Benzin und Diesel

Forscher aus dem Ruhrgebiet decken auf: Um diese Zeit ist tanken günstiger

Die Preise für Benzin und Diesel sind so hoch wie nie. Um trotzdem Geld zu sparen, sollten Autofahrer zu besonderen Uhrzeiten tanken. Aber wann genau?

Essen – Autofahrer müssen beim Tanken aktuell tief in die Tasche greifen: Die Preise für Benzin und Diesel befinden sich auf einem Allzeit-Hoch. Ein Liter Benzin kostet mittlerweile nicht selten über 1,70 Euro. Der Liter Diesel schlägt mit rund 1,50 zu Buche. Das können viele Autofahrer auf Dauer nicht bezahlen. Doch es gibt einen Trick, wie man trotz steigender Preise Geld sparen kann: zur richtigen Zeit tanken.

UnternehmenADAC
Gründung24. Mai 1903, Stuttgart
Umsatz215 Millionen Euro

Spritpreise auf Rekord-Hoch in Deutschland: Vor einem Jahr war das Tanken noch viel günstiger

Essener Forscher wollen nun herausgefunden haben, wann die Spritpreise in Deutschland im Tagesverlauf am günstigsten sind. Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse hätte nicht passender sein können: Am vergangenen Sonntag (17. Oktober) kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt 1,55 Euro und war damit so teuer wie noch nie.

Selbst die bisherige Höchstmarke von 1,54 Euro, die der Dieselpreis laut ADAC im August 2012 erklommen hatte, wird von dem neuen Wert getoppt. Ein weiterer Vergleich: Im Vorjahres-Oktober lag der durchschnittliche Preis für Diesel laut dem ADAC bei durchschnittlich 1,05 Euro und damit deutlich unter dem diesjährigen Wert.

Benzin und Diesel in Deutschland so teuer wie nie – aber warum ist das aktuell so?

Grund für die steigenden Preise an Deutschlands Tankstellen ist zum einen die aktuell hohe Nachfrage nach Öl und zum anderen die nur langsam steigende Fördermenge in den großen Ölförderländern. Dadurch ist das Angebot an Öl momentan besonders gering, was die Preise weiter steigen lässt. Dazu gilt seit Jahresbeginn die neue CO2-Abgabe in Höhe von 25 Euro pro Tonne, welche die Spritpreise in Deutschland ohnehin sechs bis acht Cent teurer gemacht hat.

Für Autofahrer sind die aktuellen Spritpreise der Horror: Bekamen sie vor einem Jahr für 50 Euro noch über 47 Liter Diesel, sind es in diesem Jahr nur noch knapp über 32 Liter.

Spritpreise unterliegen in Deutschland heftigen Schwankungen, die stärker zugenommen haben

Dazu kommt, dass die Preisschwankungen an deutschen Tankstellen in diesem Jahr weiter zugenommen haben. Bedeutet: Benzin und Diesel kosten im Tagesverlauf extrem oft unterschiedlich viel. Das haben nun auch neue Forschungserkenntnisse eines Essener Forschungsteams um Professor Manuel Frondel bestätigt.

„Mir war zwar bewusst, dass es mehrere Schwankungen tagsüber gibt. Dass diese aber derart zugenommen haben und es nun sogar fünf Preiszyklen sind, hat mich doch sehr überrascht. Viel mehr geht wahrscheinlich gar nicht“, sagt Prof. Frondel vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) gegenüber der WAZ.

Forscher aus Essen wollen herausgefunden haben, wann die Spritpreise am günstigsten sind

2015 sah die Lage noch ganz anders aus: Damals gab es an den Tankstellen lediglich einen Preiszyklus pro Tag. Wie die Forschungsergebnisse des RWI zeigen, sanken die Spritpreise damals von ihrem Höhepunkt am frühen Morgen bis zum Abend stetig ab, ehe sie am späten Abend gegen 22 Uhr wieder anstiegen und dann über Nacht konstant blieben. Der Gedanke dahinter: Nachts haben weniger Tankstellen auf, die Konkurrenz ist somit kleiner und deshalb könne man sich die hohen Preise erlauben.

Mittlerweile hat sich die Strategie der Tankstellen aber deutlich verändert, sagt Frondel. Zum Nachteil der Autofahrer: Für sie wird es immer schwieriger, den günstigsten Zeitpunkt fürs Tanken abzupassen. Doch die Essener Forscher wollen trotzdem herausgefunden haben, wann sich die Fahrt zur Tanke lohnt – und wann nicht (mehr Nachrichten aus dem Ruhrgebiet bei RUHR24).

Autofahrer sollten aufgrund der Preisschwankungen niemals spontan tanken

Am günstigsten sind die Preise demnach noch immer am frühen Abend, vor allem nach 18 Uhr. Die niedrigsten Preise erwarten Autofahrer an der Zapfsäule zwischen 20.30 Uhr und 22 Uhr. Am teuersten sind die Preise dagegen morgens ab 6 Uhr, wenn alle zur Arbeit fahren. Sie fallen erst wieder ab 7 Uhr. „Die Tankstellen richten sich extrem nach der Nachfrage“, so Frondels Annahme.

Ein weiterer Tipp des Essener Forschers lautet deshalb: „Autofahrer sollten nie bis zum letzten Tropfen im Tank warten, sondern vorausschauend tanken.“

Die Forschungsergebnisse des RWI entstammen einer Masterarbeit, in der die Preise für Benzin zwischen 2015 und 2020 untersucht wurden. Dabei wurden ausschließlich die Preise des Monats Mai betrachtet. Die Arbeit umfasst alle Preise in ganz Deutschland und dauerte deswegen rund ein halbes Jahr.

Im Berufsverkehr sind Benzin und Diesel am teuersten. 

ADAC kam im Mai 2021 zu den gleichen Ergebnissen zu Spritpreisen wie die Studie aus Essen

Besonders überraschend sind die Ergebnisse der Essener Studie aber nicht: Bereits im Mai hatte der ADAC sämtliche Preisbewegungen für Benzin und Diesel an den rund 14.000 Tankstellen in Deutschland verglichen und dabei ebenfalls herausgefunden, dass die Preise ab 6 Uhr steigen und um circa 7 Uhr, passend zum Start des Berufsverkehrs, ihren Höhepunkt erreichen.

Fakt ist aber auch: Nicht immer kann man sich aussuchen, wann man tanken möchte. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man unerwartet eine längere Strecke fahren muss oder auf dem Weg in den Urlaub ist. In solchen Fällen empfiehlt es sich, eine App herunterzuladen, die sämtliche Spritpreise in Echtzeit vergleicht.

Rubriklistenbild: © Carsten Koall/dpa

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