Corona-Krise

Nebenjob bei Tönnies: Urteil über Kündigungen gefallen

Vier Mitarbeiter einer Firma wurden fristlos entlassen. Grund ist offenbar, dass die Männer einem Nebenjob bei Tönnies im Kreis Gütersloh (NRW) nachgegangen sind. Nun entschied das Amtsgericht in Bielefeld.

Update: 3. Dezember, 09.25 Uhr. Das Amtsgericht in Bielefeld hat entschieden: Die Kündigungen, die ein Autozulieferer seinen Mitarbeitern gegenüber aussprach, sind unwirksam. Zumindest hat das Gericht schon über zwei der vier Fälle geurteilt. Die weiteren Entscheinungen stehen noch aus.

Der Fall kam ans Licht, da ein Lagerarbeiter und allein erziehender Vater, sich einen Nebenjob als Reinigungskraft bei Tönnies im Kreis Gütersloh suchte. Nach dem massiven Coronaausbruch in dem Schlachtbetrieb musste sich der Mann in Quarantäne begeben. Der Arbeitgeber befürchtete die Ansteckung seiner Belegschaft mit dem Coronavirus und entließ insgesamt vier Mitarbeiter fristlos.

Da die Arbeitsverträge jedoch dadurch nicht fristgerecht aufgelöst wurden, sah das Amtsgericht die Kündigung als unwirksam an und erlegte dem Autozulieferer auf, die Männer zu den bisherigen Bedingungen weiter zu beschäftigen.

Corona bei Tönnies: Gericht soll über Kündigungen entscheiden

Erstmeldung. Gütersloh/Bielefeld – In diesem Jahr standen die Arbeitsbedingungen bei Europas größtem Schlachtbetrieb Tönnies vermehrt in der Kritik. Diese kamen ans Tageslicht, nachdem in dem Tönnies-Werk ein Massenausbruch des Coronavirus bekannt wurde, der sogar für einen lokalen Lockdown im Kreis Gütersloh führte*.

Nun könnte die Corona-Krise noch ganz andere Auswirkungen auf die Mitarbeiter von Tönnies haben. Denn vier Männern wird der Ausbruch in dem Schlachtbetrieb nun zum beruflichen Verhängnis. Ihr Arbeitgeber hat sie fristlos entlassen, wie owl24.de* berichtet.

Kreis Gütersloh
Einwohner364.938
LandratSven-Georg Adenauer

Kreis Gütersloh: Arbeit bei Tönnies als Kündigungsgrund?

Konkret geht es um vier Mitarbeiter eines Autozulieferers aus Bielefeld. Diese hatten sich in der Corona-Krise Nebenjobs als Reinigungskräfte bei Tönnies im Kreis Gütersloh* gesucht. Der massive Corona-Ausbruch führte dazu, dass die Nebenbeschäftigung auffiel. Daraufhin mussten sich die vier Mitarbeiter in Quarantäne begeben und wurden gleichzeitig fristlos entlassen. Zu groß war die Angst des Arbeitgebers vor dem Coronavirus.

Nun klagen die vier Männer vor dem Amtsgericht in Bielefeld gegen das Vorgehen ihres ehemaligen Arbeitgebers. Dieser argumentiert, dass er einen immensen wirtschaftlichen Schaden befürchten musste, sollten die Mitarbeiter weitere Angestellte mit dem Coronavirus infizieren. Die Kläger argumentieren, dass sie bei ihrem letzten Arbeitseinsatz bei Tönnies im Kreis Gütersloh keine anderen Mitarbeiter angetroffen hätten. Die Entscheidung des Gerichts steht noch aus.

Tönnies-Geschäftsführer Clemens Tönnies.

2020: Ein hartes Jahr für Tönnies aus dem Kreis Gütersloh

2020 wird vermutlich als das turbulenteste Betriebsjahr in die Geschichte des Tönnies-Konzerns eingehen. Durch den Corona-Massenausbruch wurden nicht nur die dubiosen Arbeitsstrukturen in der Fleischindustrie publik, die sowohl die Politik, als auch den Verbraucher gegen die Schlachtbetriebe aufbrachten. Hinzu kam, dass eine RTL-Reportage aufdeckte, wie schlecht die Mitarbeiter bei Tönnies teilweise behandelt werden*.

All dies führte dazu, dass Clemens Tönnies von seinem Vorstandsposten bei Schalke 04 zurücktrat. Darüber hinaus wurde im September ein Brandsatz entdeckt, der unweit seiner Privatvilla in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) deponiert war. In dem Fall ermittelt der Staatsschutz und es konnten mittlerweile zwei dringend tatverdächtige Personen festgenommen werden. Doch all das scheint den Schlachtbetrieb nicht von seinem Kerngeschäft abzuhalten: Seit Mitte November schlachtet Tönnies wieder 175.000 Schweine pro Woche und hat damit beinah wieder das Niveau von vor der Corona-Krise erreicht. (*Owl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.)

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