Auch Westfleisch und QS involviert

Tönnies: Video soll furchtbare Quälerei von Schweinen zeigen - Fleisch-Unternehmen äußert sich

Ein Video von Tierschützern soll zeigen, wie Schweine für Tönnies leiden müssen. Stimmt so nicht, behauptet das Unternehmen.

Rheda-Wiedenbrück – Erneut liegen dem Deutschen Tierschutzbüro erschütternde Videos aus Schweinemastbetrieben in Niedersachsen vor, die an Tönnies liefern sollen. Zu sehen sind Schweine, die unter Qualen verenden und schwere Verletzungen aufweisen. Die Videos, mit denen die Tierschützer am 2. Dezember an die Öffentlichkeit gingen, sollen aus Betrieben stammen, die nicht nur Tönnies, sondern auch Westfleisch beliefern.

UnternehmensgruppeTönnies Holding (Fleischverarbeitung)
SitzRheda-Wiedenbrück
Umsatz7,5 Milliarden EUR (2019)

Tönnies: Video zeigt Tierquälerei und ist nicht das erste seiner Art

Besonders für Tönnies ist das Videomaterial ein Problem: Bereits der Corona-Ausbruch im Juni und der erneute Ausbruch im Oktober 2020 brachte das Unternehmen in Verruf. Damals drang an die Öffentlichkeit, unter welchen verheerenden Bedingungen die Mitarbeiter in den Schlachtereien arbeiten müssen. Dann, ebenfalls im Sommer dieses Jahres, musste der Konzern sich bereits wegen eines anderen Video verantworten. Auch dieses Video zeigte die elenden Zustände der Schweine in Tönnies-Zulieferbetrieben. Und nun erneut ein Skandal-Video?

Der Tierschutz ist in der Massentierhaltung, auch in der Hühnerfleisch-Produktion, ein Problem. Dieser Umstand ist kein Geheimnis und wird von Tierschutzvereinen wie dem Deutschen Tierschutzbüro immer wieder angeprangert. Allerdings: Der Erfolg von Fleischkonzernen wie Tönnies ist unauflöslich mit der Massentierhaltung verknüpft. Nach Angaben des Unternehmens produziert Tönnies jeden Tag 850 Tonnen Fleisch. Dafür lässt der Konzern jedes Jahr rund 21 Millionen Schweine schlachten, viele davon in Zuliefererbetrieben, denen Tönnies die geschlachteten Tiere abkauft.

Bereits mehrere Videos aus Zuliefererbetrieben von Tönnies

Genau aus solchen Zulieferbetrieben sollen nun auch die verstörenden Videos stammen. Laut Deutschem Tierschutzbüro stammt das Videomaterial aus zwei Schweinemastbetrieben in Ohne und Samern in Niedersachsen. Beiden Mastbetrieben nahm Tönnies in der Vergangenheit Schweine ab. Zwar schränkt der Konzern ein, dass die Betriebe keine Lieferverträge mit Tönnies hätten, doch einzelne Tiere seien von den Landwirten an Tönnies geliefert worden.

Aus dem einem der umstrittenen Betriebe seien insgesamt „weniger als 5 Prozent der von diesem Landwirt erzeugten Tiere“ an Tönnies geliefert worden, erklärt das Unternehmen in einer Stellungnahme. Auch von dem anderen in den Videos gezeigten Betrieb gingen nur „sporadisch“ Lieferungen an Tönnies. Stattdessen seien die Hauptabnehmer andere gewesen. Man wolle daher nicht „für die Fehler anderer gerade stehen“, so das Unternehmen.

Tatsächlich seien laut der Tierschützer auch Westfleisch, Goldschmaus, Tümmel und VION benachrichtigt worden. Selbst QS, welches das gleichnamige Prüfzertifikat vergibt, soll involviert sein. Beide Mastanlagen tragen laut Tierschutzbüro das QS-Qualitätssiegel.

Lieferung an Tönnies aus umstrittenen Schweine-Betrieben

Die Aufnahmen, um die es aktuell geht, sollen in den letzten Wochen, also im Oktober und November 2020 entstanden sein. Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros, spricht von „Höllenqualen“ die die Tiere in dem Zulieferbetrieb von Tönnies offenbar erleiden mussten. Ein todkrankes Schwein sei in dem Betrieb in Samern zum sterben vom Landwirt einfach in den Zwischengang gelegt worden. Ohne Zugang zu Trinkwasser oder Futter, berichtet auch wa.de.

Eins der eher harmlosen Bilder aus der Schweinemast in Niedersachsen, die Tönnies beliefert.

Erst nach mehreren Tagen habe es der Landwirt mit einer Nottötung versucht – die allerdings misslang. So soll das Tier einen Bolzen in den Kopf geschossen bekommen haben, was das Schwein jedoch nicht tötete. Trotzdem soll der Landwirt das Tier sich selbst überlassen haben, sodass es „jämmerlich starb“, erklärt Peifer.

Ähnliches soll auch in dem Örtchen Ohne vonstattengegangen sein. Das Video zeigt Schweine mit blutenden und eiternden Verletzungen. „Es hing der halbe Darm aus dem Tier heraus.“, so Peifer. Zudem sollen die versteckten Kameras in dem Betrieb dokumentiert haben, dass einigen schwerkranken Tieren mehrere Tage lang nicht geholfen worden sei.

Vierter Fall von Tierquälerei bei Tönnies-Zulieferern, sagen Tierschützer

Erst dann soll ein Veterinär die Nottötung angeordnet haben, die dann abermals erst drei Tage später erfolgte und auch in diesem Fall dem Landwirt nicht gelang. Mit einem Gewehr soll der versucht haben, das Schwein zu töten. Verletzt, aber nicht getötet, lief das Schwein offenbar in Panik davon und verendete später Qualvoll.

Die Filmaufnahmen waren dem Deutschen Tierschutzbüro am 19. November zugespielt worden. Kurz darauf sei das zuständige Veterinäramt von den Tierschützern informiert worden. Anschließend stellten die Tierschützer Strafanzeige gegen die Landwirte.

„Das ist jetzt der vierte Fall von Tierquälerei innerhalb der letzten vier Monaten bei Tönnies-Zulieferern“, erklärt Peifer in Hinblick auf die aktuellen Videoaufnahmen. Nutzhaltung funktioniere eben nur mit Tierquälerei, ergänzt der Tierschützer. Das sollte jeder endlich anerkennen.

Tönnies nahm keien Schweine ab, die wie im Video qualvoll verendeten

Tönnies hält jedoch dagegen: Die in dem Video gezeigten Schweine, welche laut Tierschützer qualvoll verendeten, krank oder schwer verletzt waren, seien nicht an das Fleischunternehmen geliefert worden. Solche Tiere würden durch Veterinäre in der eigenen Qualitätskontrolle „zwingend beanstandet“, so Tönnies. Verstöße gegen den Tierschutz jeglicher Art seien für das Unternehmen inakzeptabel. 

Tatsächlich beendete das Unternehmen aufgrund eines ersten Videos aus dem Sommer 2020 die Zusammenarbeit mit dem damals beschuldigten Landwirt. Bei dem im Juli 2020 gezeigten Betrieb waren die Zustände offenbar so gravierend, dass selbst das zuständige Veterinäramt eine Strafanzeige stellte.

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