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Tönnies: Rapper aus NRW nimmt „Fleisch-Papst“ auseinander

Der Rapper Deezel aus Rheda-Wiedenbrück will mit seinem Song „Der König der Schweine“ auf die dunkle Seite hinter Tönnies aufmerksam machen. Im Netz ist das Lied bereits ein Hit.

Rheda-Wiedenbrück – „Ich bin der König der Schweine. Ich will es für mich alleine. Ich kehr‘ die Schweinereien in mein‘m Schlachtbetrieb unter‘n Tisch und drücke die Preise. Auf die ander‘n nehm‘ ich keine Rücksicht“, rappt der Musiker Deezel, der bürgerlich René Benzin heißt, in seinem Song „Der König der Schweine“. Darin prangert er das Fleischunternehmen Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück und Geschäftsführer Clemens Tönnies* (65) scharf an. RUHR24* hat mit ihm gesprochen.

Unternehmen Tönnies Holding
Umsatz7,5 Milliarden EUR (2019)
HauptsitzRheda-Wiedenbrück
Gründung1971

Rapper Deezel aus Rheda-Wiedenbrück schießt in Song gegen „Schweinepriester“ Tönnies

Dass sich Rapper in ihren Texten nicht den Mund verbieten lassen und mit ihrer Wortwahl nicht selten manchem Zuhörer die Schamesröte ins Gesicht treiben, ist im Jahr 2022 nichts Neues. Auch der Rapper Deezel aus Rheda-Wiedenbrück nimmt in seinem „Tönnies-Diss“ namens „Der König der Schweine“ kein Blatt vor den Mund und schießt scharf gegen den umstrittenen Fleischmogul aus seiner Heimatstadt.

In dem Song kritisiert er unter anderem die Arbeitsbedingungen im Tönnies-Werk, das Verhalten von Tönnies-Chef Clemens und das durch Massentierhaltung verursachte Leid der Tiere (mehr News aus NRW* auf RUHR24 lesen).

So rappt René Benzin aka Deezel in seinem Hit-Song, zu dem es auf YouTube auch ein eigenes Musikvideo gibt, unter anderem etwa: „Das Vieh muss sterben und ich will dem folgen für das Cash, auch wenn es mir genetisch nah ist. Nonstop versorgen aus den Hinterhöfen Vermittlerfirmen mich mit Werksarbeitern. Die Opfer schieben 10 Stunden Schichten zu ihr‘n Billiglöhnen und ich werde reicher.“

Tönnies nicht erst seit Corona-Ausbruch 2020 in der Kritik: Arbeitsbedingungen und Tierleid

Der Fleischmogul Tönnies war im Jahr 2020 außerdem besonders aufgrund eines massiven Corona-Ausbruchs in die Schlagzeilen geraten. Der Corona-Ausbruch im Tönnies-Werk* war es damals auch, der René Benzin zu seinem Song inspirierte.

„Die Entscheidung, das Thema in einen Song zu verarbeiten, traf ich quasi direkt an dem Tag, als der große Coronavirus-Ausbruch im Tönnieswerk Ende Juni 2020 publik gemacht wurde und der Skandal derartige Wellen schlug, dass Rheda-Wiedenbrück sogar in den New York Times auftauchte“, so der Musiker zu RUHR24.

Benzin, der selbst seit zwei Jahren vegetarisch lebt, liegt das Thema „Tönnies“ aber nicht nur aufgrund seines Heimatorts am Herzen. „Damit das Unternehmen seine Firmenkultur ändert, muss der Druck vonseiten der Öffentlichkeit und Politik stärker werden“, so der Rapper zu RUHR24.

Benzin erhoffe sich durch den Song, dass „der ein oder andere durch das Video doch noch etwas mehr ins Grübeln kommt und ich damit zumindest einen winzig kleinen Beitrag zum Bewusstsein für das Thema beitragen kann.“

Tönnies in Rheda-Wiedenbrück: So profitiert die Stadt auch vom Fleischunternehmen

Ihm selbst sei das Fleischunternehmen Tönnies seit seiner Kindheit ein Begriff gewesen. „Das makabere Tönnies-Logo, der vermeintlich glücklichen Tiere, die sich anscheinend auf ihre Schlachtung freuen“ und „die festungsähnlichen Mauern, die das Geschehen im Inneren perfekt von der äußeren Welt abschotten und keinen Hinweis darauf hinterlassen, was sich tatsächlich in dem Werk abspielt“ seien in der Stadt in Ostwestfalen allgegenwärtig.

Trotz aller Kritik sei sich Deezel auch der Vorzüge des Fleisch-Giganten für die Stadt im Kreis Gütersloh bewusst: „Als Jugendlicher habe ich auch den von Tönnies finanzierten Skaterpark sehr willkommen geheißen und mit Sicherheit schon einige Stunden auf den von Tönnies gesponserten Bänken in der Flora verbracht.“, so René Benzin zu RUHR24.

Das Tönnies-Logo, fotografiert während des Corona-Ausbruchs 2020.

Rapper Deezel veröffentlicht auf Youtube Song über Tönnies: So kommt „Der König der Schweine“ an

René Benzin beschäftigt sich seit seiner Pubertät mit Rap und hat nach eigenen Angaben schon während des Abiturs erste Mixtapes veröffentlicht. Nebenbei ist er Mitglied der Crossover Band ‚‚Greyvity‘‚ mit der er 2018 ein Album veröffentlicht hat. Seit der Corona-Pandemie konzentriert er sich jedoch wieder auf sein Solo-Projekt und beendet derzeit sein Debutalbum, welches 2022 erscheinen soll.

Die Reaktionen, die Benzin auf den Song „Der König der Schweine“ und das dazu passende Musikvideo auf YouTube erhalten hat, seien „fast überwältigend positiv“. Auf YouTube wurde das Video bereits über 3000 Mal angeklickt. In den Kommentaren lassen sich Nachrichten finden wie „Geiler Text, heftiger Beat und ein gelungenes Video“ oder auch „Danke Deezel, dass du unser Denken bereicherst.“  

Rapper Deezel nimmt Diss-Track „König der Schweine“ auf: Tönnies nur „Spitze des Eisbergs“

Überrascht hat den Rapper auch die Reaktion älterer Generationen. Diese hätten sich „trotz der sehr provokanten, expliziten Bildsprache, mir gegenüber positiv geäußert. Mit Sicherheit zeigt sich anhand dessen auch, welche Abneigung ein großer Teil der Bevölkerung Rheda-Wiedenbrücks mittlerweile gegen das Unternehmen entwickelt hat“, so René Benzin.  

Dennoch sei ihm auch wichtig zu betonen, dass „das Unternehmen Tönnies wenn überhaupt nur die Spitze des Eisbergs (ist). Es als das inkarnierte Böse zu betrachten und Clemens Tönnies als Verursacher aller deutsch-europäischen Missstände in Verbindung mit der Fleischindustrie, würde das Problem zu sehr vereinfachen. Die Fleischindustrie ist ein von der ersten bis zur letzten Station komplett kaputter Wirtschaftszweig.“ Eine Bitte um Stellungnahme dieser Redaktion hat das Unternehmen Tönnies bislang nicht beantwortet. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Neundorf/Kirchner-Media

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