Covid-19-Pandemie

Silvester 2020: Warum Ärzte aus NRW für ein Feuerwerk-Verbot sind

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Wegen der Corona-Krise könnte es in NRW in diesem Jahr ein Feuerwerk-Verbot an Silvester geben.

Die Corona-Krise stellt die Menschen weiterhin auf eine schwere Probe. An große Partys ist derzeit nicht zu denken. Wie sieht es an Silvester 2020 aus?

Dortmund/NRW - Seit zwei Wochen gilt in Deutschland und NRW der „Corona-Lockdown light“. Die Zahlen der Neuinfektionen sind trotzdem weiterhin besorgniserregend. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnete am Montag (16. November) erneut über 10.000 registrierte Neuinfektionen mit dem Coronavirus. (Mehr aktuelle Corona-Entwicklungen in NRW im Live-Ticker auf RUHR24.de.)

AltjahrestagSilvester
Datum Donnerstag, 31. Dezember 2020
Gregorianischer Kalenderder letzte Tag des Jahres
NeujahrstagFreitag, 1. Januar 2021

Weihnachten und Silvester 2020: Partys trotz Corona möglich?

Langsam, aber sicher blicken die ersten besorgt auf das Weihnachtsfest in gerade einmal fünf Wochen. Immerhin rät die Bundesregierung derzeit von privaten Zusammenkünften dringend ab. Wird es da möglich sein, den Heiligabend mit seinen Liebsten zu verbringen?

Und wie sieht es mit Silvester in diesem Jahr aus? Der Jahreswechsel 2020 könnte deutlich ruhiger ausfallen - erste Rufe nach einem Verbot von Partys und Feuerwerk in NRW werden laut.

Silvester-Feuerwerk in Holland: Verbot gilt wegen Corona

In unserem Nachbarland Holland ist die Sache bereits beschlossen: Die Niederlande haben für Silvester 2020 ein Feuerwerk-Verbot ausgesprochen. Konkret bedeutet das: Im ganzen Land dürfen Raketen, Böller und Kracher weder gekauft noch gezündet werden, verkündete Ministerpräsident Mark Rutte am Freitag (13. November). Ärzte, Polizisten und Krisenstäbe zur Corona-Pandemie hatten das zuvor gefordert.

Die Niederlande wollen mit dem Feuerwerk-Verbot an Silvester zum einen dafür sorgen, dass weniger Menschen zusammenkommen. Noch wichtiger sei es, das Gesundheitssystem zu entlasten. Denn die Corona-Krise hat ihre Spuren im Nachbarland hinterlassen: „Wir sind an der Kapazitätsgrenze - wir müssen jetzt sicherstellen, dass wir an Silvester keine zusätzlichen Patienten versorgen müssen. Dieses Risiko müssen wir so klein wie möglich halten“, so Infektiologe Martin Grobusch in der Tagesschau.

Ärzte in NRW sprechen sich für Feuerwerk-Verbot an Silvester aus

Ärzte in NRW und dem Ruhrgebiet würden ein Knall-Verbot in diesem Jahr ebenfalls befürworten. Denn auch hierzulande sind vor allem die Notaufnahmen der Krankenhäuser zum Jahreswechsel immer voll. So kommt es an Silvester vermehrt zu Verletzungen, die im Zusammenhang mit Feuerwerkskörpern stehen.

Ohne Böller könnten viele Unfälle vermieden werden, vermutet Dr. Andreas Leutner, Direktor der Dortmunder Kinderchirurgie. In der Pandemie würde es für das Personal „eine enorme Entlastung“ bedeuten, wenn in der Silvesternacht nicht noch zusätzliche Patienten hinzukommen würden, zitiert die WAZ (Bezahlartikel) Leutner weiter.

Politik in NRW hat Feuerwerks-Verbot wegen Corona noch nicht auf dem Schirm

Auch Jochen Werner, Chef der Uniklinik Essen, erinnert daran, nicht nur an Weihnachten zu denken, sondern auch an Silvester. In dem Videocast „19 – die DUB Chefvisite“ forderte er ein Verbot größerer Feiern und eine Debatte ähnlich der in den Niederlanden.

Eine Diskussion über ein Feuerwerk-Verbot an Silvester 2020 scheint in NRW jedoch noch gar nicht zu laufen. Derzeit richtet die Politik ihre Pläne nach der noch geltenden Coronaschutzverordnung. Allerdings: „Sollten im Rahmen von Silvester-Feierlichkeiten zusätzliche Regelungen getroffen werden müssen“, so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Düsseldorf, werde die Landesregierung diese zu gegebenem Zeitpunkt veröffentlichen.

Feuerwerk-Verbot an Silvester: Stadt Köln berät sich bereits

In Köln will man nicht so lange warten. Wie die Stadt gegenüber dem WDR am Samstag (14. November) mitteilte, solle es bald eine Entscheidung zum Thema Feuerwerk-Verbot geben. „Dieses Jahr steht vieles auf dem Prüfstand, so auch die Silvesterfeuerwerke“, sagte Stadtsprecher Alexander Vogel.

Der Städte- und Gemeindebund NRW spricht sich derweil gegen ein generelles Verbot aus. In vielen Kommunen habe es zu Silvester in den Vorjahren keine ernsthaften Probleme gegeben, so Präsident Roland Schäfer am Sonntag (15. November) gegenüber der Rheinischen Post. „Ein generelles Böllerverbot wäre daher überzogen.“

Video: Verrückte Feinstaub-Hysterie zu Silvester: Was ist dran?

Schäfer plädierte dafür, den Kommunen die Entscheidung selbst zu überlassen. Örtlich könne ein Verbot sinnvoll sein, wenn die Corona-Infektionszahlen dort bis Ende Dezember nicht sinken.

Deutsche umwelthilfe kämpft weiter für Feuerwerk-Verbot

Der Deutschen Umwelthilfe (DUH) würde ein Knall-Verbot an Silvester gefallen. Sie kämpft bereits seit Jahren für die Abschaffung von Feuerwerken. In diesem Jahr beruft sich der Verein auf Studien, nach denen es einen Zusammenhang zwischen erhöhter Feinstaubbelastung und schweren Verläufen bei Covid-19 geben soll.

Wissenschaftlich ist diese Annahme jedoch umstritten. Eine Studie des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI) habe laut dem WDR ergeben, dass beim Feuerwerk dreimal weniger Feinstaub ausgestoßen werde als die von der DUH festgestellten 5.000 Tonnen.

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