Schlimme Kettenreaktion vermutet

Drama in NRW: Kind verschluckt Kirschkern und ist jetzt gelähmt

Verursachen Kirschkerne eine Blinddarmentzündung? Im Falle eines Kindes aus NRW war das der Fall. Danach folgte ein echter Medizin-Horror.

Stolberg (NRW) – Ein Kind verschluckt einen Kirschkern und ist danach gelähmt. Kann das sein? Ja, aber so einfach wie es sich anhört, ist es natürlich nicht. Und es ist extrem selten und kann eine Folge komplizierter Verkettungen sein. RUHR24* erklärt, was hinter der Horror-Geschichte aus NRW* steckt.

ErkrankungBlinddarmentzündung
lat. BegriffAppendizitis
ArtEntzündung des Wurmfortsatzes

NRW: Kind verschluckt Kirschkern – es folgt Blinddarmentzündung und halbseitige Lähmung

Konkret geht es um ein heute neunjähriges Kind aus Stolberg bei Aachen, das, wie die Bild jüngst berichtete, auf einem Markt einen Kirschkern verschluckte. Zwei Wochen später folgten Bauchschmerzen und Fieber – die Anzeichen einer Blinddarmentzündung.

In sehr seltenen Fällen können verschluckte Fremdkörper, wie etwa Kirschkerne, tatsächlich eine Blinddarmentzündung auslösen, wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte bestätigt. Manche Experten halten Kirschkerne aber eigentlich für zu groß, als dass sie sich im sogenannten „Wurmfortsatz“, einem Teil des Blinddarms, verfangen könnten.

Kirschkern bleibt in Blinddarm stecken – gravierende Folgen für Kind aus NRW

Aber genau das passierte im Falle des Jungen aus Stolberg*. Problematisch: Der Blinddarm hat zwar einen Eingang, aber keinen Ausgang. Der Kirschkern konnte also nicht auf natürliche Art weiterwandern.

Durch eine Operation konnten Ärzte den feststeckenden Fremdkörper aber schließlich entfernen. Doch der Junge hatte einen Blinddarmdurchbruch davongetragen, welcher die Entzündung des Bauchraums verursachte. Der Blinddarm kann brechen, wenn die Entzündung darin nicht rechtzeitig behandelt wird. Kot und Bakterien gelangen dann in den Bauchraum und führen unter Umständen zu lebensgefährlichen Komplikationen. Der Medizin-Horror nimmt somit seinen Lauf.

Plötzlich hatte der Junge neurologische Symptome wie Halluzinationen oder das Gefühl, ein „Kabel“ unter der Wirbelsäule zu spüren. Eine Autoimmunreaktion, die sich gegen die Entzündung im Bauchraum richtete, könnte der Auslöser dafür sein. Sicher ist das jedoch nicht. Es könnte sich auch um einen bloßen Zufall handeln.

Kind aus NRW: Kirschkern verschluckt, Blinddarmentzündung, jetzt gelähmt – aber Zusammenhang unklar

Gegenüber der Bild vermutet der behandelnde Arzt, Prof. Martin Staudt von der Schönklinik Vogtareuth in Bayern, der Körper des Jungen könnte durch eine Autoimmunreaktion das eigene zentralen Nervensystem attackiert haben – in diesem Fall das Gehirn und Teile des Rückenmarks. Die Diagnose: autoimmune Enzephalomyelitis. Die Erkrankung ähnelt der Multiplen Sklerose.

Nicht der Blinddarm selbst, sondern der Wurmfortsatz, ein Anhängsel an seiner Rückseite, ist bei einer Entzündung betroffen.

Dass der Kirschkern und die Blinddarmentzündung Auslöser dieser schlimmen Kettenreaktion sind, ist allerdings nicht sicher, sagt Staudt. Bei den meisten dieser autoimmunen Überreaktionen würden Ärzte den Auslöser nicht finden. Und überhaupt: Sie seien extrem selten.

Kind aus NRW ist gelähmt und fährt jetzt im Elektrorollstuhl

Jetzt ist der Junge aus Stolberg vom Hals abwärts gelähmt*, fährt im Elektrorollstuhl. Die Familie muss in eine entsprechend ausgestattete Wohnung umziehen.

Der Verein „Silberstreifen“ sammelt nun Geld für die Familie, auf die nun Kosten für Betreuung und Versorgung zukommen. Hierhin kann gespendet werden: Silberstreifen e.V., IBAN: DE36 7116 0000 0106 7203 58, BIC: GENODEFVRR Verwendungszweck: Florian. RUHR24* ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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