Nach Erfolg in Aachen und Münster

NRW: Tempo 30 in Innenstädten – nächste Stadt will Regel durchsetzen

Eine Straße in Bonn und ein Tempo 30-Schild
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In einer weiteren NRW-Stadt sollen Autofahrer innerorts bald nur noch 30 km/h fahren dürfen.

Das Tempolimit von 30 km/h soll innerorts nun nach Aachen und Münster in einer weiteren NRW-Stadt gelten.

Bonn – Nicht nur bei Autobahnen gibt es immer wieder Diskussionen um ein Tempolimit. Auch innerorts gibt es oftmals Ärger um Raser und die negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Einige Städte haben schon längst die Höchstgeschwindigkeit in und um die City auf 30 km/h beschränkt. Mit Bonn soll nun eine weitere Stadt nachziehen, berichtet RUHR24*.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Tempolimit in NRW: Bonn will gegen Raser und Umweltverschmutzung kämpfen

In der rheinischen Stadt sollen Autofahrer künftig auf die Bremse statt auf die Tube drücken. Bonn ist ab sofort Teil der „Städteinitiative Tempo 30“ und will Modellkommune werden.

Damit folgt sie als NRW-Teilnehmer den Städten Aachen und Münster. Die Mitglieder fordern gemeinsam mit anderen Städten in Deutschland, „mehr Spielraum, um Tempo 30 auch auf Hauptverkehrsstraßen einführen zu können“, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt.

Die Teilnehmer der Initiative wollen die Höchstgeschwindigkeit dort anpassen können, wo sie es „als verkehrlich, sozial, ökologisch und baukulturell angemessen“ erachten. Das ist aktuell nicht einfach. Bislang ist es für Kommunen nicht möglich, die Tempolimits „flexibel und ortsbezogen“ anzuordnen, schildert die Stadt Bonn in einer Pressemitteilung.

Tempolimit von 30 km/h: Dortmund geht gegen Raser auf dem Wall vor

Das soll sich in Zukunft ändern. Auf den Hauptverkehrsstraßen in der NRW-Stadt soll daher auch eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit für Autofahrer gelten.

In Münster müssen Pkw-Fahrer innerorts bereits seit 2019 „aus Lärmschutzgründen“ im Rahmen eines sogenannten Kurzfristprogramms das Tempolimit von 30 km/h einhalten. Auch im Ruhrgebiet gibt es schon ähnliche Maßnahmen. So dürfen Autofahrer auf dem Wall in Dortmund wegen des Tempolimits zwischen 21 Uhr und 5 Uhr nur noch mit 30 km/h* unterwegs sein. Wer nicht aufpasst, riskiert aufgrund der Blitzer eine saftige Strafe.

Der Dortmunder Oberbürgermeister Thomas Westphal und Polizeipräsident Gregor Lange kämpfen mit harten Mitteln gegen die Raserszene in der City.

In Bonn soll es ebenfalls ein Umdenken geben. „Dass unsere Städte eine Verkehrswende brauchen, findet immer breiteren Zuspruch. Und zwar nicht nur mit Blick auf das Klima, sondern auch konkret zugunsten der Menschen in unseren Städten und die Qualität ihres Lebensumfelds“, erklärt Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne).

Gegen Raser und für die Umwelt: NRW-Stadt will ein Zeichen setzen

Denn die Senkung der Geschwindigkeit soll nicht nur positive Auswirkungen auf die Umwelt haben, sondern auch mehr Sicherheit im Straßenverkehr bieten. Doch es gibt dabei einen Haken.

Unklar ist noch, inwieweit die Pünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel durch das Tempolimit eingehalten werden kann. Schließlich müssen sich Busse dann auch an die maximale Geschwindigkeit von 30 km/h halten. Auch die Auswirkungen auf den Radverkehr sollen untersucht werden. Im Ruhrgebiet ist man schon einen Schritt weiter. In Dortmund nimmt der Ausbau des Radweges auf dem Wall* langsam Gestalt an.

Doch in Bonn zeigen sich die Beteiligten ebenfalls zuversichtlich. „Die Leistungsfähigkeit für den Verkehr wird durch Tempo 30 nicht eingeschränkt, die Aufenthaltsqualität dagegen spürbar erhöht. Und auf die Länge des Straßennetzes bezogen ist Tempo 30 in den allermeisten Städten ohnehin schon längst die Regel und nicht mehr die Ausnahme“, heißt es in der Pressemitteilung von Dienstag (6. Juli).

Tempolimit von 30 km/h in NRW: Schon ab September gültig?

Die Hoffnung der teilnehmenden Städte ruht dabei auf der Bundestagswahl 2021 im September. Durch den neu gewählten Bundestag soll es dann zu einer Gesetzesänderung kommen. Ob der aktuelle NRW-Ministerpräsident den Forderungen zustimmen würde, ist fraglich. Kanzlerkandidat Armin Laschet hat sich bereits gegen ein generelles Tempolimit auf den Autobahnen von NRW ausgesprochen*.

Dafür dürfte es aus anderen Parteien großen Zuspruch geben. So haben „Bündnis 90/ Die Grünen“ immerhin schon für eine Geschwindigkeitsbegrenzung plädiert. Dazu forderte die SPD bereits den Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zum Handeln auf. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.