Keine Raketen zum Jahreswechsel

Silvester ohne Feuerwerk und Böller? Überraschendes Ergebnis bei deutschlandweiter Umfrage

Silvester ohne buntes Feuerwerk am Himmel? Für viele unvorstellbar - denkt man. Eine Umfrage zeigt jetzt das Gegenteil. Es scheint sich ein Umdenken in der Gesellschaft anzubahnen. 

  • Für viele Deutsche sind Feuerwerk, Böller und Geknalle ein Muss für einen gelungenen Jahreswechsel.
  • Eine Umfrage zeigt jedoch: Viele befürworten ein Verbot der bunten Raketen.
  • Zuletzt hatten sich viele Supermärkte gegen einen Verkauf ausgesprochen - auch in Dortmund.

Silvester ohne Feuerwerk? So stehen die Deutschen dazu

Dortmund - Für viele Deutsche gehört das Geknalle an Silvester einfach dazu: Punkt 0 Uhr werden tausende bunte Raketen und Böller in die Luft geschossen, um das neue Jahr zu begrüßen. Am Samstag (28. Dezember) beginnt in Deutschland der Verkauf der Feuerwerkskörper, denn das sogenannte Kleinfeuerwerk darf nur an den letzten drei Tagen im Jahr verkauft werden. 

In diesem Jahr sieht es doch danach aus, als ob der Umsatz beim Verkauf von Raketen keine Rekordzahlen brechen würde. Denn immer mehr Supermärkte haben beschlossen, die Böller zu Silvester aus dem Sortiment zu nehmen und gar nicht erst anzubieten. Und wer jetzt denkt, der Handel ziehe damit den Ärger seiner Kunden auf sich, hat sich getäuscht. Denn eine Umfrage, die im Auftrag des RedaktionsNetzwerks Deutschland von dem Meinungsforschungsinstitut YouGov erstellt wurde, zeigt das Gegenteil. Die Mehrheit der Deutschen spricht sich für ein Verbot von Raketen an Silvester aus.

Keine Böller an Silvester: Mehrheit ist dafür

Die Debatte über den Sinn und Unsinn des Feuerwerks zum Jahreswechsel ist nicht neu. Bereits seit einigen Jahren wird sie von Politik, Gesellschaft und Handel geführt - sie erhitzt aber jedes Jahr aufs Neue die Gemüter. Denn auch wenn es viele Gründe gibt, die Böller an Silvester zu verbieten, die Deutschen lieben die Tradition und wollen weiterhin bunte Raketen in die Luft feuern und "Dinner for one" gucken.  Jährlich sind es bis zu 130 Millionen Euro, die dabei verschossen werden. 

Da die Folgen und das Ausmaß des Feuerwerks in den Städten jedoch in den letzten Jahren überhandgenommen hatten, indem zum Beispiel die Feinstaub- oder die Müllbelastung enorm gestiegen ist, die Zahl der Schwerverletzten zunahm oder viele Tiere in Mitleidenschaft gezogen wurden, haben sich Städte dazu entschieden, das Böllern an Silvester in bestimmten Gebieten zu verbieten. Auch in Dortmund gibt es Verbotszonen, in denen keine Feuerwerkskörper abgeschossen werden dürfen. Die Stadt will dadurch die Sicherheit erhöhen. Die Umfrage zeigt jetzt: 57 Prozent der Befragten findet das Verbot in Ordnung.

Feuerwerk an Silvester - ja oder nein? Meinungen gehen auseinander

Auch wenn die knappe Mehrheit von den rund 2000 Befragten der repräsentativen Umfrage ein Verbot der Böller und Raketen an Silvester begrüßen würde, bleibt das Feuerwerk weiterhin äußerst beliebt. 84 Prozent gaben nämlich an, dass das Feuerwerk dennoch schön anzusehen sei und weitere 49 Prozent finden das Geknalle zum Jahreswechsel auch überaus gesellig. Also Verbot ja, aber wenn weiterhin geknallt werden darf, ist das auch okay - so scheint zumindest die grundlegende Sicht der Dinge zu sein. 

36 Prozent der Befragten haben jedoch eine klare Meinung und sprechen sich entschieden gegen ein solches Verbot an Silvester aus. Sie wollen weiterhin ein Feuerwerk zum Jahreswechsel abschießen. Doch vielleicht wird diesem Teil der Gesellschaft bald ohnehin die Entscheidung abgenommen. Denn neben den städtischen Verbotszonen für Böller, spricht sich auch zunehmend der Handel gegen einen Verkauf von Feuerwerk aus.

Handel nimmt Böller und Raketen zu Silvester aus dem Sortiment

Zuerst gab die Baumarktkette Hornbach bekannt, 2020 in Deutschland keine Böller mehr an Silvester verkaufen zu wollen. Wenige Zeit später zogen auch einzelne Filialen von Edeka und Rewe nach und verzichten auf das Geschäft mit den Feuerwerkskörpern. Eine Rewe-Filiale in Dortmund hatte diesbezüglich seine Kunden befragt. Und auch hier zeigte sich: Die Mehrheit (62 Prozent) hielt das Abschießen von Raketen am 31.12 nicht mehr für angemessen. Der Geschäftsführer reagierte auf dieses Ergebnis und kündigte an, in diesem Jahr keine Böller verkaufen zu wollen. Ganz im Gegenteil zu Aldi und Lidl, die haben nochmal so richtig die Werbetrommel gerührt und die besten Knaller-Angebote an Böllern und Raketen zum Jahreswechsel ins Sortiment aufgenommen.

Die Entscheidung des Verzichts wird aber vor allem den weiblichen und älteren Teil der Bevölkerung freuen. Denn unter den Menschen, die das Feuerwerk an Silvester ablehnen, sind mit 63 Prozent vorwiegend Frauen. Nur jeder zweite Mann befürwortet ebenfalls das Unterlassen der Böllerei zum Jahreswechsel. Ebenso verhält es sich mit dem Alter: Wohingegen die über 55-Jährigen das Feuerwerk ablehnen, will sich die jüngere Generation den Spaß nicht verderben lassen und weiterhin bunte Raketen in den Nachthimmel schießen. 

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