Neue Ausgabe des Krimis

Münster-“Tatort“: Ist Jan Josef Liefers der Grund für Zensur-Vorwürfe?

Münster-Tatort mit Prahl und Liefers
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Alex Prahl (li.) als Kommissar Frank Thiel und Jan Josef Liefers (re.) als Prof. Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner „Tatort“.

Weil sein Auftritt im „Tatort“ fast gänzlich herausgeschnitten wurde, ist ein Gast-Star mächtig sauer - und wittert plötzlich Zensur bei ARD und WDR.

Münster - Der „Tatort“ aus Münster gehört seit Jahren zu den beliebtesten Ausgaben der Krimi-Sendung - doch die jüngste Ausgabe der Show stand schon vor Ausstrahlung am Sonntagabend (2. Mai) unter keinem guten Stern. Es war der erste Auftritt des Schauspielers Jan Josef Liefers (56) in der Rolle von Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne nach dem #allesdichtmachen-Skandal.

SendungTatort
Erstausstrahlung29. November 1970
Jahr(e)seit 1970
Länge 90 Minuten

„Tatort“ aus Münster 2021: Herausgeschnittene Szene mit Jan Josef Liefers sorgt für Eklat

Aufgebrachte Fans hatten aus diesem Grund schon zuvor auf den sozialen Netzwerken zum Boykott des neuen Münsteraner „Tatorts“ aufgerufen - ohne Erfolg. Mit knapp 14 Millionen Zuschauern zählte die Folge am Sonntag (2. Mai) laut DWDL so viele Zuschauer wie seit Jahren nicht mehr.

Einen Skandal gibt es im Nachhinein dennoch: Weil seine Szenen beinahe komplett aus der Sendung geschnitten wurden, schießt der Rechtsmediziner Dr. Michael Tsokos (54) jetzt scharf gegen ARD und WDR - und äußert sogar Zensur-Vorwürfe.

Münster-“Tatort“ 2021: WDR schneidet Szene mit Dr. Michael Tsokos und Jan Josef Liefers heraus

Ursprünglich war Dr. Michael Tsokos, seines Zeichens Leiter der Rechtsmedizin an der Charité in Berlin, für eine Gastrolle im Münsteraner „Tatort“ engagiert worden - laut eines Berichts von t-online sogar unentgeltlich.

Der Rechtsmediziner habe in der Rolle eines „Professor Thomsen“ laut mehreren Medienberichten einige größere Szenen mit Jan-Josef Liefers für den Münster-“Tatort“ unter Corona-Bedingungen gedreht. Zu sehen war Tsokos am Sonntagabend (2. Mai) jedoch lediglich in einer einzigen Einstellung: als Silhouette.

„Tatort“ 2021 aus Münster: Gast-Schauspieler sauer auf WDR - Zensur-Vorwürfe auf Instagram

Jetzt ist der Gast-Schauspieler mächtig sauer - und wütet auf Instagram gegen ARD und WDR. Dabei erhebt Dr. Michael Tsokos unglaubliche Vorwürfe: „Wo fängt Zensur an?“, beginnt der Rechtsmediziner seinen Beitrag und fährt fort: „Ok, es war keine hohe Schauspielkunst und nicht vergleichbar mit den Hauptdarstellern des Münsteraner Tatorts, aber das ist nicht der Grund.“

Aber warum wurde der Rechtsmediziner überhaupt aus dem „Tatort“ geschnitten? Tatsächlich entschied sich der WDR aus einem bestimmten Grund dafür, die Szene zwischen Jan-Josef Liefers und Dr. Michael Tsokos aus dem Müsteraner „Tatort“ herauszunehmen: Das Duo spielt in der rechtsmedizinischen Serie „Obduktion“ auf TVNOW ebenfalls gemeinsam. Für den öffentlich-rechtlichen Sender offenbar zu nah an der Thematik des „Tatorts“ aus Münster.

„Tatort“ aus Münster: Jan Josef Liefers spielt neben WDR-Produktion auch in neuem TVNOW-Projekt

Für den Rechtsmediziner Tsokos ist die Erklärung aber offenbar ein Unding: „Der Grund ist, dass ich, da ich bei TVNOW mit meiner Serie OBDUKTION Einblicke in die Rechtsmedizin im Privatfernsehen bei einem Streamingdienst gebe, und das auch noch mit Jan-Josef Liefers an meiner Seite, nicht fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen tauge. Im Ernst, das ist die Begründung“, gibt sich der Nachwuchs-Schauspieler auf Instagram wütend.

Weiter zeigt sich der Professor sauer darüber, dass ihm die Entscheidung des WDR nicht „ins Gesicht gesagt wurde, sondern (feige?) hinten rum kommuniziert wurde“ (mehr News über Promis aus NRW bei RUHR24 lesen).

Video: „Tatort“-Dreh in Corona-Zeiten: Eindrücke vom „Münster“-Set

Zensur-Vorwürfe gegen Münster-“Tatort“ von Gast-Schauspieler - WDR bezieht Stellung auf Instagram

Dann erhebt Michael Tsokos jedoch weitere, unglaubliche Vorwürfe gegen ARD und WDR: „Gerade in einer Zeit wie heute, in der potentielle Meinungsmache öffentlich-rechtlicher Sender immer wieder hinterfragt wird (und auch hinterfragt werden muss!), damit die GEZ-finanzierten Sender nicht endgültig zu einer Art Staatsfernsehen verkommen - was wir bekanntlich schon einmal in einem deutschen Staat hatten - halte ich so ein Agieren für gefährlich.“

Schauspieler Jan Josef Liefers hat nach seinen Corona-Aussagen viel Kritik erhalten.

Der WDR hat auf die Vorwürfe des Gast-Schauspielers inzwischen reagiert - und dem Rechtsmediziner auf Instagram den Wind aus den Segeln genommen: „Lieber Dr. Tsokos, lange nach dem Ende der Dreharbeiten für den Münsteraner Tatort „Rhythm and Love“ haben wir durch Zufall erfahren, dass Sie und Jan Josef Liefers für den RTL-Streamingdienst TV Now in einer gemeinsamen Serie auftreten, die das gleiche Umfeld der Rechtsmedizin zeigt wie der Münsteraner Tatort“, so ein Kommentar des WDR auf dem Instagram-Profil von Tsokos.

Weiter erklärt der öffentlich-rechtliche Sender: „Da wir keine Werbung für TV Now machen wollen und dürfen, haben wir die Szene entsprechend gekürzt.“ Dieser Konter hat gesessen.

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