen Mitteln verteidigen, falls die Beamten ihm Schaden zufügten. 

Auch die Wortwahl ähnelt der sogenannter Reichsbürger, die den Staat als Instanz ablehnen. Die Ermittlungen zu dem Fall wechselten inzwischen zum Staatsschutz in Bonn.

Am Mittwoch dann die Razzien. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden mutmaßliche Beweismittel gesichert, über die man aber noch nichts Genaueres sagen könne. Ob die beschlagnahmte Kamera die aus dem Supermarkt in Troisdorf ist, blieb zunächst offen. Die Bilder aus ihr erschienen schon online, als die Verdächtigen noch im Verhör waren. Mutmaßlich hatten sie Komplizen. Zudem wurde die Szenerie noch aus anderen Perspektiven gefilmt.

Nach Supermarkt-Attacke in Troisdorf: Razzia in Bonn

Wie Bild.de und WDR am Mittwoch berichten, tauchte einer der Männer während der Razzia an seiner Wohnung in Troisdorf auf. Der Bonner sei nicht daheim gewesen. Einer der Männer ist laut Staatsanwaltschaft Osteuropäer - woher genau er stammt, blieb unklar. Der andere habe eine doppelte Staatsbürgerschaft: deutsch-osteuropäisch. In dem Video wechselt der Mann ohne Maske zwischen Deutsch und Russisch.

Die beiden verletzten Polizisten - einer mit mehreren Brüchen im Gesicht - waren am Mittwoch noch immer dienstunfähig. Die Tatverdächtigen blieben zunächst auf freiem Fuß. Gegen sie wird laut Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte ermittelt. Für Untersuchungshaft fehlen laut Polizei jedoch die Gründe. Der Verdächtige, der in Troisdorf angetroffen wurde, durfte nach der erkennungsdienstlichen Behandlung bei der Polizei am Mittwochnachmittag wieder gehen.

Video: Verschwörungstheorien zum Coronavirus

Der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW, Michael Maatz, sagte der dpa über den Eklat im Supermarkt: "Dieser Vorfall ist ein Skandal. Dass die beiden Polizeibeamten offensichtlich in eine Falle gelockt und schwer verletzt wurden von Menschen, die die Corona-Krise politisch ausschlachten wollen, ist nicht tolerierbar." mit dpa-Material

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