Wahl in Thüringen

Fassungslosigkeit in NRW nach Thüringen-Wahl - AfD stimmt für FDP-Kandidaten

Nach der Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) in Thüringen soll sich Armin Laschet (CDU) einschalten, fordern Parteien aus NRW.
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Nach der Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) in Thüringen soll sich Armin Laschet (CDU) einschalten, fordern Parteien aus NRW.

Die Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen hat für einen Aufschrei gesorgt. Am Mittwoch wurde FDP-Kandidat Thomas Kemmerich gewählt - mit Stimmen der AfD.

Erfurt/Düsseldorf - Bodo Ramelow (Linke) ist nicht länger Ministerpräsident von Thüringen. Stattdessen ist im dritten Wahlgang der FDP-Kandidat Thomas Kemmerich knapp gewählt worden. Und das ausgerechnet mit Stimmen der AfD.

Thüringen: AfD stimmt für Kandidaten der FDP

Die Wahl hat bundesweit für einen Aufschrei gesorgt. Denn Kemmerich hatte sich mit 45 Stimmen und damit nur einer Stimme Mehrheit gegen Ramelow durchsetzen können. Dabei hatte im letzten Wahlgang offenbar auch die AfD geschlossen für den neuen Ministerpräsidenten von Thüringen gestimmt. 

Damit ist er der erste Ministerpräsident, der mit Stimmen der teilweise rechtsextremen Partei gewählt wurde. AfD-Landesvorsitzender in Thüringen ist Björn Höcke, der seit einem Urteil im September 2019 als Faschist bezeichnet werden darf.

Bereits bei seiner Antrittsrede am Mittwochnachmittag kam es zum Eklat. Unter höhnischen Rufen unter anderem von den Linken hielt Kemmerich mit zitternden Händen seine Ansprache. Dabei sagte er, dass "die Brandmauern zwischen den Extremen" weiter bestehen bleiben werden.

Wahl in Thüringen sorgt für Entrüstung - auch in NRW

Noch ist jedoch völlig unklar, wie Kemmerich regieren will. Er hatte den anderen Fraktionen die Zusammenarbeit angeboten. Die SPD reagierte jedoch entrüstet und räumte bereits ihre Büros. Dass "AfD-Politik" gemacht werde, schloss der frisch gekürte Ministerpräsident jedoch aus.

Die Wahl schlägt mittlerweile Wellen bis nach NRW. Die Grünen sprechen von einem "Dammbruch" und fordern NRW-Ministerpräsident und stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Armin Laschet zum Handeln auf: "Vermeintlich bürgerliche Parteien sind mithilfe der rechtsextremen AfD an die Macht gelangt. Thomas Kemmerich muss sofort zurücktreten", fordern sie in einer Stellungnahme.

Demonstration nach Ministerpräsidentenwahl in Thüringen.

Laschet habe einmal gesagt, der Feind stehe Rechts. Stelle er sich nicht gegen die Wahl, seien das nur leere Worte gewesen, so die Grünen.

NRW-SPD spricht nach Wahl von FDP-Ministerpräsident von "Tabubruch"

Auch die SPD in NRW zeigt sich schockiert und spricht von einem "Erdrutsch" und "Tabubruch". Sie werfen der FDP Verantwortungslosigkeit vor. Auch FDP und CDU hätten in Thüringen gegen die AfD zusammenstehen müssen. "Wer das nicht versteht, hat aus der Geschichte nicht gelernt", schreibt die SPD auf Twitter.

Die AfD genießt den vermeintlichen Wahlsieg hingegen sichtlich. Beatrix von Storch, stellvertretende Bundesfraktionsvorsitzende der AfD, twitterte: "Alt-Stalinisten abgewählt". Alice Weidel vom Bundesvorstand dankte der AfD-Landtagsfraktion für "das Schmieden einer bürgerlichen Allianz".

Prominente zeigen sich schockiert vom Wahlergebnis in Thüringen

Zudem haben bereits einige Prominente Stellung zu der Wahl in Thüringen genommen. Moderator und Satiriker Jan Böhmermann verging das Lachen. Er kommentierte knapp: "Widerlich. Ein Zivilisationsbruch."

Auch Ex-Schalke-Profi Hans Sarpei gab seine Einschätzung ab: "Ein trauriger Tag für Deutschland. Das erste Mal seit dem Krieg helfen Nazis einem Ministerpräsidenten ins Amt. Ich bin sprachlos."