Silvester in der Corona-Pandemie

NRW: Silvester 2020 und Corona - Wie sinnvoll sind Böller-Verbotszonen wirklich?

In NRW wurden erste Zonen benannt, in denen an Silvester nicht „geknallt“ werden darf. Sind Verbote der richtige Weg? Ärzte und der Dortmunder OB erklären, wo Verbote Sinn ergeben – und wo nicht.

Dortmund/NRW – In NRW wurde erste Verbotszonen benannt, an denen an Silvester keine Böller und kein Feuerwerk gezündet werden dürfen. Ein flächendeckendes Verbot soll es allerdings nicht geben – gut so, finden manche Ärzte. Und auch Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal hält nichts von den aktuell geplanten Verbotszonen für Innenstädte.

AnlassSilvester
Datum/WochentagDonnerstag, 31. Dezember 2020
UrsprungGedenktag des heiligen Papstes Silvester I

Böllerverbot an Silvester 2020 aus Corona-Schutzgründen in NRW

Gut vier Wochen vor Silvester zeichnet sich ab, wo es 2020 Verbotszonen für Böller und Feuerwerke geben wird. Doch ein flächendeckendes oder gar generelles Verbot von Silvesterböllern soll es nicht geben: Liebhaber der Knallerei an Silvester dürfte diese Nachricht freuen – wenngleich auf einzelnen belebten Plätzen in den Innenstädten von NRW Verbotszonen ausgewiesen werden sollen.

So hat Köln bereits angekündigt, die Knallerei in der Altstadt zu untersagen. Auch in Düsseldorf und in Münster werden Teile der Innenstadt zur Verbotszone für Silvesterknaller. In den Kommunen muss nun entschieden werden, wo es weitere Verbotszonen geben wird, oder wo bestehende Zonen erweitert werden könnten. Denn anders als in den vergangenen Jahren spielt 2020 auch der Schutz vor Corona in die Überlegungen mit rein: Nicht nur gefährliche Verletzungen, auch große Menschenansammlungen sollen durch das Verbot der Knallerei auf belebten Plätzen und Straßen vermieden werden.

Corona-Silvester: Böllerverbot in NRW nicht von jedem befürwortet

Warum also nicht ein generelles Verbot aussprechen? Besser nicht, findet laut einem Bericht der Ruhr Nachrichten (Bezahlinhalt) ein Chirurg aus dem St. Rochus-Hospital in Castrop-Rauxel. Der Arzt befürwortet, dass privat weiter geböllert werden darf. Denn ein Verbot würde nur dazu führen, das viele sich ungeprüfte Böller und Feuerwerk auf dem Schwarzmarkt beschaffen würden.

Mit einem Böllerverbot, befürchtet der Arzt laut RN, würde es an Silvester mehr Verletzte geben – eine zusätzliche Belastung, die Notaufnahmen in der Corona-Pandemie möglicherweise kaum stemmen können. Denn schon jetzt weiß der Arzt von heftigen Verletzungen in der Silvesternacht zu berichten.

Andere Ärzte in NRW und dem Ruhrgebiet würden ein Feuerwerk-Verbot in diesem Jahr allerdings befürworten. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser seien zum Jahreswechsel immer voll mit durch Feuerwerkskörper verletzte Patienten. Sie hoffen, dass es durch das Verbot weniger Verletzte geben könnte und die Notaufnahmen entlastet werden.

Silvester in Corona-Zeiten: Kontrolle des Böllerverbot in NRW schwierig

Auch Thomas Westphal, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund ist mit den aktuellen Plänen für Silvester nicht einverstanden. Er kritisiert den Beschluss von Bund und Ländern, dass an Silvester in Städten und Kommunen belebte Plätze und Straßen zu Verbotszonen für Silvesterböller und Feuerwerk erklärt werden sollen. Denn: Die Kontrolle der Verbotszonen sollen die jeweils zuständigen Ordnungsämter übernehmen. Eine Aufgabe, die die in Corona-Zeiten sowieso schon überlasteten Ordnungsämter kaum übernehmen könnten.

„Bund und Ländern machen es sich in dieser Hinsicht sehr einfach und schieben die Verantwortung an die Kommunen weiter“, ärgert sich Westphal. Außerdem arbeiteten die kommunalen Ordnungsämter schon jetzt an der Belastungsgrenze. Wie, fragt Westphal, solle das Verbot an Silvester in der Praxis umgesetzt und kontrolliert werden? Außerdem sei der Erfolg der Corona-Maßnahme sehr fraglich, wenn Pyrotechnik weiter im Handel erhältlich sei. Der OB forderte stattdessen, den Verkauf von Feuerwerkskörpern zu Silvester komplett zu untersagen.

Eine weitere Meinung teilte die Fraktionschefin der Grünen, Verena Schäffer gegenüber der Bild mit: Sie plädiert dafür, zentrale Feuerwerke in den Städten zu organisieren, bei denen auch das coronabedingte Abstandsgebot geachtet wird. Zentrale Feuerwerke als Ersatz für die unkoordinierte Böllerei auf öffentlichen Plätzen könnten laut Schäffer auch zur Sicherheit an Silvester beitragen – indem sie die Anzahl von Verletzten im Krankenhaus verringern.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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