Kommentar

Silvester-Feuerwerk sollte verboten werden – nicht nur dieses Jahr

Silvesterfeuerwerk sollte verboten werden.
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Ein Verbot von Feuerwerk an Silvester würde Polizei und Rettungsdienst entlasten.

Feuerwerk an Silvester hat in diesem Jahr noch mehr Nachteile, als ohnehin schon. Es sollte verboten werden, findet RUHR24-Redakteur Florian Forth.

Ich finde, Silvesterfeuerwerk sollte verboten werden. Nicht nur im Corona-Jahr 2020, sondern für immer. Leider hat die Politik es bei den aktuellen Beratungen zu schärferen Corona-Maßnahmen versäumt, diesen nur scheinbar mutigen Schritt zu wagen. Dabei zeigen Befragungen aus dem vergangenen und diesem Jahr: Ein größerer Teil der Menschen in Deutschland könnte gut auf Feuerwerk verzichten. Bei einer Umfrage von Civey für t-online.de waren etwa 57,8 Prozent der Befragten für ein Verbot, 36,7 Prozent wollten hingegen weiter „Böllern“.

Silvester 2020: Böller und Raketen sollten dieses Jahr verboten werden

Warum überlässt man Knaller und Raketen den Amateuren, wenn Profis doch wirklich Sehenswertes in den Nachthimmel zaubern können? Stattdessen gilt hierzulande: Mut zum Dilettantismus. Jeder darf Feuerwerk kaufen und zünden. Und wenn der Finger ab ist oder das Auge etwas abbekommen hat? Einfach ins Krankenhaus fahren. Die haben ja sicherlich zwischen Corona-Patienten und anderen Notfällen noch kurz Zeit, das wieder zu flicken.

Polizei und Ordnungsdienste sollen an Silvester stellenweise Feuerwerksverbote durchsetzen.

Zum einen werden durch die Knaller immer wieder Unbeteiligte teils schwer verletzt. Zum anderen ist das Verhalten einfach respektlos dem medizinischen Personal gegenüber. Die Nachteile überwiegen den praktisch nicht vorhandenen Nutzen damit um ein Vielfaches.

Verbot von Silvesterfeuerwerk: Vorschlag der Politiker ist zynisch

Nicht umsonst nehmen wie bereits in den vergangenen Jahren einige Baumärkte Silvesterfeuerwerk gar nicht erst ins Sortiment auf. Dennoch macht die Pyrotechnik-Branche weiterhin jährlich einen Umsatz von mehr als 130 Millionen Euro.

Dass die Politik diesen Unternehmen das Geschäft nicht zerstören will, mag vielleicht noch Sinn ergeben. Anschließend aber die Städte zu bitten, Feuerwerk an belebten Orten selbst zu verbieten, ist geradezu zynisch und nicht praktikabel. Warum nicht stattdessen etwas Geld in die Hand nehmen und ein kontrolliertes städtisches Feuerwerk abfackeln? Dann würden die Hersteller auch nicht leer ausgehen. Auch finanzielle Hilfen wären vorübergehend denkbar.

Silvester: Niederlande verbieten Feuerwerk – Deutschland sollte das auch tun

Die Niederlande haben vorgemacht, dass es an Silvester auch ohne unnötigen Schall und Rauch gehen kann. Dort sind der Kauf und das Abbrennen von Feuerwerk in diesem Jahr verboten. Das ist auch für die Polizei leicht zu kontrollieren und entlastet die bereits strapazierten Rettungskräfte.

Indes scheint Deutschland für ein Verbot von Feuerwerk an Silvester noch lange nicht reif. Das wäre ja so, als würde man ein Tempolimit auf Autobahnen einführen wollen. Oder das Rauchen in Kneipen verbieten.

Dass unser Brauchtum durchaus eingeschränkt werden kann und darf, hat sich ja bereits vor einigen Jahren bei den Osterfeuern gezeigt. Verordnungen nach dem „Gesetz zum Schutz vor Luftverunreinigungen und Geräuschen“ regeln seit Jahren unter anderem die Folgen für die Umwelt. Generell werden durch Beschränkungen bei den obigen Themen zudem viele Unbeteiligte geschützt und das System entlastet. Diesem Ansatz sollte künftig auch mit einem Verbot von Feuerwerk an Silvester Rechnung getragen werden.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.