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In Roetgen in der Eifel wütete am Mittwoch (13. März) ein Tornado und zerstörte 30 Häuser. Eine Person wurde leicht verletzt. Auch am Pfingstmontag könnte es in Ostdeutschland zu Tornados kommen. Einige Medien sprechen auch von einem mutmaßlichen Tornado – dabei lassen die Bilder keine Zweifel daran, dass es tatsächlich ein Tornado war. Kurze Zeit später tobte auch ein Tornado über Rheinland-Pfalz.

Wir haben mit dem Meteorologen Helge Tuschy vom Deutschen Wetterdienst (DWD) über das seltene Naturspektakel gesprochen.

RUHR24: Was ist gestern in der Eifel passiert – war das tatsächlich ein Tornado? 

Tuschy: Ja genau, das war zweifellos ein Tornado. Mehrere Videos und auch unsere Radardaten zeigen, dass eine Tornado durch die Region gezogen ist. Wie schnell der Tornado war und welche Strecke er zurückgelegt hat, kann man bislang noch nicht genau sagen. Durch den hügeligen Bereich in der Eifel konnte unser Radar den Tornado nur schwer erfassen. Wir haben eine Tornadogruppe, die nun genauere Analysen anstellt.

Wie häufig sind Tornados in Deutschland?

Sie sind gar nicht so selten, wie man vielleicht vermuten würde. 2017 gab es 28 bestätigte Fälle, 2016 waren es 62 und 2015 waren es 41 bestätigte Fälle. Die Zahlen schwanken hier sehr stark. Grob gesagt gibt es etwa 50 Tornados pro Jahr. Hinzu kommen noch die Verdachtsfälle, die letztendlich nicht bestätigt wurden.

Nehmen die Tornados in Deutschland zu?

Nein, das kann man nicht sagen. Das würde auch einen zunehmenden Trend bei Gewittern bedeuten. Der ist nicht vorhanden. Wie man anhand der Zahlen erkennen kann, ist ein Trend nicht absehbar. Auch ein Zusammenhang zwischen einem Tornado und dem Klimawandel hat sich bisher nicht bestätigt.

Was hat das mit Gewittern zu tun – was passiert bei einem Tornado?

Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Wir haben unterschiedliche Windgeschwindigkeiten und unterschiedliche Windrichtungen in den Regionen. Wenn dieser Wind in Verbindung mit einem Gewitter steht, kann es dann zu einem Tornado kommen.

Bedeutet das, dass ein Gewitter immer zwangsläufig mit einem Tornado zusammenhängt?

Nein nicht unbedingt. Ein Tornado ist in unserer Region ein seltenes Ereignis, aber wenn er auftritt, dann häufig im Zusammenhang mit Gewittern.

Was kennzeichnet einen Tornado?

Im Unterschied zum Sturmböen, die flächendeckend auftreten, entsteht beim Tornado eine Art Rüssel oder Schlauch, der auch Bodenkontakt bekommen kann, wie es am Mittwoch der Fall war. Ein Tornado ist immer extrem lokal und dauert meistens nur wenige Minuten an. Er hat einen Durchmesser von wenigen dutzend Metern bis hin zu ein paar hundert Metern.

Gibt es verschieden starke Tornados?

Ja dafür gibt es eine Skala. Die Tornados werden in Stufen von 0 bis 5 unterteilt. Ein schwacher Tornado bringt 60 bis 70 Stundenkilometern mit sich. Dann geht es stufenweise nach oben. Ein extrem starker Tornado kann Windgeschwindigkeiten zwischen 400 und 500 km/h aufbringen. Bei dem Pforzheim-Tornado am 10. Juli 1968 gab es Windgeschwindigkeiten zwischen 330 und 420 km/h. Der Tornado hat damals eine Strecke von 130 Kilometern zurückgelegt.

Draußen gewittert es, der Himmel verfinstert sich. In so einer Situation wird einem ganz mulmig zumute. Wie schütze ich mich, wenn ein Tornado droht?

Wenn es eine Tornadowarnung gibt, dann gilt es Schutz zu suchen. Entweder man hält sich in einem Keller ohne Fenster auf oder man wartet den Tornado geduckt in der Badewanne ab. In jedem Fall sollte man nicht nach draußen gehen.

Welche Warnsignale gibt es bei einem Tornado oder auch bei einem starken Sturm, die ich auch als Laie erkennen kann?

Den Tornado erkennt man an seinem Rüssel oder seiner schlauchartigen Form. Wenn dieser Schlauch sehr stark rotiert, dann ist es ein Tornado. Das Ereignis ist aber sehr kurzlebig. Es ist extrem selten, dass man ihn zu Gesicht bekommt. Es gibt auch immer wieder Verwechslungen mit den Ausströmungen aus dem Kohlekraftwerk, die dem Tornado zum Teil optisch ähneln können.

Ein Indiz für einen Sturm ist ein stetig fallender Luftdruck. Dieser deutet ein Tiefdruckgebiet an. Es hilft aber in jedem Fall, sich auf der Internetseite des Deutschen Wetterdienstes zu informieren. Es gibt nämlich verschiedene Parameter wie Regen, der mit reinspielt und einen Sturm verstärken kann.